USA sprechen von Propagandatricks
Raketenvernichtung geht vorerst weiter

Irak hat die Forderung des Uno-Waffeninspekteurs Hans Blix erfüllt, spätestens am Samstag mit der Zerstörung seiner Kurzstreckenraketen von Typ "El Samud 2" zu beginnen. Blix würdigte dies als "sehr wichtiges Stück einer echten Abrüstung", die USA bewerteten die Raketen-Zerstörung hingegen als Propagandatrick und Täuschung.

Reuters BAGDAD. Sie könnte es den USA aber schwerer machen, im Uno-Sicherheitsrat Unterstützung für einen Krieg gegen Irak zu gewinnen. Im Beisein von Uno-Waffeninspektoren wurden am Samstag im Militärstützpunkt Tadschi nördlich von Bagdad die ersten vier Raketen zerstört, weitere sechs folgten am Sonntag. Die "El-Samud-2"-Raketen sind die modernsten der irakischen Streitkräfte. Rund 100 davon sollen existieren, etwa 50 auf Stützpunkten rund um Bagdad. Ihre Zerstörung hatte Blix angeordnet, weil sie bei Tests weiter als die erlaubten 150 Kilometer geflogen sind. Nach irakischen Angaben lag dies daran, dass sie keinen Gefechtskopf getragen hatten.

Uno-Teamleiter Dimitri Perricos sagte, die Zerstörung der Raketen verlaufe langwieriger als erwartet. Die Inspektoren wollten sie sprengen, Irak habe aber Planierraupen einsetzen wollen. Eine Frist, bis zu der alle Raketen vernichtet sein sollen, sei nicht vereinbart worden. "Ich glaube nicht, dass alles rein technisch innerhalb von vier Tagen zerstört werden kann, aber wohl in zwei Wochen", sagte er.

Offenbar als weiteren Versuch, den USA Argumente für einen Krieg zu nehmen, ließ Irak die Befragung eines Biologen und eines Raketenexperten durch Uno-Inspektoren ohne Aufsicht zu. Die Zulassung dieser Interviews sind eine der Hauptforderungen der Inspektoren. Außerdem vereinbarten irakische Experten mit den Inspektoren Gespräche über den Verbleib von Nervengas und Milzbranderregern. Nach irakischer Darstellung wurden sie vernichtet. Blix hatte kritisiert, dass dafür keine konkreten Beweise vorgelegt worden seien.

Das Einlenken Iraks wird von den USA zwar als Täuschungsmanöver abgetan, hinter dem keine wahre Bereitschaft zur Abrüstung stecke. Sie dürften es damit aber schwerer haben, die Kriegsgegner im Uno-Sicherheitsrat für ihre Resolution zur Legitimierung eines Militärschlags gegen Irak zu gewinnen. Frankreich, das ein Vetorecht in dem Rat hat, bekräftigte am Sonntag seine Ablehnung der neuen Resolution. Frankreich sei dagegen, genau wie die Vetomacht Russland und eine Reihe anderer Staaten, sagte Außenminister Dominique de Villepin der BBC.

Gegen einen Irak-Krieg sprachen sich auch die Mitglieder der Arabische Liga aus. Auf ihrem Gipfeltreffen in Ägypten lehnten sie zugleich eine Beteiligung ihrer Länder an einem Krieg ab. Erstmals schlug aber ein arabisches Land, die Vereinigten Arabischen Emirate, einen Rücktritt der irakischen Führung und den Gang ins Exil für Präsident Saddam Hussein vor. Solche Überlegungen haben in der arabischen Welt eine besondere Brisanz, da viele ihrer Regierungen nicht demokratisch legitimiert sind und in einem derartigen Vorschlag einen für sie gefährlichen Präzedenzfall sehen. Regimewechsel herbeizuführen sei nicht Aufgabe der Arabischen Liga, sagte deren Vorsitzender Amr Mussa.

US-Militärs müssen wohl Angriffspläne ändern

Die USA müssen bei ihrem Truppenaufmarsch für einen Irak-Krieg möglicherweise umdisponieren, da sich im türkischen Parlament überraschend keine Mehrheit für die Stationierung von 62 000 US-Soldaten in dem Land fand. Die Führung der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) beriet am Sonntag über das weitere Vorgehen. Dazu könnte auch eine neue Abstimmung gehören. Andernfalls müssten die bereits vor der Mittelmeerküste der Türkei liegenden Schiffe mit Soldaten und Waffen der 4. US-Infantriedivision in den Golf verlegt werden. In US-Verteidigungskreisen hieß es, die Pläne der Militärs seien flexibel genug, um auf jede Änderung einzugehen.

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