VDMA rechnet Mitte 2002 mit einer Belebung der Auftragseingänge
Maschinenbauverband bewahrt Ruhe

Die deutschen Maschinen- und Anlagebauer sehen auch nach dem 11. September keinen Grund zur Schwarzmalerei. Der Terror habe die Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung im kommenden Frühjahr nur in Frage gestellt, nicht aber verworfen, sagte der designierte Verbandspräsident Diether Klingelnberg.

kv BERLIN. Der deutsche Maschinenbau bewahrt Ruhe. Aus konjunktureller Sicht gebe es für Schwarzmalerei keinen zwingenden Grund, sagte Diether Klingelnberg, designierter Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Berlin. Trotz der anhaltenden Kriegshandlungen in Afghanistan sei "eine krisenhafte Zuspitzung der Weltkonjunktur nach dem Muster der Jahre 1991 bis 1993" nicht zu erwarten. Klingelnberg, der heute auf der VDMA-Jahrestagung zum Nachfolger von Eberhard Reuther gewählt werden soll, verwies darauf, dass sich bereits seit Herbst 2000 im Maschinenbau eine "konjunkturelle Verlangsamung" abgezeichnet habe. Dennoch stieg die Produktion im vergangenen Jahr noch um 7,3 % auf 242 Mrd. DM. Seit Frühjahr 2001 liegen die Auftragseingänge unter dem jeweiligen Produktionsniveau. Die Unternehmen seien demnach dabei, ihre zum Teil recht dicken Auftragspolster abzubauen. Die Auslastung liegt Klingelnberg zufolge immer noch bei über 90 %, was mehr als Vollauslastung bedeute. Deshalb sei das prognostizierte Wachstum von 3 % für 2001 nicht gefährdet.

Bis zu den Terroranschlägen am 11. September seien in den USA "Anzeichen für eine bevorstehende Konjunkturerholung" zu beobachten gewesen und damit ein Anziehen der Bestellungen für die deutschen Maschinenbauer im Frühjahr 2002. "Durch die Terrorangriffe wird dieses Szenario in Frage gestellt, nicht aber gänzlich verworfen", sagte Klingelnberg, der Inhaber einer mittelständischen Werkzeugmaschinengruppe ist, die auch in den USA produziert. Echte Stornierungen hätten die Maschinenbauer im US-Geschäft bisher nur ganz vereinzelt erlebt. Wohl aber würden sich Projekte verzögern, insbesondere im Bereich der Luftfahrtindustrie.

An den Voraussetzungen für eine tragfähige wirtschaftliche Erholung vor allem in den USA habe sich eigentlich nichts geändert. In dieser Einschätzung fühle sich der VDMA durch die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds bestärkt. Allerdings werde sich der Aufschwung um drei bis sechs Monate verzögern. Eine Belebung der Auftragseingänge werde also nicht vor Mitte 2002 spürbar. Klingelnberg bleibt deshalb bei der von Reuther vor den Angriffen in Afghanistan gestellten Prognose, wonach die Maschinenbauproduktion im kommenden Jahr um rund 2 % schrumpfen wird. Nur "wenn es ganz schlimm kommt", könnte die Produktion auch um 3 bis 4 % absacken. Auch ein solcher Einbruch müsste angesichts des Wachstums von mehr als 10 % zu verkraften sein. Zum Vergleich: Von 1991 bis 1993 war die Produktion um fast 20 % abgesackt.

Der VDMA forderte die Bundesregierung auf, anstehenden Reformvorhaben "endlich anzupacken". Eine Rückkehr zu teuren Konjunkturprogrammen lehnt der Verband jedoch ab.

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