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Vattenfall hält an Plänen mit Bewag fest

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall setzt trotz der gescheiterten Verhandlungen mit dem US-Konzern Mirant darauf, dass der geplante Nordost-Stromversorger unter Einschluss der Berliner Bewag gebildet werden kann.

rtr HAMBURG. Bis dahin will Vattenfall eigenen Angaben zufolge seine Interessen als mit Mirant gleichgestellter Großaktionär bei der Bewag ausüben. Vattenfall-Chef Lars Josefsson sagte am Donnerstag in Hamburg, er hoffe, dass Mirant dem Konzept der "Neuen Kraft" am deutschen Energiemarkt langfristig beitreten werde. Wenn die Bewag zunächst nicht Teil des drittgrößten deutschen Energiekonzerns werde, so werde man erst einmal doch eng miteinander zusammenarbeiten.

Die Pläne für einen gemeinsamen Nordoststromversorger aus der Vattenfall-Tochter Hamburgische Electricitäts-Werke HEW, der Berliner Bewag sowie den beiden ostdeutschen Firmen Veag und Laubag waren kürzlich gescheitert, nachdem sich Vattenfall und Mirant über die Kräfteverteilung bei der Bewag nicht hatten einigen können. In diesen Zeitraum fiel die Benennung des Bankiers Klaus Rauscher zum Holdingchef für die neue Gruppe durch Vattenfall. Diese Nominierung war mit Mirant nicht abgesprochen und hatte die Amerikaner verärgert. Kurz darauf war das Scheitern der Pläne verkündet worden.

Um die Führung bei der Bewag hatten sich in den Monaten zuvor bereits Mirant und HEW einen erbitterten Kampf geliefert, der schließlich von einem Schiedsgericht geschlichtet werden musste. Seitdem sind Mirant und Vattenfall jeweils mit rund 45 % an dem Berliner Versorger beteiligt.

Rauscher, der vom HEW-Aufsichtsrat am Donnerstag zum neuen Vorstandschef bestellt wurde, sagte: "Ich gehe davon aus, dass, wenn wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, bei Mirant und Bewag ein Prozess des Nachdenkens und dann auch des Umdenkens einsetzt." Bis dahin sollten die Pläne für den neuen Stromriesen, der als Konkurrent zu den Stromkonzernen RWE und Eon auftreten soll, ohne Bewag weiterverfolgt werden. Als Zeitpunkt, bis wann diese "Dritte Kraft" realisiert sein soll, nannte Rauscher Mitte 2003. Bisher war von 2002 die Rede gewesen. Rauscher räumte ein, dass man durch den Streit gegenüber den ursprünglichen Plänen in Verzug gekommen sei.

Josefsson betonte, dass Vattenfall seine Beteiligung an der Bewag nicht verkaufen werde. "Auch wenn ich versuche, sehr kreativ zu denken, lautet die Antwort Nein."

HEW-Vorstandsmitglied Joachim Lubitz fügte hinzu, HEW werde ihre Rolle als Großaktionärin von Bewag auch ausüben, wenn es um den Stromabsatz gehe. "Das ist doch klar." Zugleich trat er Spekulationen über die Finanzkraft der HEW nach den Übernahmen von Veag und Laubag entgegen. Die Hamburgische Electricitäts-Werke verfügten über liquide Mittel von 3,5 Mrd. DM, die für weitere Akquisitionen eingesetzt werden könnten. Josefsson lehnte es ab, in diesem Zusammenhang von einer Kriegskasse zu sprechen. In den ersten acht Monaten 2001 verdreifachten die HEW den Angaben zufolge ihr operatives Ergebnis. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sei zugleich um 40 % gesteigert worden, teilte Lubitz mit, ohne allerdings absolute Zahlen zu nennen.

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