USA verringern Luftstreitkräfte
Boykott überschattet Irak-Konferenz

Der Boykott der wichtigsten schiitischen Oppositionsgruppe hat am Dienstag die erste Konferenz für eine Nachkriegsordnung im Irak seit der Entmachtung von Saddam Hussein überschattet. Der Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) begründete sein Fernbleiben in Teheran mit der Befürchtung, dass die USA die Entwicklung im Nachkriegs-Irak dominieren würden.

HB/WASHINTGON/BAGDAD. Angesichts des sich abzeichnenden Kriegsendes beginnen die USA unterdessen damit, schrittweise ihre Luftstreitmacht in der Region zu verringern. Syrien steht unterdessen weiter unter Druck.

Bei dem Treffen im südirakischen Nasirija wollten rund 100 irakische Regimegegner unter Leitung des künftigen US-Verwalters Jay Garner über die Zukunft des Landes beraten. Auch der US- Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad wollte teilnehmen. Der Vorsitzende des Irakischen Nationalkongresses (INC), Ahmed Chalabi, der als erste Wahl des US-Verteidigungsministeriums für eine Führungsrolle im Irak gilt, hatte schon zuvor angekündigt, er werde nur einen Vertreter entsenden.

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Nach den Vorstellungen des britischen Premierministers Tony Blair sollen im Irak zunächst die dringenden humanitären- und Sicherheitsprobleme gelöst werden. Schon "innerhalb von ein paar Wochen" solle dann eine "breit gefächerte Übergangsbehörde" errichtet werden, ein Jahr später gefolgt von freien Wahlen. Blair und Bundeskanzler Gerhard Schröder wollten am Dienstagnachmittag in Hannover über den Wiederaufbau des Iraks beraten.

Unterdessen begannen Amerikaner und Briten, ihre Militärpräsenz in der Region schrittweise zu verringern. Wie die US-Marine bestätigte, werden die beiden Flugzeugträger "Kitty Hawk" und "Constellation" noch in dieser Woche mit ihren Begleitschiffen den Persischen Golf verlassen und ihre Heimathäfen ansteuern. Auch die in die Türkei geschickten knapp 1200 US-Soldaten verlassen das Land wieder. Die Briten hatten schon vor Tagen angekündigt, mehrere Tornado-Kampfjets würden zurückbeordert. Auch die Seeflotte solle verringert werden.

Zugleich bereiteten Vertreter der Vereinten Nationen, die das Land vor Kriegsbeginn verlassen hatten, ihre Rückkehr in den Irak vor. Das UN-Büro für humanitäre Hilfe berichtete, auf Zypern stehe ein etwa 30-köpfiges internationales UN-Team bereit, das die humanitäre Lage im Irak einschätzen und dann entsprechende Maßnahmen vorschlagen werde. Weitere 700 internationale Mitarbeiter warteten außerhalb des Landes auf ihre Einsätze. Im Irak selbst hielten sich rund 3400 einheimische UN-Mitarbeiter bereit.

Das US-Verteidigungsministerium rechnet nach der Einnahme der nordirakischen Stadt Tikrit nicht mehr mit größeren Kämpfen im Lande. Allerdings könne es noch zu kleineren, aber heftigen Gefechten kommen, sagte Pentagon-Sprecher General Stanley McChrystal am Montag (Ortszeit) in Washington.

Die USA machen unterdessen weiter Druck auf Syrien, dem sie vorwerfen, irakischen Führungsmitgliedern Zuflucht zu gewähren, Terrorgruppen zu unterstützen und Chemiewaffen zu entwickeln. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte am Montag (Ortszeit) in Washington, es lägen Informationen über syrische C-Waffen-Tests in den vergangenen 12 bis 15 Monaten vor.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon forderte die US- Regierung auf, nun massiven diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Syrien auszuüben. Israel wisse, dass Syrien führenden Vertretern des Saddam-Regimes Asyl gewähre und der Irak vor dem Krieg militärisches Gerät ins Nachbarland Syrien geschafft habe, sagte Scharon der Tageszeitung "Jediot Achronot" (Dienstag).

UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einer Verschärfung der Lage. Annan sei "besorgt, dass die jüngsten Äußerungen an die Adresse Syriens zu einer umfassenderen Destabilisierung in einer Region beitragen könnten, die bereits durch den Krieg im Irak schwer betroffen ist", heißt es in einer UN-Erklärung, die in der Nacht zum Dienstag in New York veröffentlicht wurde. Der Konflikt solle im Einklang mit den Bestimmungen der UN-Charta gelöst werden.

Der britische Außenminister Jack Straw forderte die Regierung in Damaskus am Dienstag bei einem Besuch im US-Zentralkommando in Doha (Katar) auf, einen "konstruktiven" Weg einzuschlagen und mit den USA und Großbritannien zusammenzuarbeiten.

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