USA präsentieren sich als Einheit
US-Flaggen sind ausverkauft

Was an der liberalen Westküste Kaliforniens noch bis vor kurzem unvorstellbar schien, wurde nach den Terroranschlägen der vergangenen Woche über Nacht Realität. Überall in San Francisco hängen die rot-weiß-blauen Fahnen, ob an Häusern, in Geschäften oder an Autoantennen. Sogar im Stadtteil Castro, dem bekannten Schwulenviertel der Stadt, wehen neben der Regenbogenflagge nun die "Stars-and-Stripes".

ddp SAN FRANCISCO. Die USA versuchen, sich der Welt als Einheit zu präsentieren. Symbol dafür ist die "Old Glory", die amerikanische Fahne. Der Kongress hat bereits einen Tag nach den Anschlägen eine Resolution verabschiedet, welche die Beflaggung von öffentlichen Orten für mindestens 30 Tage vorsieht. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung aufgerufen, die Flagge als Symbol für "Freiheit und Gerechtigkeit" überall sichtbar werden zu lassen.

"Ich hatte das Gefühl zeigen zu müssen, dass ich zu meiner Nation stehe."

"Ich habe mich immer über meine Landsleute mit ihrer Fahnenbesessenheit lustig gemacht", sagt Margaux Ramos, eine PR-Managerin aus San Francisco. "Doch in den letzten Tagen hatte ich auch das Gefühl, zeigen zu müssen, dass ich zu meiner Nation stehe". Ramos telefonierte vier Stunden Supermärkte, Baumärkte und Drogerien in San Francisco und Umgebung an - ohne Erfolg. Auch über die gebührenfreie Hotline des größten Flaggenvertriebs in Kalifornien "Doublet Manufacturing" erfahrt man, dass keine einzige Flagge mehr zu haben ist.

"Unsere Lager sind komplett leer, wir haben in den letzten Tagen an die 58 000 Flaggen an Firmen, Hotels und Privatpersonen im ganzen Land verkauft", berichtet "Doublet"-Verkaufsleiter Michael Medici. Er rechne frühestens in zwei Wochen mit Nachschub.

Die Lieferschwierigkeiten liegen an einem Engpass bei der Herstellung. Normalerweise läuft die Fertigung der Banner vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli auf Hochtouren, danach flacht das Geschäft wieder ab. Die Geschehnisse und die Nachfrage haben die Hersteller überrollt.

Statt echten Fahnen prangen nun ausgeschnittene Zeitungsanzeigen mit der amerikanischen Flagge an den Windschutzscheiben. Auch kann man sich die Flagge als Bildschirmschoner oder Ausdruck kostenlos von verschiedenen Internetseiten, unter anderem von der Seite der Kriegsveteranen, herunterladen.



Besonders beliebt sind Krawatten mit den Stars-and-Stripes

Auch T-Shirts, Plüschtiere und Postkarten mit amerikanischen Symbolen wie etwa der Freiheitsstatue vor New York, finden in den Souvenirläden viele Käufer. Andreas Marcias besitzt in San Francisco einen Andenkenladen neben einer Cable-Car Station. "Ob Amerikaner oder Touristen, die Andenken mit amerikanischen Motiven werden uns regelrecht aus den Händen gerissen. Besonders beliebt sind Krawatten und Regenschirme mit den Stars-and-Stripes", weiß auch er zu berichten.

Margaux Ramos hat sich einen Teddybären mit der Flagge darauf gekauft. "Vielleicht verlässt mich dieses neue patriotische Gefühl ja in ein paar Wochen wieder", sagt sie lächelnd, "dann kann ich den Teddy wenigstens verschenken."

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