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Vater werden in New York

Vor gut zwei Wochen wurde unsere Tochter Mari in New York geboren. Mutter und Kind sind wohlauf, und ich bin jedesmal entzückt, wenn sie in meinen Armen einschläft. Aber darüber will ich hier nicht schreiben, sondern über die vielen Entscheidungen, die wir schon vor der Geburt treffen mussten.

Vor gut zwei Wochen wurde unsere Tochter Mari in New York geboren. Mutter und Kind sind wohlauf, und ich bin jedesmal entzückt, wenn sie in meinen Armen einschläft. Aber darüber will ich hier nicht schreiben, sondern über die vielen Entscheidungen, die wir schon vor der Geburt treffen mussten.

Mari erblickte das Licht der Welt im New York Methodist Hospital. Die erste Person, die sie in Empfang nahm, war unsere Frauenärztin Dr. Kamila Agayeva. Beide, Krankenhaus und Ärztin, hatten meine Frau und ich zuvor sorgfältig ausgesucht. Erstmals untersucht wurde unsere Mari von einer Kinderärztin des Krankenhauses - eine unübliche Variante.

Denn in den USA geht man nicht einfach ins nächstgelegene Hospital, wo der diensthabende Arzt bei der Geburt hilft und das Kind anschließend durchgecheckt wird. Nein, US-Eltern wählen nach intensiven Recherchen ihr eigenes Krankenhaus, ihren Geburtshelfer und oft auch noch den Kinderarzt, der zur Geburt eigens anreist.

Die Auswahl ist verwirrend. Allein im New Yorker Stadtteil Brooklyn rangeln sich ein halbes Dutzend Krankenhäuser um die Gunst werdender Eltern. Private Hospitale locken mit Beratungsseminaren, wohnzimmerartig eingerichteten Geburtsräumen mit Video-Unterhaltung und Badewannen mit Unterwassermassage. Daneben bieten unabhängige Geburtszentren ihre Dienste feil. Einige locken mit exotischen Extras wie „natürlichen“ Geburten ohne Medikamente und medizinische Eingriffe oder Unterwasser-Techniken.

Fachbücher, Internetseiten, wohlmeinende Nachbarn und Freunde erschweren die Auswahl eher als zu helfen. Auch die Suche nach Fachärzten für die Mutter und Kind führt in einen Angebotsdschungel. Meine amerikanische Krankenversicherung schickte mir ein faustdickes Verzeichnis mit hunderten Schwangerschafts-Spezialisten sowie Kinderärzten. Ein schlaues Fachbuch empfahl persönliche Interviews mit allen Aspiranten, um Qualifikation und persönliche Wellenlänge vorab zu testen.

Ich weiß nicht, ob das Kinderkriegen in Deutschland ähnlich kompliziert geworden ist. In New York jedenfalls scheint es, als müsse man das Elternwerden erst studieren.

Wir haben Dr. Agayeva übrigens auf einen Tipp unserer Hausärztin hin gefunden, haben nach einem zufriedenstellenden Rundgang durchs Methodist Hospital keine weiteren Recherchen angestellt und sind mit dem krankenhaus-eigenen Kinderarzt gut gefahren. Aber wenn wir das unseren amerikanischen Nachbarn erzählen, halten die uns für Rabeneltern, die ihre Hausaufgaben nicht machen.

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