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VCL Film erwartet Verdreifachung des Umsatzes

Reuters MÜNCHEN. Die Münchener VCL Film + Medien AG hat im Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. November) die eigenen Planungen für Umsatz und Ergebnis knapp verfehlt, rechnet aber für 2000/01 mit einer Verdreifachung des Umsatzes. Das dem Jahresüberschuss entsprechende Ergebnis nach DVFA/SG habe mit 4,1 (Vorjahr: 2,2) Mill. Euro nach vorläufigen Berechnungen zwar den Vorjahreswert um 86 % übertroffen, das Ziel von 4,3 Mill. Euro jedoch knapp unterschritten, teilte der Video- und DVD-Händler am Montag in München mit. Auch der Umsatz sei mit 60,7 (47,4) Mill. Euro etwas niedriger ausgefallen als erwartet. Die VCL-Aktie notierte nach Bekanntgabe der Zahlen im Plus.

VCL Film hatte nach früheren Angaben für 1999/2000 mit einem Umsatz von 62 Mill. Euro gerechnet. Mit Blick auf 2000/2001 sagte VCL-Finanzchef Christian Bennhold der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir erwarten mindestens eine Verdreifachung beim Umsatz." Dies würde einem Wert von über 182 Mill. Euro entsprechen. Davon kämen allein 50 bis 60 Mill. Euro aus der erstmaligen Einbeziehung des im Oktober erworbenen dänischen Videoanbieters Scanbox, sagte Bennhold. Im Lizenzhandel seien zum ersten Mal Umsätze aus den von VCL mitfinanzierten Filmen der US-Regisseure Woody Allen und Francis Ford Coppola zu erwarten. Die Finanzierungskosten von insgesamt 47 Mill. Euro für die beiden Filmpakete seien bereits im vergangenen Jahr verbucht worden.

"Das Ergebnis wird tendenziell in die gleiche Richtung wie der Umsatz zeigen", sagte der VCL-Finanzchef. Auf eine genaue Gewinnprognose wollte sich Bennhold aber nicht festlegen. Vorher müsse VCL den deutschen Fernsehmarkt noch einmal unter die Lupe nehmen. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen in dem Bereich nach eigenen Angaben unter der Zurückhaltung der Fernsehsender beim Einkauf von Spielfilm-Abspielrechten gelitten. "Es läuft langsamer als geplant", sagte Bennhold. Mit einer Entspannung sei erst 2002 zu rechnen. VCL habe sein Filmpaket aber günstig eingekauft, betonte er. Im vergangenen Geschäftsjahr erlöste VCL aus dem Lizenzhandel eigenen Angaben zufolge 15,2 Mill. Euro, 28 % mehr als ein Jahr zuvor.

Im Zuge des Aufbaus eines europäischen Netzes unabhängiger Videoanbieter werde VCL künftig verstärkt Lizenzen direkt von den Produzenten kaufen, sagte Bennhold. Mit Videounternehmen in Frankreich, den Benelux-Staaten und Spanien sei VCL "mal mehr, mal weniger" in Gesprächen über eine Übernahme. Denkbar seien auch Minderheitsbeteiligungen an den Partnern. Mit Ergebnissen sei auf jeden Fall noch in diesem Jahr zu rechnen.

75 % des Umsatzes, der den Angaben zufolge der höchste in der 20-jährigen Firmengeschichte war, stammten 1999/2000 aus dem Verkauf von DVD- und Videokassetten. Der Umsatz sei hier auf 45,5 von 36,4 Mill. Euro gestiegen. Die Steigerungsrate sei im Gesamtjahr mit 25 % jedoch niedriger ausgefallen als in den ersten neun Monaten. Die Ablösung der Videokassette durch die Digital Versatile Disc (DVD) habe sich fortgesetzt, sagte Bennhold. Während der Bruttoumsatz mit Videokassetten auf 28,0 (29,9) Mill. Euro zurückgegangen sei, hätten die glänzenden Scheiben einen Umsatzsprung auf 21,8 (8,1) Mill. Euro verzeichnet.

Dank der amerikanischen Kinoerfolge "American Pie", "The Sixth Sense" und "Sleepy Hollow" sei VCL Film + Medien 1999/00 mit 12,15 % Marktanteil hinter den US-Konzernen Columbia Tristar (14,44 %) und Fox (14,18 %) der drittgrößte Anbieter von Videokassetten in Deutschland gewesen.

Analysten zeigten sich enttäuscht über die Geschäftszahlen. Angesichts der umsatzträchtigen Filme habe er mehr erwartet, sagte Analyst Harald Heider von der DG Bank. Dass die Filme erst relativ spät im Jahr auf den Markt gekommen seien, lasse für 2001 jedoch noch hoffen. Jan Herbst vom Bankhaus Sal. Oppenheim sagte, vor allem das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei mit 6,1 (4,8) Mill. Euro deutlich niedriger ausgefallen als erwartet. Sein Haus habe mit 9,1 Mill. Euro gerechnet.

Die im Börsensegment der 70 mittelgroßen Werte, dem MDax, gelistete VCL-Aktie notierte am Nachmittag bei 6,00 Euro um knapp 1,7 % höher. Der MDax tendierte derweil bei 4786,13 Zählern knapp ein Prozent schwächer.

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