USA wünscht sich offenbar deutsche Elite-Eingreiftruppe
Bush spricht erstmals von Bodentruppen-Einsatz

Erstmals seit Beginn der US-Angriffe auf Afghanistan hat US-Präsident George W. Bush den Einsatz von Bodentruppen und den baldigen Beginn einer neuen Phase des Militäreinsatzes angekündigt.

afp WASHINGTON/KABUL. Nach der weitgehenden Zerstörung der Taliban-Luftabwehr würden Vorbereitungen getroffen, das Netz um den islamischen Fundamentalistenführer Osama bin Laden mit «verbündeten Truppen am Boden langsam aber sicher enger zu ziehen», sagte Bush am Mittwoch auf der Travis-Luftwaffenbasis in Kalifornien vor seiner Abreise nach China. In den vergangenen Tagen hatten sich die Hinweise auf einen möglicherweise bevorstehenden Einsatz von Bodentruppen verdichtet. Der iranische Staatsrundfunk hatte am Mittwoch berichtet, in der Nähe der Taliban-Hochburg Kandahar seien bereits US-Soldaten im Einsatz. Die USA setzten ihre Luftangriffe auf Afghanistan die elfte Nacht in Folge unvermindert fort.

Bush ließ offen, ob er mit seiner Ankündigung den baldigen Einsatz US-Truppen meinte, oder ob Washington die oppositionelle Nordallianz in Afghanistan gegen die Taliban stärken will. Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte, Bush habe mit seiner Aussage seine Unterstützung für die Truppen bekundet, die bereits gegen die Taliban kämpften. Konkret nannte der Vertreter die Nordallianz. Einen iranischen Rundfunkbericht, demzufolge die USA bereits Bodentruppen in Afghanistan zum Einsatz kommen, hatte das Washingtoner Verteidigungsministerium am Mittwoch nicht kommentieren wollen.

Bush bekräftigte, die Vereinigten Staaten würden alles unternehmen, um die Verantwortlichen für die Terroranschläge vom 11. September zu bestrafen. Auf seiner ersten Auslandsreise seit den Terroranschlägen vom 11. September will Bush in Schanghai beim Gipfel des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC) für die Festigung seiner Anti-Terror-Koalition werben. Am Freitag will er mit seinem chinesischen Kollegen Jiang Zemin unter anderem über den Kampf gegen den internationalen Terrorismus sprechen. Auch ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist geplant.

Weitere US-Luftangriffe - Elitesoldaten in Bereitschaft

Die US-Luftwaffe hat unterdessen am Donnerstagmorgen nach Augenzeugenberichten ihre Luftangriffe in Afghanistan fortgesetzt. In Kandahar, dem Hauptstützpunkt der in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban, sei eine Reihe schwerer Explosionen zu hören gewesen, hieß es in den Berichten. Nach Informationen aus Kreisen des US-Streitkräfte, bereiten sich Elitesoldaten auf ihren Einsatz vor. Sondereinsatzkommandos seien mit Hubschraubern zum Flugzeugträger "Kitty Hawk" gebracht worden, hieß es in den Kreisen am Mittwoch in Washington. Dies signalisiere aber nicht notwendigierweise einen schnellen Angriff, hieß es weiter.

Zuvor hatte Konteradmiral John Stefflebeem vor der Presse erklärt, die Luftabwehr der Taliban sei weitgehend ausgeschaltet. Von daher würden jetzt bis zu vier mit schweren 105 Millimeter Bordkanonen ausgerüstete Flugzeuge des Typs AC-130 eingesetzt, um gezielt Ziele auszuschalten.

Kanada setzte am Mittwoch rund 200 Elitesoldaten der "Task Force 2", die in der Terrorismusbekämpfung ausgebildet sind, in Marsch. Zudem wurde ein Flottverband mit Ziel Golfregion entsandt.

USA wünschen deutsche Elitesoldaten

Die Wünsche der USA für einen deutschen Militärbeitrag im Kampf gegen den Terrorismus richten sich nach Zeitungsberichten immer konkreter auf ABC-Abwehrkräfte und Elitesoldaten. Wie der Bremer «Weser Kurier» (Donnerstag) unter Berufung auf Berliner Regierungskreise berichtet, fordern die Amerikaner Bundeswehrexperten mit Spürpanzern vom Typ «Fuchs» zur Abwehr biologischer und chemischer Angriffe an. Vor allem aber stehe die Elite-Eingreiftruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) ganz oben auf der Wunschliste. Dies berichtet auch die «Braunschweiger Zeitung» unter Hinweis auf zuverlässige Quellen in Washington und Berlin.

Die Luftlandetruppe KSK komme für Evakuierungen oder die Befreiung von Geiseln in Frage, etwa der acht von den Taliban in Kabul festgehaltenen Mitarbeiter der Hilfsorganisation «Shelter Now», schreibt der «Weser-Kurier». Vier dieser Geiseln sind Deutsche. US- Sicherheitsexperten hätten der deutschen Seite signalisiert, sie seien nach sorgfältiger Analyse überzeugt, dass ihre eigenen Spezialeinheiten nicht für alle Einsatznotwendigkeiten ausreichen. Die US-Kommandos sollen vor allem den Top-Terroristen Osama bin Laden jagen und den Einsatz der eigenen Bodentruppen absichern.

Die USA hätten der Bundesregierung vertraulich den Wunsch nach einer Teilnahme von KSK-Elitesoldaten der Bundeswehr übermittelt, schreibt auch die «Braunschweiger Zeitung». US-Verteidigungsexperten sagten demnach zur Begründung, das KSK gelte gemeinsam mit US- Eliteeinheiten als ideal, um Terroristen lebendig in Gewahrsam zu nehmen oder zu versuchen, die «Shelter Now»-Mitarbeiter zu befreien. Regierungskreise in Berlin hätten dem Blatt die US-Anforderung bestätigt. Die Wünsche würden mit Sicherheit auch erfüllt, hieß es.

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