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USA unterstützen Nordallianz mit Luftangriffen

Die USA und die Nordallianz haben am Dienstag Stellungen der radikal-islamischen Taliban nahe der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans angegriffen. Auch nördlich der Hauptstadt Kabul bombardierten US-Kampfflugzeuge Stellungen der Taliban.

Reuters WASHINGTON/KABUL. Das US-Verteidigungsministerium räumte unterdessen ein, eine Bombe sei nahe eines Altenheimes in Herat eingeschlagen. Der arabische Sender El Dschasira meldete ferner, in einem Dorf bei Kandahar seien 93 Zivilisten bei US-Bombenangriffen getötet worden.

"Unsere Streitkräfte haben gestern angegriffen, und es hat heftige Kämpfe gegeben", sagte der Nordallianz-Kommandeur Abdul Raschid Dostum der Nachrichtenagentur Reuters. Die Offensive habe am Montag im Keschendeh-Distrikt etwa 40 Kilometer südlich von Masar-i-Scharif begonnen. Der Taliban-Bildungsminister Amir Chan Muttaki sagte der afghanischen Nachrichtenagentur AIP, die Opposition sei nicht vorgerückt. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben gab es nicht. Die Einnahme von Masar-i-Scharif würde der Nordallianz Nachschubwege öffnen.

Die Stellungen der Taliban an der Frontlinie wurden den dritten Tag in Folge von US-Kampfflugzeugen angegriffen. "Unsere Bemühungen aus der Luft dienen ganz klar dazu, diese Truppen (der Nordallianz) am Boden zu unterstützen", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag in Washington. Nach Angaben der Taliban sind bei nächtlichen Luftangriffen nahe Kabul und Herat mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Am Montag sei außerdem ein Krankenhaus bombardiert worden. Etwa 100 Menschen seien dabei gestorben. Rumsfeld wies dies als falsch zurück.

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit: "Am Sonntag um 9.05 Uhr hat ein US-Flugzeug versehentlich eine 1000 Pfund schwere Bombe über offenem Gelände nahe eines Altenheims bei Herat abgeworfen." Die USA bedauerten jeden Todesfall in der Zivilbevölkerung. Angaben über Opfer gab es nicht. AIP berichtete indes, dass bei Herat ein leer stehendes Militärkrankenhaus durch Bombentreffer zerstört worden sei.

Nach einem Bericht des Senders El Dschasira kamen am Dienstag 93 Bewohner eines Dorfes nahe Kandahar bei Bombenangriffen ums Leben. Auch verwundete Flüchtlinge sprachen von getöteten Zivilisten. Mindestens 29 Menschen seien beim Bombardement der Hauptstadt der Provinz Urusgan im Süden Afghanistans gestorben, sagte ein Augenzeuge. Die Zahl der getöteten Zivilisten ist nach Angaben der Taliban auf mehr als 1000 gestiegen. Die USA haben die Zahlen als übertrieben bezeichnet. Informationen aus unabhängiger Quelle gibt es nicht.

Der Vertreter der Nordallianz in den USA, Haron Amin, sagte im Fernsehen, die Allianz werde auf Kabul vorrücken, die Stadt jedoch nicht erobern. Zunächst müsse die politische Zukunft Afghanistans geklärt werden. Pakistans Präsident Pervez Musharraf schlug vor, Kabul zur neutralen Zone zu erklären. Er befürchte Gräueltaten in Kabul, sollte die Nordallianz dort einrücken. Am Mittwoch sollten im pakistanischen Peshawar Exil-Afghanen über eine Regierung nach einem Sturz der Taliban sprechen. Das zweitägige Treffen soll eine Möglichkeit finden, alle afghanischen Stämme an der Regierung zu beteiligen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte nach einem Treffen mit seinem saudiarabischen Kollegen Saud el Feisal, sie seien sich einig darüber, dass es eine innerafghanische Lösung auf breiter ethnischer Grundlage geben müsse, bei der der ehemalige König Sahir Schah und die UNO eine Rolle spielen.

Pakistan wies erneut eine Forderung der Vereinten Nationen (UNO) zurück, weitere Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. Musharraf sagte dem US-Sender CNN: "Unser Dilemma ist, dass wir schon etwa zweieinhalb Mill. Flüchtlinge hier in Pakistan haben." Ein UNO-Sprecher berichtete, besonders aus Kandahar würden Menschen nach Pakistan strömen. Am Wochenende war es zu Ausschreitungen am Grenzübergang Chaman gekommen, als 5000 Flüchtlinge mit Gewalt die Grenze überquerten. Der Grenzübergang wurde geschlossen. Nur noch Frauen, Kinder und ältere Menschen dürften nach Pakistan, sagte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums.

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