VDA will Konjunkturlokomotive sein
IAA: Schröder warnt Union vor Blockade

Die deutsche Automobilindustrie will die Rolle der Konjunkturlokomotive übernehmen. Die Politik müsse den Bürgern aber endlich Sicherheit und langfristige Perspektiven für ihre Pläne geben, so VDA-Präsident Gottschalk bei der IAA-Eröffnung mit Bundeskanzler Gerhard Schröder.

HB FRANKFURT. Schröder erhofft sich von der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt einen Impuls für einen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. "Wenn man alle Kräfte mobilisiert und wir unser Reformwerk umsetzen und die Wirtschaft ihre Aufgaben macht, dann sollte es klappen", sagte der Kanzler bei einem Messe-Rundgang. Der Präsident des Verbandes der Automobil-Industrie (VDA), Bernd Gottschalk, warnte indes, der Aufschwung werde nur kommen, wenn die Politik Arbeitsmarkt und Sozialsysteme reformiere und die Bürger finanziell entlaste.

Schröder nutzte diese Aufforderung gleich, um die Opposition erneut in die Pflicht zu nehmen. Die Unionsparteien dürften das geplante Vorziehen der Steuerreform auf 2004 nicht im Bundesrat blockieren. Dies sei "falsch und gefährlich" für den dringend benötigten Konjunkturoptimismus. Mit der Steuerpolitik sowie den Reformen für das Gesundheitswesen und die Alterssicherung müssten noch in diesem Herbst wichtige Impulse gesetzt werden, um die seit drei Jahren anhaltende Stagnation zu überwinden, mahnte der Kanzler. Dies könne nur gelingen, wenn "Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften an einem Strang ziehen".

Allein die vorgezogene Steuerreform sei in der Lage, das Wirtschaftswachstum um zusätzlich 0,3 bis 0,5 %punkte zu beflügeln. 2004 müsse es einen Push geben, damit "die Wachstumsraten nicht nur auf dem Papier stehen, sondern Realität werden", warb der Bundeskanzler in Richtung CDU/CSU.

Neuheiten sollen Kauflust wieder wecken

Auf der weltgrößten Auto-Schau präsentiert die Branche rund 60 Weltpremieren von teuren Sportwagen bis zu Massen-Modellen wie dem neuen VW-Golf und dem Opel Astra. Die Autobauer erhoffen sich von den Neuheiten nach einer rund vierjährigen Durststrecke einen deutlichen Nachfrageschub und im kommenden Jahr erstmals wieder steigende Absatzzahlen in Deutschland. Die Messe, die am zweiten Jahrestag der Anschläge vom 11. September eröffnet wurde, findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Die wirtschaftlichen Indikatoren deuteten daraufhin, dass die seit drei Jahren anhaltende Stagnation noch in diesem Jahr überwunden werden könne, sagte Schröder. 2004 könne sich dann zu einem Jahr "mit wirklichen Perspektiven" für die deutsche Wirtschaft entwickeln. Ausgehen könne ein solcher Aufschwung auch von Messen wie der IAA und der Internationalen Funkausstellung (IFA), die kürzlich in Berlin stattgefunden hatte. Die deutsche Automobilindustrie sei Spitze in der Welt, lobte Schröder. "Und ich will daran mitarbeiten, dass das erhalten bleibt."

Schröders neuer Dienstwagen ein Porsche?

Von den neuen Modellen auf der Messe zeigte sich Schröder im Gespräch mit den Chefs der wichtigsten deutschen Auto-Konzerne sichtlich begeistert. Am Porsche-Stand scherzte er, er könne sich durchaus einen Sportwagen der Zuffenhausener Nobel-Schmiede als Dienstwagen vorstellen. "Ja, das wär' gut", stellte er fest. Am Steuer der Audi-Sportwagenstudie "Le Mans" erkundigte sich Schröder dagegen eher skeptisch nach dem Preis und lachte auf die Antwort, das Gefährt werde "erschwinglich" sein. Auch bei Mercedes, BMW, VW und Opel schaute der Kanzler zum Probesitzen vorbei.

VDA-Präsident Gottschalk betonte, dass es in Deutschland noch nie einen Aufschwung ohne die Automobil-Branche als Zugpferd gegeben habe. Voraussetzung für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung sei, dass die öffentlichen Haushalte konsolidiert, die Bürger steuerlich entlastet sowie Arbeitsmarkt und Sozialsysteme reformiert würden. "Der Geschäftsklimaindex geht nach oben, aber die Auftragsbücher lassen derzeit noch zu wünschen übrig. Deshalb brauchen wir jetzt vor allem eine mutige Verbesserung der Rahmenbedingungen", forderte er bei der Eröffnungsfeier. Auch dürfe die Politik das Autofahren nicht verteuern. Immerhin sei die Autoindustrie die einzige Branche, in der noch Arbeitsplätze geschaffen würden.

Auto-Branche bereit, Reformen zu unterstützen

Gottschalk verwies darauf, dass die Zeichen für eine Belebung der Wirtschaft im Allgemeinen und der Autobranche im Speziellen gut stünden, doch dass die Politik dieses Klima nun stützen und fördern müsse. "Die Signale der Zuversicht nehmen zu. Das Klima beginnt sich aufzuhellen", sagte der VDA-Präsident. "Von einem selbst tragenden Aufschwung sind wir aber weit entfernt. Die Verunsicherung der Bürger sitzt tief." Daher sei seine Branche bereit, jedwede Reformvorhaben der Politik zu unterstützen: "Diese Schlüsselindustrie mit ihren 771 000 Mitarbeitern steht bereit, um Reformen zu unterstützen und dem Konjunkturmotor wieder das nötige Drehmoment zu geben." Immerhin sei die Automobilindustrie derzeit die einzig verbliebene Branche, in der noch Arbeitsplätze geschaffen würden. Die Politik müsse den Bürgern nur endlich Sicherheit und langfristige Perspektiven für ihre Pläne geben. Kaufkraft sei ausreichend vorhanden, es fehle den Konsumenten aber an Vertrauen, so der VDA-Präsident.

Die großen deutschen Auto-Konzerne waren mit vorsichtigem Optimismus in die IAA gestartet, hatten aber konkrete Ertragsprognosen vermieden. Der starke Euro-Kurs, Investitionen in neue Modelle sowie die Kaufzurückhaltung der Verbraucher machen den Auto-Bauern weiter zu schaffen. Zudem belasten ein anhaltender Preiskampf und die zunehmende Beliebtheit japanischer Marken die Hersteller in Europa. Im August wurden in Westeuropa nach Angaben der Europäischen Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) weniger Fahrzeuge zugelassen als vor Jahresfrist, während japanische Autos in der Gunst der Kunden weiter stiegen.

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