USA und Großbritannien schließen weitere Militäraktionen nicht aus
Breite Kritik an Luftangriffen auf Irak

Die Angriffe amerikanischer und britischer Kampfflugzeuge auf den Irak sind bei einigen NATO-Verbündeten sowie in China, Russland und der arabischen Welt auf Kritik gestoßen.

Reuters BAGDAD. Nach Angaben Spaniens waren die europäischen Verbündeten nicht über die Militäraktion vorab informiert worden. Frankreich verlangte eine Erklärung für den Beschuss Iraks. Die Bundesregierung äußerte Besorgnis über die Lage in der Region. Während China die Angriffe als Verletzung der Souveränität des Irak bezeichnete, warnte Russland vor einer Destabilisierung des Nahen Ostens und der Golf-Region. Die Arabische Liga erklärte, die Angriffe verstießen gegen internationales Recht. In Bagdad demonstrierten am Sonntag Tausende Menschen gegen den Militäreinsatz, bei dem nach irakischen Angaben zwei Zivilisten ums Leben gekommen waren.

Die USA und Großbritannien schlossen weitere Militäraktionen für die Zukunft nicht aus. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums und der britischen Regierung hatten am Freitag 24 Kampfflugzeuge mit ferngelenkten Waffen fünf Abwehrstellungen und Radar-Stationen nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad angegriffen. Es habe sich um einen Vergeltungsschlag nach wiederholten Versuchen des Irak gehandelt, westliche Flugzeuge in der südlichen Flugverbotszone ins Zielradar zu nehmen, hieß es. Die Flugverbotszonen waren nach dem Golfkrieg 1991 im Süden und Norden des Irak zum Schutz der dort lebenden Kurden und Schiiten eingerichtet worden.

Die Angriffe erschwerten eine Lösung des Irak-Problems im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO), erklärte das NATO-Land Frankreich. Die Türkei bemängelte die mangelnde Informationspolitik der USA. Sie hoffe, dass die Angriffe nicht fortgesetzt würden. Die Bundesregierung teilte mit, Außenminister Joschka Fischer (Grüne) werde die Situation im Mittleren und Nahen Osten bei Gesprächen mit der US-Regierung in Washington erörtern.

China und Russland, die neben Frankreich, Großbritannien und den USA ständige Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat sind, kritisierten die Angriffe heftig. China verlangte einen Stopp der Aktionen. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, jegliche Militäraktionen gegen den Irak bedürften einer Genehmigung des UNO-Sicherheitsrat. Ägyptens Präsident Husni Mubarak sagte der italienischen Zeitung "La Repubblica", die Angriffe hätten die Situation komplizierter gemacht und unschuldige Menschen getötet. Er glaube nicht, dass Saddam eine Bedrohung für die Welt darstelle. Die Arabische Liga teilte mit, die Luftangriffe dürften sich nicht wiederholen.

Zuletzt hatten die USA und Großbritannien 1998 militärische Einrichtungen außerhalb der Schutzzonen im Irak angegriffen. Damit reagierten die Alliierten auf die Weigerung des Irak, mit UNO-Inspektoren zusammenzuarbeiten. Diese sollten die Vernichtung von Massenvernichtungswaffen des Irak überprüfen.

Demonstranten in Bagdad

In Bagdad zogen aus Protest gegen die Angriffe den zweiten Tag in Folge Demonstranten durch die Straßen und verbrannten Flaggen der USA und Israels. Schätzungsweise 10 000 Teilnehmer fanden sich zur größte Demonstration in der irakischen Hauptstadt seit 1998 zusammen, die von Saddams Baath-Partei organisiert wurde. Das UNO-Büro für humanitäre Aufgaben beschränkte wegen der angespannten Lage die Reisetätigkeit seiner Mitarbeiter. Die Arbeit werde aber ansonsten normal fortgesetzt, sagte ein UNO-Sprecher. Irakische Zeitungen forderten in ihren Sonntagsausgaben Vergeltung für die Angriffe. Der verbalen Verurteilung seitens der arabischen Freunde und der gesamten Welt müssten Taten folgen, hieß es.

Großbritanniens Premierminister Tony Blair sagte, sein Land werde weitere Militäraktionen gegen Irak befürworten, sollte die Regierung in Bagdad britische Flugzeuge angreifen, die die Flugverbotszonen überwachten. US-Präsident George W. Bush kündigte an, die USA würden "angemessene Maßnahmen" ergreifen, sollte der Irak weiter entgegen den UNO-Resolutionen Massenvernichtungswaffen produzieren.

Am Vortag hatte Saddam der irakischen Nachrichtenagentur INA zufolge mit seinen Beratern über militärische Maßnahmen gegen die USA und deren Helfer beraten. Saddam habe dabei auch die Aufstellung von 21 Freiwilligen-Divisionen angeordnet, die Palästinenser in ihrem Kampf gegen Israel unterstützen sollten, meldete INA. In den Palästinenser-Gebieten demonstrierten am Sonntag erneut Hunderte Menschen gegen die Luftangriffe. Israels stellvertretender Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte im israelischen Rundfunk, derzeit bestehe kein Grund zur Sorge. Der Irak sei aber langfristig eine Gefahr für Israel, wenn er sein Waffenarsenal weiter aufstocke. Irak hatte im Golfkrieg Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert.

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