Venture Capital
Nicht mehr unter sich

Wagniskapital-Geber - das war lange Zeit ein kleiner, aber feiner Zirkel. Doch die Szene wächst, mittlerweile wird es eng, eng für alle...

Venture-Capital-Geber (Geldgeber, die jungen Firmen in der Start- oder Wachstumsphase Geld geben und meist nach dem Börsengang der jungen Firma mit hoher Rendite wieder aussteigen) waren bislang die Regisseure in der Neuen Wirtschaft. Sie sahen die jungen Talente als erste - noch bevor wir Medienschaffenden einen ersten Blick auf die Dotcoms werfen durften. Hatten die meisten Startups doch nicht so schnell eine PR-Agentur zur Hand, die sie ins rechte Licht rückte.

Als Venture-Capital-Geber konnte man sich zurücklehnen. Man führte Regie, wenn es um die erste, zweite oder dritte Finanzierungsrunde ging. Man stand im Abspann beim Börsenstart. Man machte eine Schaffenspause. Und war voller Tatendrang, wenn die Haltefrist verstrichen war und das nächste Investment wartete.

Ein kleiner, aber feiner Zirkel - man kannte sich in der Szene und lachte über Fremde, die mit den Worten Venture Capital, Dotcom und geipot (sprich: ge-ei-pi-ot, gemeint ist damit, dass die junge Firma nun an der Börse ist) nicht viel anfangen konnten.

Doch am Set herrschen neue Sitten: Immer mehr Venture-Capital-Gesellschaften tummeln sich in der Szene; einige haben sich gerade erst gegründet, andere geben Großkonzernen eine Anstrich von Beweglichkeit, wieder andere kommen aus dem Ausland, weil sie zu viel Geld, aber zu wenige Ideen dort vorgefunden haben.

Es wird eng, zu eng für alle. Allein der Bundesverband der deutschen Kapitalbeteilgungsgesellschaften verzeichnet über zweihundert Mitglieder. Nun müssen die Regisseure raus in die Welt, müssen selbst Öffentlichkeitsarbeit für ihr Geschäft, für die nächste gute Unternehmensstory machen. Sie müssen heute zuerst verkünden, in welche Firmen sie investiert haben. Noch vor den Firmen selbst. Die Zeiten, in denen man unter sich war und die Öffentlichkeit nicht brauchte, sind vorbei.

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