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USA wollen Mini-Atombombe entwickeln

Mit kleinen Atomsprengköpfe könnte man unterirdische Lagerstätten von Bio-Waffen zerstören, so die Überlegungen im Pentagon.

ap WASHINGTON. Das US-Verteidigungsministerium erwägt die Entwicklung kleiner Atomsprengköpfe, die vor allem der Zerstörung unterirdischer Lagerstätten von biologischen und chemischen Waffen dienen sollen. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Pentagon auf eine Anfrage des Kongresses im Oktober erstellte, wie die Regierung auf die Bedrohung durch B- und C-Waffen abwehren wolle.

Der Bericht wurde am Dienstag in Teilen von der Zeitung "The Albuquerque Journal" und von der Organisation Nuclear Watch of New Mexico im Internet veröffentlicht. Darin erklären Experten von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, besonders tief gelegene Lagerstätten chemischer und biologischer Waffen könnten mit konventionellen Waffen nicht zerstört werden. In vorläufigen Studien sei bereits geprüft worden, wie bestehende Atomwaffen so verändert werden könnten, dass sie gegen unterirdische Ziele eingesetzt werden können. Derartige Sprengköpfe könnten eine Sprengkraft von fünf Kilotonnen haben. Die 1945 auf Japan abgeworfenen Atombomben hatte eine Sprengkraft von 15 Kilotonnen. Für den Bau einer "Mini-Atombombe" müsste allerdings das 1994 vom Kongress verhängte Verbot für die Neuentwicklung von nuklearen Sprengköpfen aufgehoben werden. Ein Gremium prüfe bereits die Möglichkeit, kleinere Atomwaffen für die Zerstörung von Bunkern einzusetzen, heißt es weiter.

Das erfolge im Rahmen einer allgemeinen Analyse des Gefährdungspotenzials. Jede Entscheidung über die Fortsetzung der Forschung müsse jedoch von der übergeordneten Atomwaffenpolitik der Regierung abhängen. Der Leiter der Organisation Physiker für Soziale Verantwortung, Martin Butcher, warf der Regierung von Präsident George W. Bush vor, einen Atomschlag als Option im Kampf gegen tief eingegrabene Gegner nicht auszuschließen und "alle wesentlichen Vorbereitungen" für die Entwicklung derartiger Waffen bereits eingeleitet zu haben.

Den reduzierten Sprengkopf bezeichnete Butcher als "die dreckigsten von allen". Er sei hoch radioaktiv. Das Vorhaben sende das falsche Signal aus und erhöhe das Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen. Über die Entwicklung kleinerer Atomwaffen wird in den USA bereits seit Jahren diskutiert.

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