Vage Hoffnung gilt der Rückkehr der „ewig Verletzten“ wie Deisler und Metzelder
Völler warnt zum Abschied vor Jugendwahn

Junge Spieler heranführen ja, radikaler Umbruch nein - so lautet der Rat des scheidenden Teamchefs an seinen noch zu findenen Nachfolger. Und er findet damit bei den wenigen verbliebenen Leistungsträgern der DFB-Elf Unterstützung. Kapitän Oliver Kahn stellt nach dem EM-Aus vor allem die Stürmer an den Pranger.

HB ALMANCIL. Nach dem Vorrunden-K.o. des Vize-Weltmeisters wurde im Hinblick auf die WM 2006 umgehend eine Parole laut: "Neue Männer braucht das Land!" Doch ausgerechnet Teamchef Rudi Völler, der mit seinem Rücktritt den Anfang machte, warnte eindringlich vor einer radikalen Streichliste und einem totalen Jugendwahn. "Es darf nicht so sein, dass der junge Spieler, der nicht schnell genug auf dem Baum ist, in die Nationalmannschaft kommt. Es muss ein vernünftiges Verhältnis geben", erklärte Völler, der beim 1:2 gegen Tschechien in der zweiten Halbzeit zwei 19-Jährige, einen 20-Jährigen und einen 22-Jährigen spielen ließ.

Auch die etablierten Kräfte wie Kahn und Michael Ballack sprachen sich vehement gegen einen personellen Kahlschlag aus. "Das ist ja immer der Blödsinn, der nach solchen Turnieren in der Öffentlichkeit kolportiert wird, jetzt müssen neue Spieler her. Es werden viele Spieler, die hier dabei waren, auch in zwei Jahren dabei sein", meinte der 35-Jährige, der die WM weiter als Endpunkt seiner internationalen Laufbahn fest im Visier hat. Ballack mahnte ebenfalls zur Besonnenheit: "Man darf es jetzt nicht übertreiben. Wir hatten schon gegen Tschechien zum Schluss ein sehr junges Team auf dem Platz. Und nur mit jungen Spielern geht es auch nicht."

Einig waren sich aber auch die "Leitwölfe", "dass auf jeden Fall einiges passieren muss", wie Kahn erklärte. Der Torhüter nannte das größte Manko offen beim Namen: Deutschland hat keine Stürmer von internationalem Format mehr. Kuranyi, Klose, Bobic, Brdaric, Podolski - keiner der fünf Angreifer brachte ein Tor zu Stande in den 407 Spielminuten, die das Quintett insgesamt auf dem Platz stand.

"Wenn wir bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land eine Chance haben wollen, dann müssen wir Tore erzielen. Darin liegt unser Problem", schimpfte Kahn. An eine kurzfristige Lösung glaubt er nicht, vielmehr sieht er für 2006 im Angriff schwarz: "Was soll denn noch passieren in zwei Jahren? Gute Spieler wachsen nicht auf den Bäumen, sondern sie müssen eine sehr lange Entwicklung durchmachen, bis sie ein Niveau erreicht haben, um einer WM ihren Stempel aufdrücken zu können."

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