USA prüfen Tonband
Bin Laden droht auch Deutschland

Der Terroristenchef Osama bin Laden hat sich angeblich mit einer neuen Tonband-Botschaft zu Wort gemeldet. Der arabische Fernsehsender El Dschasira strahlte am Dienstagabend die Aufzeichnung aus, in der ein Sprecher Warnungen an die Adresse der Verbündeten der USA ausstößt und dabei Deutschland, Großbritannien und Italien ausdrücklich erwähnt.

HB/dpa WASHINGTON/KAIRO. Nach Angaben von Außenminister Colin Powell prüfen die USA das Band auf Echtheit. "Näheres kann ich nicht sagen", sagte Powell in Washington.

Der arabische Journalist Hisham Melham, der in der Vergangenheit zahlreiche Bin-Laden-Kassetten untersuchte, hält die Aufnahme für authentisch. "Es hört sich so an, als sei er es, wenn die Stimme auch nicht so sanft wie sonst klingt und langsamer spricht", sagte er dem US-Sender CNN.

Der Sprecher auf dem Tonband preist die Geiselnahme in einem Moskauer Theater sowie den blutigen Terroranschlag auf Touristen auf Bali. Lobende Worte findet er auch für den Anschlag auf den französischen Öltanker "Limburg", das jüngste Attentat auf US- Soldaten in Kuwait und die Explosion in der Synagoge von Djerba, "wo Deutsche getötet wurden".

Sollte sich die Stimme als die Bin Ladens erweisen, wäre dies der erste Beweis seit langem, dass der Anführer des Terrornetzwerks El Kaida noch am Leben ist. Seine Stimme war in den vergangenen Monaten zwar auch auf anderen Audio-Aufnahmen identifiziert worden, allerdings hatten die Experten darauf keine Anhaltspunkte zum Zeitpunkt der Aufnahmen gefunden.

Unterdessen verstärkte Großbritannien zum Schutz gegen Terroranschläge die Sicherheitsvorkehrungen in Fährhäfen. Die Regierung versicherte am Dienstag allerdings, niemand müsse seine Reisepläne deswegen ändern. Am Montagabend hatte Premierminister Tony Blair in London vor neuen Anschlägen von El Kaida gewarnt. Nach Berichten der BBC wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Fährhäfen verschärft, weil Informationen aus Frankreich und den Niederlande über einen möglichen Sprengstoffanschlag mit einem Lastwagen vorliegen. Der britische Staatssekretär im Innenministerium, John Denham, sagte dagegen, es gebe keine konkrete Terrorwarnung.

Gegen den Bruder des mutmaßlichen Djerba-Attentäters Nizar Ben Mohammed Nawar wurde am Dienstag in Paris ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Mord und Mordversuch in Zusammenhang mit einem Terroranschlag eingeleitet. Walid Nawar (22) soll für Nizar Nawar nicht nur ein Satelliten-Telefon, sondern auch falsche Ausweispapiere besorgt haben. Zudem soll auch vom Handy des Bruders in den Wochen vor dem Anschlag vom 11. April mit einem El-Kaida-Führer telefoniert worden sein, hieß es aus Justizkreisen.

Bei dem Attentat auf die Synagoge der tunesischen Ferieninsel Djerba waren mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen, darunter 14 deutsche Touristen. El Kaida hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

In Deutschland stürmte die Polizei nach einem Bericht der Zeitung "Hamburger Morgenpost" (Mittwoch) am Dienstag bundesweit 27 Wohnungen mutmaßlicher Islamisten. Die Aktion habe sich gegen 25 Personen gerichtet, es habe eine Festnahme gegeben. Bei den Durchsuchungen, zwei davon in Hamburg, seien vor allem schriftliche Unterlagen sichergestellt worden. Die Beamten hätten aber auch eine unbekannte chemische Substanz gefunden, berichtete die Zeitung. Von offizieller Seite war am Dienstagabend keine Bestätigung des Berichts zu bekommen.

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