USA wollen Talibanführer vor Gericht stellen
"Hängt ihn auf!" - Kabuler wollen Rache an Omar

"Er sollte dort hängen, wo sie Nadschibullah gehängt haben", fordert der 22-jährige Achmed Samir, der in Kabul eine kleine Videothek betreibt. Für viele Afghanen ist Mullah Mohammed Omar zum meistgehassten Taliban geworden. Ihre Rachefantasien kennen keine Grenzen – Vorbilder dafür sind zugleich die Taten, die Omar und die Taliban einst begangen haben.

afp KABUL. "Die Bevölkerung soll Mullah Omar lynchen", findet der Tadschike Samir. "Anschließend sollte er mit geschwärztem Gesicht hinter einem Fahrzeug rund um die Stadt geschleift werden, bevor er getötet wird."

Dasselbe Schicksal war dem damaligen afghanischen Präsidenten Mohammed Nadschibullah widerfahren, als Kabul im September 1996 in die Hände der fundamentalistischen Koranschüler fiel. Die Taliban hatten den sowjettreuen Präsidenten zuvor noch kastriert. Die Brutalität der Hinrichtung hatte weltweit für Entsetzen und Entrüstung gesorgt. Auf den Straßen Kabuls aber gibt es kein Erbarmen: Mullah Omar, der einäugige Führer des im Bombenhagel untergegangenen "Islamischen Emirats Afghanistan" soll sterben – mit oder ohne Folter, sagen viele der Einwohner.

Nach dem Willen des designierten afghanischen Regierungschefs Hamid Karsai muss Omar sich nach seiner Festnahme vor Gericht verantworten. Er lässt allerdings ein Hintertürchen auf und fügt hinzu: "Falls ihm Verbindungen zum Terrorismus nachgewiesen werden." Wenn es Beweise gegen ihn gebe, werde er zur Rechenschaft gezogen, versichert der Paschtune. Auch sein designierter Innenminister Junis Kanuni gibt sich unnachgiebig. Einfache Taliban-Anhänger könnten mit einer Amnestie rechnen – Mullah Omar aber nicht, versicherte Kanuni am Freitag.

Kein Leben in Würde für Omar

"Die Antwort auf die Frage: Wird es eine Vereinbarung geben, die Omar in Kandahar ein Leben in Würde erlaubt, lautet 'Nein'", bekräftigte auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Donnerstag. "Wir wollen Gerechtigkeit." Von Journalisten bedrängt, vermied Rumsfeld es jedoch, seine jüngst geäußerte Forderung zu wiederholen, dass die Führer der Taliban und des El-Kaida-Netzwerks an die USA ausgeliefert werden müssten. Es sei auch hinnehmbar, dass die El-Kaida-Männer in ihren Heimatländern vor Gericht gestellt würden, sagte Rumsfeld. Ein Sprecher des britischen Pemierministers Tony Blair sagte am Freitag, es bleibe den USA überlassen, wie sie in dieser Sache vorgingen; Washington stünde jedenfalls das Zugriffsrecht zu.

Mullah Omar ist nach Angaben der Nachrichtenagentur AIP spurlos aus Kandahar verschwunden. Trotz fünf Jahren an der Spitze seiner Miliz ist er ein weitgehend Unbekannter geblieben, von dem nur verschwommene Bilder existieren. Nur wenige haben den Paschtunen in den vergangenen Jahren gesehen. Omar wurde vermutlich 1959 im Dorf Nodeh bei Kandahar geboren. Schon damals durften Frauen dort in der Öffentlichkeit nur bis zu den Füßen verschleiert auftreten. Auch Schulbildung war den Mädchen in Omars Geburtsort verwehrt. Als Führer der Taliban übertrug Omar später nicht nur diese Kindheitserinnerungen in seine radikalislamische Gesetzgebung für den Gottesstaat.

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