USA tappen im Dunkeln: Musharraf: Bin Laden ist wahrscheinlich tot

USA tappen im Dunkeln
Musharraf: Bin Laden ist wahrscheinlich tot

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hält es für sehr wahrscheinlich, dass Terroristenchef Osama bin Laden tot ist. Er glaube, dass der nierenkranke Bin Laden nicht in der Lage gewesen sei, sich behandeln zu lassen, sagte Musharraf in einem Interview des US-Nachrichtensenders CNN. "Ganz offen, ich denke, er ist tot, denn er ist ein Nierenpatient." Ähnliche Vermutungen hatte bereits gestern ein ehemaliger Freund des Extremistenführers geäußert.

dpa/rtr WASHINGTON. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, sagte dazu am Freitag vor Journalisten: "Wir wissen es schlicht nicht." Er fügte hinzu, wenn Musharrafs Äußerungen zuträfen und Bin Laden wirklich tot sei, würde Präsident George W. Bush "dies nicht als unwillkommenes Ereignis ansehen".

Musharraf führte in dem CNN-Interview weiter aus, es sei seinem Land bekannt, dass bin Laden zwei Dialyse-Geräte nach Afghanistan habe bringen lassen. "Eines war spezifisch für seinen persönlichen Gebrauch bestimmt." Musharraf verwies zugleich auf jüngste Videos, die einen äußerst geschwächten Bin Laden gezeigt hätten. "Ich würde eher davon ausgehen, dass er tot ist und erst an zweiter Stelle, dass er lebt und sich irgendwo in Afghanistan versteckt hält."

Ähnliche wie Musharraf geht auch der ägyptische Journalist Essam Dares, ein früherer Freund bin Ladens, davon aus, dass dieser tot ist. Dares sagte am Donnerstag, bin Ladens zuletzt ausgestrahltes Video habe bereits wie die Abschiedsnachricht eines Todeskandidaten gewirkt. "Ich bin zu 99 % sicher, dass er bei den sehr intensiven Luftangriffen in den Höhlen von Afghanistan umgekommen ist", sagte der freie Journalist in einem Interview.

Als Fotoreporter hatte Dares eigenen Angaben zufolge Ende der 80er Jahre den Kampf der afghanischen Mudschaheddin gegen den Einmarsch der Sowjettruppen dokumentiert und dabei Bin Laden intensiv kennengelernt. Er habe Mahlzeiten und die spartanisch ausgestatteten Verstecke mit Bin Laden geteilt. Dares' Fotos des kauernden Kriegers bin Laden vor kahlem Himmel oder von dessen Dialysebehandlung gewannen nach dem 11. September erneut an Bedeutung.

Dares zufolge könnte ein im Dezember ausgestrahltes Video durchaus das Letzte sein, was die Welt von Bin Laden gesehen habe. In dem Video beschrieb der Extremistenführer Bin Laden in einer weitschweifenden, improvisierten Rede die "Abscheu" des Westens für den Islam. Er habe wie ein kranker Mann ausgesehen, der vor seinem nahenden Tod noch eine Nachricht habe loswerden wollen. Der frühere ägyptische Offizier Dares beschrieb in Laden als damals grundsätzlich guten Menschen: "Er war ein großer Kämpfer. Deshalb stießen die Araber zu ihm. Er war nicht charismatisch, doch er strahlte große Herzlichkeit aus. Er benahm sich nicht wie ein Chef, sondern behandelte jeden wie einen Bruder."

Bin Ladens 1989 nach dem Rückzug der Sowjettruppen aus Afghanistan aufkeimender Anti-Amerikanismus sei erst im Sudan extrem geworden. "Der Sudan krempelte ihn um. Die Leute um ihn herum waren sehr hart im Sudan und sie drängten ihn in die Rolle des Führers einer neuen Islamischen Revolution", sagte er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%