USA und Großbritannien machen Druck
Invasionspläne für Irak-Krieg entworfen

Die USA und Großbritannien haben nach Angaben aus Verteidigungskreisen detaillierte Pläne für einen Bodenkrieg in Irak entworfen, der mit einer Invasion von See her beginnen soll.

Reuters LONDON. Die Pläne für einen derartigen militärischen Einfall in Irak vom Golf aus befinden sich bereits "in einem fortgeschrittenen Stadium", wie am Wochenende in London aus dem britischen Verteidigungsministerium verlautete. Zugleich verdichteten sich Hinweise auf ein militärisches Vorgehen der USA gegen Irak Anfang kommenden Jahres: US-Präsident George W. Bush verschob eine für Januar geplante Afrika-Reise und verwies auf "innenpolitische und internationale Erwägungen". Aus US-Regierungskreisen verlautete, Bush werde Ende Januar oder Anfang Februar eine Entscheidung über einen Krieg treffen.

Die USA und Großbritannien haben Irak mit einem Militärschlag gedroht, sollte Präsident Saddam Hussein gegen die Abrüstungs-Auflagen der Vereinten Nationen (UNO) verstoßen. Großbritannien soll dem Angriffsszenario zufolge mit rund 3000 Marineinfanteristen einer Elitetruppe gemeinsam mit einem weit größeren US-Kontingent an der geplanten Invasion teilnehmen, die den Auftakt eines Bodenkrieges bilden soll. Soldaten der britischen Eliteeinheit haben bereits an der Seite der Amerikaner im Afghanistan-Krieg gekämpft.

Sobald die Invasionsarmee eine Front errichtet habe, könnten später weitere Bodentruppen nachrücken. Der Einsatz amphibischer Landungskräfte würde demnach die politischen Probleme vermeiden, die die Präsenz von großen Truppenverbänden in Iraks Nachbarstaaten mit sich bringen würde. Zudem gebe es die Furcht vor einem irakischen Angriff mit chemischen oder biologischen Massenvernichtungswaffen: "Würden Sie wirklich 200 000 Soldaten an einen Ort versammeln und sie damit zu einem Ziel machen?", hieß es in britischen Verteidigungskreisen.

Die Golfkriegs-Alliierten hatten 1991 zwar Landungstruppen im Golf zusammengezogen, die Invasion dann jedoch über Land von Kuwait und Saudi-Arabien aus gestartet. Anders als zu Beginn der 90er Jahre kontrollieren die USA und ihre Verbündeten mittlerweile die Meeresrouten in der Region und haben zudem Seeminen-Räumschiffe im Einsatz.

In den vergangenen Monaten haben nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters Kriegsschiffe der USA, Großbritanniens und Australiens, die die Einhaltung des UNO-Embargos gegen Irak im Golf überwachen, ihr Operationsgebiet zunehmend von internationalen in irakische Gewässer verlegt. Die Schiffe kreuzten nunmehr selbst ungehindert in Küstennähe vor dem irakischen Schatt el Arab, dem Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris. Über den Schatt el Arab verläuft die Schifffahrtsroute zu dem wichtigsten irakischen Hafen Basra am Euphrat.

Irak bekräftigte unterdessen seine Bereitschaft, in vollem Umfang mit den UNO-Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, um einen US-Militärschlag abzuwenden. "Wir werden der amerikanischen und der britischen Regierung niemals die Ausrede liefern, nach der sie für ihren ungerechten Krieg gegen unser Land suchen", sagte der irakische Handelsminister Mohammed Mehdi Saleh der Sonntagsausgabe der Zeitung "Gulf News". Irak werde der UNO beweisen, dass das Land keine Massenvernichtungswaffen besitze, sagte Saleh, der sich zu einem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhielt.

Die USA haben Regierungskreisen zufolge angekündigt, den UNO-Waffeninspektoren noch am Wochenende Geheimdienstinformationen über vermutete Lagerstätten von Massenvernichtungswaffen in Irak zur Verfügung zu stellen. Die USA würden die UNO-Waffeninspektoren der Vereinten Nationen (UNO) über weniger als sechs Orte informieren, an denen US-Geheimdienstkreisen zufolge "verdächtige chemische Waffen oder Produktionselemente" vermutet würden, verlautete aus US-Regierungskreisen.

Weiter hieß es, die USA würden den UNO-Inspektoren möglicherweise in den kommenden Tagen eine Liste mit irakischen Wissenschaftlern übergeben, die sie über irakische Waffenprogramme informieren könnten. Der Leiter der UNO-Waffeninspektionen, Hans Blix, hatte den USA und Großbritannien vorgeworfen, ihm nur unzureichende Geheimdienstinformationen über Massenvernichtungswaffen in Irak zur Verfügung zu stellen.

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