Vatikan reagiert
Wirbel um möglichen Papst-Rücktritt

Vor dem 82. Geburtstag des Papstes ist der Vatikan Spekulationen über einen Rücktritt von Johannes Paul II. entgegengetreten.

dpa ROM. Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls sagte, der Papst selbst habe klar gestellt, "dass er in seinem Amt bleiben werde, solange Gott will". Italienische Medien berichteten am Freitag in breiter Aufmachung über die Debatte. Die Kardinäle Joseph Ratzinger und Oscar Rodríguez Maradiaga (Honduras) hätten mit ihren Rücktritts-Äußerungen "einen Versuchsballon starten lassen".

Zugleich verwiesen Vatikanexperten darauf, dass sich der Gesundheitszustand des Papstes seit März dramatisch verschlechtert habe. Es gebe jetzt auch Atembeschwerden. "Was soll geschehen, wenn die Parkinson-Krankheit zu häufigeren geistigen Black Outs führen könnte?", schreibt die römische Zeitung "La Repubblica". Angeblich habe der Papst bei seinem Privatsekretär ein Rücktrittsschreiben für den Fall seines geistigen Zerfalls hinterlegt. Der Papst begeht am Samstag (18. Mai) seinen Geburtstag; große Feiern wird es aber nicht geben.

Ratzinger hatte in einem Interview der "Münchner Kirchenzeitung" gesagt: "Wenn er (der Papst) sehen würde, dass er absolut nicht mehr kann, dann würde er sicher zurücktreten." Ähnlich äußerte sich Maradiaga. Beide meinten jedoch, noch halte der Papst durch.

Akute Gehprobleme

Der Führer der römisch-katholischen Kirche leidet zudem an akuten Gehproblemen. Unklar war etwa, ob er bei seiner am Mittwoch (22. Mai) beginnenden Reise nach Aserbaidschan und Bulgarien die Gangway seines Flugzeuges hinabsteigen könne. Zudem wird seine Aussprache immer undeutlicher, zeitweise ist er kaum zu verstehen. Spekulationen über einen Rücktritt gibt es seit langem. Allerdings stellte der Papst vor Gläubigen klar, dass er - zumindest vorerst - nicht an Rücktritt denkt. "Ich vertraue auf eure spirituelle Unterstützung, damit ich mein Amt, das mir Gott aufgetragen hat, in Treue weiterführen kann."

Zwar werden Päpste auf Lebenszeit gewählt, doch sieht das Kirchenrecht ausdrücklich die Möglichkeit eines freiwilligen Rückzugs vor. Dazu muss der Papst keine Gründe nennen; auch muss den Rücktritt niemand eigens annehmen. Allerdings gab es in der 2000-jährigen Kirchengeschichte lediglich einen solchen Fall. Unbestätigten Berichten zufolge haben hohe Kurienkardinäle den Papst unlängst zum Rückzug aus dem Amt drängen wollen. Gegen einen baldigen Rücktritt sprechen die Reisepläne des Papstes, die bis ins Jahr 2004 reichen. Unter anderem will er nach Köln.

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