VDMA kritisiert Regierung und Opposition
Maschinenbau erwartet Investitions-Rückgang

Der Maschinen- und Anlagenbau sieht nach Angaben seines Verbandes angesichts einer als wirtschaftsfeindlich empfundenen Steuer- und Wirtschaftspolitik für die Branche schlechte Zukunftsaussichten.

Reuters BERLIN. Für das laufende Jahre rechne der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) weiterhin mit einem Minus bei der Produktion von rund vier Prozent, sagte VDMA-Präsident Diether Klingelnberg am Mittwoch in Berlin. Für 2003 erwarte man eine Stagnation auf Vorjahresniveau und hoffe auf Impulse aus dem Ausland. Die Maschinienbauunternehmen planten für die nächsten drei Jahre eine Verringerung ihrer Investitionen und die verstärkte Abwanderung mit Produktionsstätten ins Ausland. Zudem sei im nächsten Jahr eine Zunahme des Beschäftigungsabbaus zu erwarten. Der Bundesregierung warf Klingelnberg eine diffuse, den Standort Deutschland belastende Politik vor. Doch auch die Opposition biete keine Konzepte zu Problemlösung an.

"Hier haben wir ständige Kostenerhöhungen", kritisierte der VDMA-Präsident. "Es gibt ein wirklich wirtschaftsunfreundliches Wirtschaftsklima." Das Problem mit der rot-grünen Regierung für die Wirtschaft sei: "Mit wem sollen wir reden, wer hat hier etwas zu sagen, wo ist die offizielle Haltung", beschrieb er die Situation. "Wir haben nur ein sehr diffuses Bild", bemängelte er die Politik der Regierung. Das Schlimmste sei, dass die Wirtschaft nicht wisse, worauf sie sich einstellen müsse. Doch auch die Opposition nahm er von seiner Kritik nicht aus. "Das bringt uns auch nichts", sagte er zu deren Politik.

Alarmierende Umfrage-Ergebnisse

Eine VDMA-Blitzumfrage unter den Mitgliedsfirmen des Verbandes ergab nach Klingelnbergs Worten alarmierende Ergebnisse. Mehr als jedes zweite der befragten rund 300 Unternehmen wolle in den kommenden drei Jahren ihre Investitionen kürzen. Verglichen mit den Jahren 2000 bis 2002 bedeute das ein Minus von durchschnittlich vier Prozent. Die Zahl der Inlandsbeschäftigten wollten 55 Prozent der Unternehmen im nächsten Jahr abbauen - im Durchschnitt ergebe sich ein Rückgang um drei Prozent nach rund 1,5 Prozent in diesem Jahr.

Mehr als die Hälfte aller befragten Maschinenbaufirmen planen der Umfrage zufolge in den nächsten drei Jahren Produktionsverlagerungen ins Ausland. Damit würde sich der Anteil der Unternehmen mit einer Auslandsproduktion 2003 auf mehr als 70 Prozent verdoppeln. Dabei gelte der eher mittelständisch organisierte Maschinenbau als sehr bodenständig. Rund 90 Prozent der Firmen hätten als den wichtigsten Grund für Verlagerungen die Höhe der deutschen Lohnnebenkosten genannt. 79 Prozent hätten auf mangelnde Arbeitsflexibilität in Deutschland verwiesen, 60 Prozent auf die Höhe der Steuern und Gebühren sowie 37 Prozent auf die deutsche Bürokratie.

"Steuerpläne belasten die Wirtschaft"

Die Bundesregierung belaste mit ihren Steuerplänen die Wirtschaft und speziell den Mittelstand weiter, kritisierte Klingelnberg. Die geplante Mittelstandsbank bringe überhaupt nichts. Seine Branche brauche in erster Linie nicht neue Kredite, sondern mehr Aufträge. Besonders belaste die Unternehmen die geplante Begrenzung des steuerlichen Verlustvortrags, was den Unternehmen Liquidität entziehe. Das bedeute, dass viele Firmen wenn der Aufschwung komme und sie investieren müssten, Liquiditätsprobleme bekämen.

Mit dem aktuellen Eurokurs hat der Maschinenbau dagegen nach Klingelnbergs Worten keine Probleme. Zu einer Neuauflage des Bündnisses für Arbeit äußerste er sich skeptisch, da man ja nicht einmal wisse, worüber dort diskutiert werden solle. Die Wirtschaft sei aber zu umfassenden Gesprächen bereit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%