USA wollen an Klimaschutz-Gipfeln weiter teilnehmen
Weltweite Kritik an Bushs Ablehnung des Kyoto-Klima-Abkommens

Die Ablehnung des Kyoto- Klimaschutz-Abkommens durch US-Präsident George W. Bush ist weltweit kritisiert worden. Die Europäische Union (EU), Japan, Australien sowie Umweltschutzgruppen äußerten sich am Donnerstag besorgt und empört über Bushs Ankündigung vom Vortag. Es sei fast undenkbar, dass die USA nicht teilnähmen, sagte der britische Umweltminister Michael Meacher. Sollten sich die USA tatsächlich aus dem Abkommen zurückziehen, sei das "sehr Besorgnis erregend", sagte EU-Umweltkommissarin Margot Wallström.

rtr WASHINGTON. Bush hatte erklärt, das Abkommen sei nicht im Interesse der US-Wirtschaft. Die 1997 im japanischen Kyoto getroffene Vereinbarung sieht eine Reduzierung der Treibhausgase zum Kampf gegen Klimaveränderungen vor.

Die Beteiligung der USA sei für die Wirksamkeit des Abkommens entscheidend, sagte ein Sprecher des japanischen Umweltministeriums. "Das Kyoto-Abkommen würde ohne die USA nicht funktionieren", sagte auch Australiens Umweltminister Robert Hill. Ein Scheitern der Vereinbarung wäre ein schwerer Rückschritt bei dem weltweiten Versuch, dem Problem der Klimaveränderung entgegenzutreten, da die USA für etwa 30 Prozent der weltweit entstehenden Treibhausgase verantwortlich sei.

Der Vize-Vorsitzende des UNO-Gremiums zum Klimawandeln (IPCC), Tomihiro Taniguchi, sagte, Bush sei offenbar von der US-Kohle- und-Ölindustrie unter Druck gesetzt worden. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte Taniguchi. Er glaube aber nicht, dass die Entscheidung endgültig sei. Auch ein Sprecher der Umweltschutzorganisation Greenpeace sagte in Suva auf den Fidschi-Inseln, Bushs Entscheidung folge den Interessen der Öl-, Kohle- und Gaswirtschaft. Greenpeace sei "angewidert und entsetzt". Eine Sprecherin des World Wide Fund for Nature (WWF) in Tokio zeigte sich besorgt, dass andere Länder wie Japan dem Beispiel der USA folgen könnten.

Bushs Meinung ist eindeutig



US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer hatte am Mittwoch gesagt, Bushs Meinung sei eindeutig. Dieser sei gegen das Abkommen, da es nur Industriestaaten betreffe, nicht aber Entwicklungsländer. Die Kosten überwögen den Nutzen. Aus US-Kreisen verlautete, die USA wolle jedoch weiterhin an dem Treffen zu Kyoto im Juli in Bonn teilnehmen. Bushs Vorgänger Bill Clinton hatte das Abkommen unterzeichnet, jedoch nicht dem Senat zur Ratifizierung vorgelegt. Dort gilt es ohnehin nicht als mehrheitsfähig. Bush hatte bereits deutlich gemacht, dass er entgegen einem Wahlversprechen die US-Kraftwerksbetreiber nicht zu einer Reduzierung ihres Kohlendioxid-Ausstoßes auffordern will.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte Bush in einem Brief aufgefordert, die Klimaschutzziele einzuhalten. Dazu hatte es in der vergangenen Woche in Regierungskreisen in Berlin geheißen, auch die USA seien beim Klimaschutz in der Verantwortung und müssten ihren Beitrag leisten. Schröder werde diese Position bei seinem Treffen mit Bush am Donnerstag in Washington deutlich machen. Auch die EU hatte Bush in einem Schreiben aufgerufen, das Abkommen einzuhalten. Für die EU ist der Klimaschutz nach eigenen Angaben eine zentrale Frage im Verhältnis zu den USA.

In Kyoto hatten sich die Industriestaaten verpflichtet, die Schadstoff-Emissionen bis 2010 weltweit um etwa fünf Prozent zu senken, gemessen am Stand von 1990. Treibhausgase wie Kohlendioxid werden für die Erwärmung des Erdklimas verantwortlich gemacht. Eine fortschreitende Erwärmung würde nach Ansicht von Wissenschaftlern weltweit zu Dürren und Hungersnöten sowie zu einem Anstieg des Meeresspiegels mit Überschwemmungen führen.

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