Value-Fondsmanager sehen Kurspotenzial trotz Betrugsvorwürfen gegen Ex-Chef
Skandalaktie Tyco lockt mit extrem niedriger Bewertung

Glaubt man den Analysten, dann ist die Aktie von Tyco International Ltd. ein Top-Investment. Zwölf von insgesamt dreizehn Bankexperten empfehlen die Titel des skandalumwitterten Mischkonzerns zum Kauf.

FRANKFURT/M. Das meldet der Informationsdienst Bloomberg. Damit zählt der nach General Electric zweitgrößte Mischkonzern, der von Sicherheitstechnik über Elektrobauteile bis zu Tiefseekabeln fast alles produziert, zu den Top Ten der Analystenlieblinge in den USA.

Das überrascht, denn die Aktie ist im laufenden Jahr um mehr als 70 % abgestürzt. Zu Jahresbeginn war Tyco übrigens noch beliebter bei den Analysten als heute. Hinzu kommt, dass der Konzern derzeit fast täglich Negativschlagzeilen liefert. So wurde gestern bekannt, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft nun auch gegen Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers vorgehen will, die die Gehälter der einstigen Top-Manager von Tyco abgesegnet haben. Damit erhält der Tyco-Skandal - schon heute eine der größten Wirtschaftskrimis neben Enron und Worldcom - neue Brisanz. Ex-Tyco-Chef Dennis Kozlowski und Ex-Finanzvorstand Mark Swartz sind längst gefeuert. Beide sollen sich schamlos selbst aus der Konzernkasse bedient haben. Von ihnen fordert das neue Tyco-Management Schadenersatz in mehrstelliger Millionenhöhe. Beide sind zudem in New York wegen Betruges angeklagt.

Klingt nicht gerade nach einem Unternehmen, in das Anleger investieren sollten. Trotzdem raten die Analysten - fast - unisono: Kaufen. Und nicht nur das: Zahlreiche Fondsmanager setzen ebenfalls auf Tyco. So hat Christian Schneider, der bei der Allianz/Dresdner-Tochter Deutscher Investment Trust den Dit Vermögensbildung-Fonds verwaltet, die Titel übergewichtet. "Wir sehen ein krasses Missverhältnis zwischen dem robusten Geschäft und der extrem niedrigen Bewertung der Aktie", sagt Schneider, der rund eine Mrd. Euro verwaltet. Knapp 30 Mill. Euro davon stecken in Tyco-Aktien. Die will er so lange liegen lassen, bis die Bewertung der Aktie sich vergleichbaren Konkurrenten wie General Electric und 3M wieder annähert.

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter fünf auf Basis der Gewinnprognosen für 2002 lässt die Tyco - Aktie tatsächlich extrem billig erscheinen. Das lockt Value-Fondsmanager an, die nach unterbewerteten Titeln suchen. Zu ihnen zählt Kevin McCloskey vom US-Vermögensverwalter Federated. Er setzt darauf, dass der neue Tyco-Chef Eward Breen die Wende schafft. "Das neue Management geht sehr offensiv mit der Vertrauenskrise um und hat Spezialisten beauftragt, um die alten Bilanzen auf mögliche Falschbuchungen zu prüfen", lobt McCloskey. Optimistisch bleibt auch Bill Miller, Manager des Fonds Legg Mason Value Trust, der den US-Aktienmarkt elf Jahre in Folge schlug. Miller hat Tyco seit dem ersten Quartal 2002 gekauft und damit wie McCloskey bislang eine Menge Geld verloren.

"Der neue Tyco-Chef genießt einen exzellenten Ruf" sagt Dit-Fondsmanager Schneider. Breen arbeitete zuvor als harter Sanierer im Top-Management von Motorola.

Allerdings hat auch der einzige skeptische Analyst, Nicholas Heymann von Prudential Securities starke Argumente. "Ich glaube, die Fondsmanager verwechseln den guten Wert einzelner Tyco-Geschäftssparten mit dem viel niedrigeren Wert, der für die Aktionäre übrig bleibt", sagt er. So werde Tyco seine Gewinne auf Jahre hinaus zum Abbau des 25 Mrd. $ großen Schuldenberges brauchen. Zudem erwartet Heymann Korrekturen bei der Bewertung zu teuer gekaufter Firmen, was die Bilanz belasten dürfte.

Fazit: Tyco ist eine extrem risiko- und chancenreiche Wette, die nur mutige Investoren wagen sollten.

Quelle: Handelsblatt

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