USA
Warum die Vorwahlen nichts mehr entscheiden

Der Sieg Hillary Clintons in Pennsylvania vergrößert das Dilemma der Parteistrategen. Sie fürchten, dass die Fortsetzung des Duells mit Barack Obama viele Wechselwähler verschrecken könnte. Nützen würde dies den Republikanern. Warum die Vorwahlen eigentlich nichts mehr entscheiden und die Superdelegierten so wichtig sind.

Etappensieg

In Pennsylvania hat Hillary Clinton mit knapp 55 Prozent der Stimmen einen überraschend klaren Erfolg über Barack Obama errungen. Zwar hatte sie in dem konservativen Schlüsselstaat im Nordosten der USA vor Wochen schon mit mehr als 20 Prozent der Stimmen geführt, zuletzt war ihr Barack Obama in den Umfragen aber ziemlich nahe gekommen.

Wenige Delegierte

Allerdings kann Clinton mit diesem Erfolg den Vorsprung Obamas bei den entscheidenden Delegierten für den Parteitag nur unwesentlich verkürzen. Die Demokraten verteilen die Delegierten proportional zum Wahlergebnis, daher erhält Clinton in Pennsylvania nur rund 15 Mandate mehr als Obama.

Obama bleibt in Führung

In der Gesamtabrechnung liegt der Junior-Senator aus Illinois weiter klar in Führung. Er hat doppelt so viele Staaten wie die Ex-First-Lady gewonnen, läuft bei der Gesamtzahl der Stimmen vorneweg und führt vor allem bei der Zahl der insgesamt bereits vergebenen Mandate für den Parteitag, der formal über die Kandidatur entscheidet: Obama hat bislang knapp 1 500 der normalen Delegierten gewonnen, Clinton etwa 160 weniger. Diese Delegierten sind beim Parteitag an einen der Kandidaten gebunden.

Die Superdelegierten

Allerdings kann weder Clinton noch Obama bei den Vorwahlen selbst die magische Zahl von 2 025 Delegierten, die Parteitagsmehrheit, noch erreichen. Denn in den Vorwahlen werden nur die 3 253 normalen Delegierten bestimmt. Hinzu kommen 796 sogenannte Superdelegierte: Das sind Vertreter der Parteiführung sowie die demokratischen Senatoren, Gouverneure, Ex-Präsidenten und andere Honoratioren. Sie haben auf dem Parteitag ein Mandat qua Amt und sind in ihrer Entscheidung bis zur letzten Minute völlig frei. Einige haben zwar bereits öffentliche Empfehlungen abgegeben und gehen in die inoffizielle Delegiertenzählung mit ein – aber rund die Hälfte von ihnen wartet das Ergebnis der Vorwahlen ab und legt sich vorerst nicht fest.

Kampfabstimmung

Damit droht auf dem Parteitag Ende August in Denver eine Kampfabstimmung. Das hat es seit der Reform der Parteisatzung in den 70er-Jahren nicht mehr gegeben. Obamas Lager argumentiert, die Superdelegierten könnten sich nicht gegen das Votum der Wähler stellen und müssten sich auf seine Seite schlagen. Clintons Camp hält dagegen, dass die Superdelegierten für einen solchen Fall geschaffen wurden: Sie sollen eine Fehlentscheidung verhindern und die Partei vor einer drohenden Wahlniederlage bewahren.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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