Vaterschaft und Beruf
Angst vor Karriereknick hält junge Väter im Büro

Vor zwei Jahren fasste Stefan Rhode den Entschluss, beruflich kürzer zu treten, um sich mehr um die Erziehung seiner Tochter zu kümmern - und spürte erst einmal mächtig Gegenwind.

afp BERLIN. "Bei Freunden und im Verwandtenkreis bin ich auf Unverständnis gestoßen", erinnert sich Rhode, der für seine Tochter auf eine Teilzeitstelle als Sachbearbeiter bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Berlin umgesattelt ist. "Mut, Überwindung und Entschlossenheit" habe ihn die Entscheidung gekostet. Gelohnt hat sie sich doch: "Ich bin absolut zufrieden und würde es jederzeit wieder machen." Rhode eine seltene Spezies in Deutschland: Weniger als zwei Prozent aller Väter nehmen sich für ihre Kinder eine Auszeit.

Rhodes Arbeitgeber, die BfA, ist einer der Betriebe, die zusammen mit dem Bundesfamilienministerium die Kampagne "Mehr Spielraum für Väter" bestreiten. Ministerin Christine Bergmann (SPD) warb am Donnerstag bei einem Besuch der BfA dafür, dass Väter "mehr Mut zur Kindererziehung" aufbringen sollen. Erfreulich sei, dass sich viele Männer heute nicht mehr auf die Rolle des Ernährers beschränken lassen wollten. Mehr als 20 Prozent zeigten ernsthaft Bereitschaft, Elternzeit zu nehmen. Die "verbale Aufgeschlossenheit" gehe indes mit "weitgehender Verhaltensstarre der Männer" einher. Anders ausgedrückt: Viele Männer reden über Erziehungsurlaub, aber nur wenige nehmen ihn tatsächlich in Anspruch. Schuld daran seien schlechte Rahmenbedingungen, die Angst vor einem Karriereknick und das schlechte Image von Teilzeitarbeit in Deutschland.

Stefan Rhode hat das am eigenen Leib erlebt. Lange hatte er das Gefühl, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, hat ein ums andre Mal erklärt, wie er sich die Beziehung zu seiner damals fünfjährigen Tochter vorstellt: "Ich will auch die alltäglichen Problemchen meines Kindes mitbekommen, und ich wusste eben auch, dass ein Kind davon nicht auf Knopfdruck erzählt, wenn der Vater abends von der Arbeit nach Hause kommt." Inzwischen hat er das Gefühl, eine "ganz enge persönliche Beziehung" zu seiner Tochter zu haben.

Im Sinne der Aktion von Ministerin Bergmann ist Stefan Rhode ein Vorzeigevater: Am Vormittag kümmert er sich um seine nun siebenjährige Tochter und den drei Monate alten Sohn, während seine Frau bei der Arbeit ist. Am Nachmittag tauschen sie die Rollen. Angst vor einem Karriereknick hat er nicht. Er hat allerdings festgestellt, dass erziehende Väter am Arbeitsplatz ihre besonderen Kompetenzen "aggressiv" bei den Vorgesetzten einbringen müssen: "Im ständigen Umgang mit ihren Kindern lernen Väter Organisationsfähigkeit und Konfliktbewältigung. Das lässt sich dann auch im Beruf umsetzen. Man muss nur deutlich machen, dass man diese Fähigkeiten hat."

Anne Meurer von der BfA-Geschäftsführung räumt ein, dass bei Personalfragen oft noch "der Tunnelblick auf das rein Fachliche" dominiere: "Wir müssen stärker als bisher einsehen, dass Familienarbeit auch Kompetenzen schafft, die für Arbeitgeber von Wert sind. Die BfA bietet deshalb seit kurzem auch Teilzeitmodelle für jede Führungsposition an. Außerdem seien die Arbeitszeiten weitgehend liberalisiert: "Jeder Angestellte kann selbst festlegen, wie viele Stunden pro Woche er arbeiten will."

Auf Anregung des Familienministeriums war Anfang des Jahres eine gesetzliche Neuregelung der "Elternzeit" in Kraft getreten, die den bisherigen Erziehungsurlaub ablöste. Dabei können Vater und Mutter heutzutage gemeinsam eine Auszeit in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes nehmen sowie zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes weitere zwölf Monate. In Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern haben sie zudem einen Anspruch auf Teilzeitarbeit - so wie Stefan Rhode bei der BfA.

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