VDA mahnt Reformen an
Konjunkturmotor Automobil-Branche

Die Auto-Branche ist entscheidender Konjunkturmotor für die deutsche Wirtschaft, davon ist der Verband der Automobilindustrie (VDA) überzeugt. In Deutschland hängt laut VDA immerhin jeder siebte Arbeitsplatz von der Branche ab, jeder fünfte Steuer-Euro fließt dem Staat zudem durch Herstellung oder Nutzung von Automobilen zu.

HB FRANKFURT. Ohne die Reform von Arbeitsmarkt und Sozialsystemen sowie eine finanzielle Entlastung der Bundesbürger wird es nach Ansicht des Automobilverbandes VDA jedoch keinen nachhaltigen konjunkturellen Aufschwung in Deutschland geben.

"Der Geschäftsklimaindex geht nach oben, aber die Auftragsbücher lassen derzeit noch zu wünschen übrig. Deshalb brauchen wir jetzt vor allem eine mutige Verbesserung der Rahmenbedingungen", forderte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, am Donnerstag bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Dazu zähle vor allem eine Konsolidierung der Haushalte, eine steuerliche Entlastung der Bürger sowie die Reformierung der sozialen Systeme und des Arbeitsmarktes.

Gottschalk verwies zugleich auf die Bedeutung der deutschen Automobilindustrie für die Wirtschaft des Landes: "In der Geschichte der Bundesrepublik hat es noch nie einen Aufschwung gegeben ohne das Zugpferd Automobilindustrie", sagte er an die Adresse von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der an der IAA-Eröffnungsfeier teilnahm. So sei sie derzeit die einzig verbliebene Branche, in der noch Arbeitsplätze geschaffen würden. Aus diesem Grund warnte der Verbandspräsident eindringlich davor, das Autofahren zu verteuern.

"Autoindustrie unterstützt Reformen"

Gottschalk betonte, dass die deutsche Autoindustrie den Konjunkturaufschwung zwar mit anschieben, aber nicht alleine tragen kann. Für einen dauerhaften Aufwärtstrend müsse vielmehr die Politik die Weichen stellen: "Seit fast vier Jahren geht der deutsche Automarkt zurück, und das hat etwas mit den Rahmenbedingungen zu tun. Reformstillstand und Wachstumsschwäche sind zwei Seiten einer Medaille." Er sei zuversichtlich, dass die Branche mit ihren Neuerungen dazu beitragen könne, den Markt noch in diesem Jahr zu beleben. "Das würde Wachstumsimpulse bringen, ohne die letztlich keine der von Ihnen, Herr Bundeskanzler, angestoßenen Reformen greifen könnten."

Gottschalk verwies darauf, dass die Zeichen für eine Belebung der Wirtschaft im Allgemeinen und der Autobranche im Speziellen gut stünden, doch dass die Politik dieses Klima nun stützen und fördern müsse. "Die Signale der Zuversicht nehmen zu. Das Klima beginnt sich aufzuhellen", sagte der VDA-Präsident. "Von einem selbst tragenden Aufschwung sind wir aber weit entfernt. Die Verunsicherung der Bürger sitzt tief." Daher sei seine Branche bereit, jedwede Reformvorhaben der Politik zu unterstützen: "Diese Schlüsselindustrie mit ihren 771 000 Mitarbeitern steht bereit, um Reformen zu unterstützen und dem Konjunkturmotor wieder das nötige Drehmoment zu geben."

Die Autobauer präsentieren auf der IAA zahlreiche Neuheiten, von denen sie sich in den kommenden Monaten einen deutlichen Nachfrageschub erhoffen. Nach rund vierjähriger Durststrecke erwartet die Branche im kommenden Jahr erstmals wieder steigende Absatzzahlen in Deutschland.

"Stagnation kann dieses Jahr überwunden werden"

Schröder entgegnete den Worten des VDA-Präsidenten mit Zuversicht über die Konjunkturaussichten in Deutschland. Er sehe Zeichen, dass die wirtschaftliche Stagnation nach drei Jahren noch in diesem Jahr überwunden werden könne, sagte er. Die von der Bundesregierung eingeleiteten Reformen in der Sozial- und Gesellschaftspolitik seien nicht für Deutschland, sondern auch für Europa von Bedeutung. Bei den Reformen in der Europäischen Union (EU) komme der Bundesrepublik eine Schlüsselrolle zu.

Kurz vor Beginn der IAA-Eröffnungsfeier war es zu Aufregung gekommen, als ein Sprengstoffhund der Polizei an der Messehaltestelle der S-Bahn anschlug. Nach vorübergehender Sperrung der Haltestelle gab der Bundesgrenzschutz (BGS) allerdings Entwarnung. "Es wurden keine verdächtigen Gegenstände gefunden", sagte ein BGS-Sprecher auf Anfrage.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%