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USA: Taliban könnten US-Hilfslieferungen vergiften

Die radikal-islamischen Taliban planen nach US-Angaben möglicherweise die Vergiftung und anschließende Verteilung von Lebensmitteln aus Beständen der USA oder von Hilfsorganisationen an Flüchtlinge.

rtr WASHINGTON. Konteradmiral John Stufflebeem sagte am Mittwoch in Washington: "Wir vertrauen den uns verliegenden Informationen - dass sie vielleicht eine oder mehrere Sorten von Lebensmitteln vergiften und den Amerikanern die Schuld geben wollen." Stufflebeem nannte weder die Quelle der Angaben noch sagte er, wie die Lebensmittel vergiftet werden könnten. Die Taliban wiesen den Vorwurf als US-Propaganda zurück. Die USA haben nach eigenen Angaben seit dem Beginn der Angriffe auf Afghanistan per Flugzeug 785 000 Lebensmittelpakete für afghanische Flüchtlinge abgeworfen.

Stufflebeem sagte, die USA würden niemals Lebensmittel vergiften. "Es ist jenseits unserer Vorstellungskraft, dass wir erwägen würden, eine Nahrungsquelle zu vergiften", sagte er. Das afghanische Volk werde über die möglicherweise bestehende Gefahr durch Lebensmittel informiert, die von den Taliban verteilt würden. "Wir geben diese Informationen im Voraus bekannt, damit sie (die Flüchtlinge) wissen, dass von den USA verteilte Lebensmittel nicht belastet sind", sagte Stufflebeem. "Es gibt viele Nicht-Regierungsorganisationen, denen wir alle trauen, aber wenn sie (die Lebensmittel) von den Taliban kommen, müssen sie (die Flüchtlinge) vorsichtig sein." Die von Frachtflugzeugen des US-Militärs abgeworfenen Lebensmittelpakete enthalten genug Nahrung, um eine Person einen Tag lang zu versorgen.

"Niemand kann so brutal und ignorant sein, sein eigenes Volk zu vergiften", sagte der Bildungsminister der Taliban, Amir Chan Mutakki, der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge. Das sei reine Propaganda, die zeige, wie entnervt die USA seien, sagte Mutakki weiter.

Seit dem Beginn der amerikanisch-britischen Luftangriffe auf Afghanistan am 7. Oktober sind mehrere zehntausend Menschen auf der Flucht. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) teilte am Mittwoch mit, bis zu 300 000 Flüchtlinge könnten ins Nachbarland Pakistan einreisen wollen. Ein UNHCR-Sprecher sagte dazu, diese Zahl sei nur ein Ausgangspunkt für Versorgungspläne. Die schlimmsten Szenarien gingen von bis zu einer Million Flüchtlingen aus.

Das UNO-Welternährungsprogramm (WFP) teilte auf seiner Website mit, künftig mit 52 000 Tonnen Lebensmitteln im Monat wenigstens die sechs Millionen hungrigsten Menschen in Afghanistan versorgen zu wollen. WFP-Mitarbeiter hätten am Dienstag die Grenze von Pakistan nach Afghanistan überquert, um die dort auf Ausreise wartenden zu versorgen. Pakistan hat erklärt, es könne keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen. Mehrere Hilfsorganisationen haben die Befürchtung geäußert, bis zum Wintereinbruch in Afghanistan könne eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung nicht nicht mehr gewährleistet werden.

Die USA und Großbritannien greifen nach eigenen Angaben Stellungen der Taliban und der El-Kaida-Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden an. Die USA machen ihn für die Anschläge am 11. September in New York und bei Washington verantwortlich, bei denen vermutlich etwa 5400 Menschen starben. Die Taliban haben Bin Laden Gastrecht gewährt und haben Forderungen nach seiner Auslieferung abgelehnt. Nach den Angaben der Taliban sind bei den Angriffen auf Afghanistan mehr als 1000 Menschen getötet worden. Die USA haben diese Zahl als übertrieben bezeichnet.

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