USA setzen Luftangriffe fort
Rot-Kreuz-Lager in Kabul getroffen

Die USA setzen ihre Militäroperation in Afghanistan unermüdlich fort. Ziele der Angriffe waren am Mittwoch der Norden und Nordosten der Hauptstadt Kabul sowie die Taliban-Hochburg Kandahar. Im Unterschied zu den vorangegangenen Tagen war kein Feuer der Flugabwehr zu hören.

ap KABUL. Das US-Verteidigungsministerium räumte die irrtümliche Bombardierung eines Rot-Kreuz-Lagers in Kabul ein. Das Pentagon erklärte, der Pilot habe das Gebäude für ein Waffenlager gehalten.

Die Angriffe wurden den elften Tag in Folge fortgesetzt. Im Norden und Nordosten der Hauptstadt Kabul waren am Morgen fünf Explosionen zu hören. Drei Bomben wurden über dem Südwesten der Stadt abgeworfen. Zuvor hatten in der Nacht zwei Mal Flugzeuge Kabul überquert, ohne Bomben abzuwerfen. Nach den Angriffen im Morgengrauen gab es keine Berichte über Verletzte oder Todesopfer. Ebenfalls bombardiert wurde ein Militärstützpunkt in Dschalalabad im Osten des Landes.

Das Pentagon erklärte am Dienstag in Washington, ein Flugzeug des Typs F/A-18 "Hornet" habe 450-Kilogramm-Bomben auf das Rot-Kreuz-Gebäude abgeworfen. Es sei irrtümlich vermutet worden, dass die Taliban-Miliz das Lagerhaus für militärische Zwecke benutzt habe. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) protestierte gegen die Bombardierung ihres Lagers. Das Gebäude, in dem Weizen, Decken und Ausrüstung bereitgehalten worden seien, sei deutlich mit dem Symbol der Organisation gekennzeichnet gewesen, erklärte das IKRK. Bei dem Luftangriff wurde ein Wachmann verletzt.

Die oppositionelle Nordallianz lieferte sich heftige Gefechte mit den Taliban-Kämpfern um die Stadt Masar-i-Scharif. Ein Sprecher der Opposition erklärte, die Kämpfer der Nordallianz seien nur noch sieben Kilometer vom Flughafen der Stadt entfernt. Nach den bisherigen Luftangriffen halten die US-Streitkräfte die Kampfkraft der Taliban für erheblich geschwächt. Generalleutnant Gregory Newbold sagte in Washington: "Die Kampfkraft der Taliban ist bedeutungslos geworden." Die Taliban müssten schon in den kommenden Tagen mit dem Verlust von Masar-i-Scharif an die Nordallianz rechnen.

Ein Verlust der nordafghanischen Stadt wäre ein erheblicher Rückschlag für die Taliban, sagte der General. Das seit drei Jahren zwischen beiden Bürgerkriegsparteien umkämpfte Masar-i-Scharif sei nicht nur wichtig für die Versorgung der Milizverbände, sondern besitze auch große psychologische Bedeutung. Die Stadt diente der Opposition bis zum Überfall der Taliban 1998 als Basis.

Der UN-Sicherheitsrat nahm in New York Beratungen über die künftige Rolle der Vereinten Nationen in Afghanistan aufgenommen. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die 15 Ratsmitglieder dazu auf, bei allen Überlegungen darauf zu achten, dass es in Pakistan, Indien, Iran oder den früheren Sowjetrepubliken nicht zu einer Destabilisierung der Lage kommt. Ansonsten sei eine Eskalation mit unabsehbaren Ausmaßen zu befürchten. Bei den Beratungen geht es um humanitäre Maßnahmen für die Bevölkerung und um eine politische Neuordnung nach einem möglichen Sturz des Taliban-Regimes.

Weitere Hilfsgüter für Afghanistan

Die USA werden Afghanistan weitere Nahrungsmittelhilfen im Wert von 38,5 Mill. Dollar zur Verfügung stellen. Der Leiter der US-Behörde für Internationale Entwicklung, Andrew Natsios, sagte, Ziel sei, jeden Monat etwa 55 000 Tonnen Nahrungsmittel nach Afghanistan zu liefern. Die am Dienstag angekündigte Hilfe umfasst 73 000 Tonnen Weizen, Linsen, Erbsen und andere landwirtschaftliche Produkte; sie können jedoch nach Angaben von Natsios erst im Januar ausgeliefert werden. In den kommenden Wochen sollten etwa 65.000 Tonnen Hilfsgüter in Afghanistan eintreffen, weitere 100 000 Tonnen im November und Dezember.

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