VC- und Private Equity-Gesellschaften kritisieren Steuerpolitik
Markt für Risikokapital noch unter Druck

Der deutsche Markt für Venture Capital und Private Equity befindet sich weiter in einer Konsolidierungsphase. Es gibt aber nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften Anzeichen, dass der Boden erreicht ist.

vwd BERLIN. Der Markt sei noch von großer Vorsicht und Zurückhaltung geprägt, erklärte Werner Schauerte, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), auf dem 6. Deutschen Eigenkapitaltag 2002 in Berlin. Marktteilnehmer mit liquiden Mitteln könnten sich weiterhin noch nicht zu großzügigen Investitionen entscheiden. Anderen mangele es an Liquidität.

Die Neuinvestitionen der BVK-Mitglieder gingen in den ersten drei Monaten 2002 im Vergleich zum ersten Quartal 2001 um 39 Prozent auf 482,2 Mill. Euro zurück. BVK-Gesschäftsführer Holger Frommann hält dennoch für das Gesamtjahr ein Wachstum für möglich. Der sinkende Anteil der totalen Verluste, die im vergangenen Jahr 37 Prozent der Exits ausmachten, sowie eine leicht steigende Investitionstätigkeit sprächen dafür.

Die Selektion am Markt halte an, sagte Frommann weiter. Der BVK habe 2001 zwar 47 neue Mitglieder gewonnen, allerdings auch 19 verloren, davon fünf durch Fusionen und 14 durch die Aufgabe der Geschäftstätigkeit. Beim Blick auf das Fund Raising im vergangenen Jahr werde die derzeit prekäre Lage der Branche deutlich. Von 10,3 Mrd. Euro seien 6,6 Mrd. Euro paneuropäische Fonds auszuklammern. Von den übrigen 3,7 Mrd. Euro seien nur 1,7 Mrd. Euro reines Fund Raising. Auf Grund der drohenden Besteuerung und der unsicheren Rechtslage sei seit Februar 2001 kein Fonds mehr aufgelegt worden.

"Für 2002 sind die Aussichten noch schwärzer", betonte Frommann. Während andere Länder wie die USA, Großbritannien und Frankreich die Steuern für Fonds gesenkt oder gar gestrichen hätten, plane Deutschland für gewerblich eingestufte Fonds die Besteuerung. Auch dass der Carried Interest, also die Beteiligung des Managements an einem Fonds, mit dem vollen Einkommensteuersatz besteuert werden soll, schade Deutschland als Standort für Venture Capital und Private Equity. "Es stellt sich die Frage, ob das Bundesfinanzministerium tatsächlich der prekären Steuersituation wegen eine ganze Branche, noch dazu eine für die Wirtschaft bedeutsame, liquidieren will", sagte Schauerte. "Die Politik beabsichtigt, unsere Branche ins Exil zu schicken", ergänzte Frommann.

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