USA setzen Luftangriffe fort
Taliban werfen USA Einsatz von Chemiewaffen vor

Die USA haben den zweiten Tag in Folge Stellungen der radikal-islamischen Taliban nördlich von Kabul angegriffen. An der Front zwischen den Taliban und der oppositionellen Nordallianz stiegen nach den Luftangriffen am Montag Rauchwolken auf. Die Allianz kündigte einen baldigen Sturm auf die strategisch wichtige Stadt Masar- i-Scharif an.

Reuters WASHINGTON/KABUL. Die Taliban beschuldigten die USA, biologische und chemische Waffen einzusetzen. Das US-Militär wies die Vorwürfe zurück. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies ebenfalls zurück, dass bei einem Luftangriff in einem Krankenhaus mehr als 100 Menschen getötet worden sein sollen. Pakistans Präsident Pervez Musharraf warnte vor Angriffen während des Mitte November beginnenden Fastenmonats Ramadan.

Die Stellungen der Taliban nahe Kali Nasru wurden in zwei Wellen mit je zwei Flugzeugen angegriffen. Nach der ersten Welle stieg schwarzer Rauch auf, nach der zweiten gab es zwei heftige Explosionen. Die Taliban reagierten mit Abwehrfeuer. General Baba Dschan von der Nordallianz sagte in seinem etwa fünf Kilometer entfernten Hauptquartier, das Ziel sei offenbar genau getroffen worden. Was das Ziel gewesen war, sagte er nicht. Nordallianz-General Baryalai sagte in Deschitikala, ein Angriff auf Masar-i-Scharif stehe unmittelbar bevor. "Heute wollen wir angreifen", sagte er. Eine Einnahme der Stadt würde der Allianz Nachschubwege öffnen. Sie hat die USA wiederholt aufgefordert, Taliban-Stellungen in der Nähe anzugreifen.

Der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge griff ein US-Kampfhubschrauber am Nachmittag Ziele auf dem Hügel Schamschad nahe der pakistanischen Grenze an. In der Hauptstadt Kabul blieb es dagegen so ruhig wie seit dem Beginn der Angriffe auf Afghanistan am 7. Oktober nicht mehr. Der Sprecher des Taliban-Informationsministeriums, Abdul Hanan Himat, sagte, Ärzte in Herat und Kandahar hätte ihm von Anzeichen für den Einsatz biologischer und chemischer Waffen erzählt. "Die Zeichen sind bei den Verwundeten deutlich zu sehen", sagte Himat. "Dazu gehören Vergiftungserscheinungen." Eine Sprecherin des US- Verteidigungsministeriums wies die Vorwürfe zurück.

Der Pakistan-Botschafter der Taliban, Abdul Salam Saeef, sagte in Islamabad, in Herat seien Patienten, Ärzte und Pflegepersonal bei dem Angriff auf ein Krankenhaus getötet worden. Er sprach von mehr als 100 Toten. Es sei klar, dass das afghanische Volk das Ziel der Angriffe sei. Der Sprecher des Taliban-Informationsministeriums sprach von 50 bis 70 getöteten Patienten. Rumsfeld sagte, es gebe absolut keine Beweise für die Taliban-Vorwürfe. Er sei sicher, dass sie nicht stimmten.

Unterschiedliche Angaben gab es zu einem US-Hubschrauber- Wrack, das den Taliban zufolge in der Provinz Helmand abgeschossen worden war. Der Hubschrauber sei nach den Kommando- Einsätzen der USA vom Samstag gefunden worden, teilten die Taliban mit. Es gebe auch Blutspuren. Der Fernsehsender El Dschasira in Katar zeigte Bilder von Reifen und einem Stück Metall, auf dem "Shock. Loud Engineering" stand. Die US-Firma Loud Engineering & Manufacturing stellt den CH-47 "Chinook" Hubschrauber her. Dagegen sagte die Sprecherin des US- Verteidigungsministeriums: "Wir haben keine Hubschrauber in Afghanistan verloren." Die USA hatten den Absturz eines Hubschraubers vom Typ "Black Hawk" am Wochenende in Pakistan bekannt gegeben. Dabei handelte es sich nach US-Angaben jedoch um einen Unfall.

Musharraf sagte dem US-Fernsehsender CNN, es wäre zu wünschen, dass der US-Feldzug vor dem Ramadan beendet würde. "Und es wäre auch zu hoffen, dass während des Ramadans Zurückhaltung geübt wird, da es ansonsten sicherlich zu negativen Auswirkungen in der moslemischen Welt käme". US-Außenminister Colin Powell hatte dem Fernsehsender Fox gesagt, die USA wollten die Taliban bis zum Wintereinbruch besiegen. Er schloss nicht aus, dass der Einsatz auch in den Ramadan reichen könnte. Ramadan ist der neunte Monat des moslemischen Mondjahres und für Gläubige ein Monat der Besinnung. In der islamischen Geschichte fanden jedoch mehrmals Kriege während der Fastenzeit statt.

Pakistan kündigte an, keine weiteren afghanischen Flüchtlinge ins Land lassen zu wollen. "Wir sind nicht in der Lage, einen massiven Strom afghanischer Flüchtlinge wirklich zu versorgen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Am Sonntag war es am Grenzübergang Chaman zu Ausscheitungen gekommen, als 5000 Flüchtlinge ihren Weg nach Pakistan erzwangen. Pakistanische Sicherheitskräfte feuerten in die Luft, während die Flüchtlinge ihrerseits mit Steinen warfen. Die Vereinten Nationen (UNO) haben wiederholt vor einer Katastrophe gewarnt, sollten die Flüchtlinge nicht bis zum Winter versorgt werden können.

Die USA und Großbritannien greifen nach eigenen Angaben in Afghanistan Ziele der Taliban und der Organisation El Kaida des moslemischen Extremisten Osama bin Laden an. Die USA machen ihn für die Anschläge vom 11. September verantwortlich, bei denen vermutlich etwa 5400 Menschen starben.

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