Value-Fonds belegen erste Plätze
Einige Fonds haben Crash-Test bestanden

Das Flaggschiff der Fondsgesellschaft Adig, der Aktienfonds "Fondak", ist eine Grande Dame der Branche. Am Beispiel dieses Fonds, der bereits am 30. Oktober 1950 aufgelegt wurde, wird deutlich, was es an der Börse bedeutet, einen "längeren Anlagehorizont" zu haben.

DÜSSELDORF. Seit Beginn hat der vor allem in deutschen Standardwerte investierende Fonds kumuliert knapp 32 000 Prozent gut gemacht. Aber, so astronomisch diese Performance auch anmutet, auf Jahresbasis entspricht das den Adig-Berechnungen zufolge "nur" noch rund zwölf Prozent. Auch in den gegenwärtigen Turbulenzen hat sich der Fondak ganz gut geschlagen. Die Orientierung an der "Old Economy" hat ihn vor dem Absturz der Technologieaktien bewahrt.

Value-Fonds, die auf unterbewertete Substanz-Titel setzen, belegen in den aktuellen Rennlisten die ersten Plätze. Zum Beispiel der Trinkaus Spezial Deutschland. Der 1996 gestartete Fonds stellt eine Besonderheit dar, weil er vor allem in MDax-Aktien investiert. Sein Aufstieg verlief parallel zum Niedergang der Technologietitel. "In Krisenzeiten rücken inländische Substanzaktien wieder stärker in den Fokus der Anleger", erklärt Fonds-Berater Karsten Tripp die aktuelle Popularität der Aktien aus der zweiten Reihe. Derzeit sei der MDax günstiger bewertet als der Dax: Beim MDax liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp 16 - gegenüber 22 im Dax. Außerdem betrage das Gewinnwachstum bei MDax-Werten im Schnitt 21 Prozent, Dax-Unternehmen brächten es nur auf 6,4 Prozent.

Momentan behält Tripp die Anlageschwerpunkte im Finanz- und Konsumbereich bei, etwa mit dem Versicherer AMB, dem Baufinanzierer BHW und dem Konsumartikelhersteller Beiersdorf. Bei sichtbaren Zeichen einer Konjunkturerholung sei dann ein Schwenk zu den Maschinenbauern denkbar, sagt Tripp. Heidelberger Druck, Krones und der MDax-Aufsteiger, der Druckmaschinen-Hersteller Koenig & Bauer, rückten dann ins Visier. Sollten sich die Technologie-Titel aber erholen, würde man mit dem jetzt auf der Sonnenseite stehenden Fonds relativ schlechter fahren, räumt Tripp ein. Schnell könnten die schlecht platzierten Fonds wieder die ersten sein, und Value-Fonds würden das Schlusslicht bilden. Anleger sollten deswegen den Kampf zwischen "Value" und "Growth" weiter im Blick behalten, wenn sie jetzt einsteigen wollen. Wer genügend Geld mitbringt, sollte beide Ansätze mischen, rät Iris Albrecht, Vorstand der fondsbasierten Vermögensverwaltung Fonds-Kapital in München.

Alternativ bieten sich Fonds an, deren Anlagegrundsätze einen Strategiewechsel von Substanz- zu Technologietiteln erlauben - und umgekehrt. Informationen findet man auf den Internet-Seiten der Fonds-Gesellschaften. "Wenn die makroökonomische Entwarnung kommt, wird man teilweise auch aus Value-Titeln rausgehen", erwartet Portfoliomanager Andreas Schmidt von Zürich Invest. Neben Substanzwerten wie BASF sind in seinem Deutschlandfonds auch die Deutsche Telekom und SAP hoch gewichtet.

Mit der Direkt Anlage Bank hat sogar ein Neuer-Markt-Titel Eingang ins Portefeuille gefunden. Trotzdem stammen 85 bis 90 Prozent der Aktien aus dem Dax und bilden damit den Anlageschwerpunkt. Schmidt sucht nach "Qualitätswerten", wobei als Kriterien gelten: eine hohe Marktkapitalisierung von in der Regel mindestens 1,5 Milliarden Euro, gute Umsatz- und Eigenkapitalrendite sowie niedriger Verschuldungsgrad. Manche Titel sind aber auch deshalb ein "Muss", weil sie stark in der Benchmark gewichtet sind, etwa die Deutsche Telekom mit ihrem 13-Prozent-Anteil am Dax.

Flexibel ist auch der BBV-Invest-Union-Fonds. Im Gegensatz zu anderen deutschen Aktienfonds können bis zu 50 Prozent des Fondsvermögens außerhalb des deutschen Aktienmarktes an ausländischen Börsen - meist innerhalb Europas - angelegt werden. Aktuell investiert der Fonds zu 60 Prozent am deutschen Aktienmarkt. Die selbst gewählte Messlatte für den Fonds bleibt aber der Standardwerte-Index Dax 30. Auch Fondsmanager Helmut Hipper bleibt dem Value-Ansatz treu und investiert in defensive Aktien: Titel wie Schering, Danone, Nestlé und Douglas hätten sich im laufenden Jahr überdurchschnittlich entwickelt und den Fonds gestützt. Internet-Aktien hatte er dagegen kaum im Portfolio. Aktuell findet Fondsmanager Hipper Aktien wie MAN oder Linde attraktiv. Bei Sachversicherern bestünde jetzt wieder die Möglichkeit, höhere Prämien durchzusetzen, Lebensversicherer dürften vom Trend zur Altersvorsorge profitieren. Zu den derzeit größten Positionen zählen Daimler-Chrysler, Allianz, SAP, Münchener Rück und Deutsche Bank.

Noch in diesem Quartal könnte der deutsche Aktienmarkt seinen Tiefpunkt erreichen, schätzt Hipper. Danach kann es aufwärts gehen - genügend Liquidität sei vorhanden. Auch Hipper selbst hat derzeit nur 94 Prozent des Fondsvermögens investiert.

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