Venus schickt der Himmel
Martina Müller vor Traumspiel in Runde drei

Regen bringt Segen. Beim Tennis normalerweise nicht. Doch für Martina Müller aus Hannover fiel mit den vielen Tropfen Donnerstagnacht bei den US Open ein Traumspiel vom New Yorker Himmel.

dpa/HB NEW YORK. Die 19-Jährige steht erstmals in ihrer Karriere in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers und trifft dort auf keine Geringere als Venus Williams. Gegen die Titelverteidigerin und Weltranglistenzweite winkt als schönste Aussicht ein Match auf dem Centre Court. Und was ist das Ziel gegen die haushohe Favoritin? "Auf jeden Fall nicht zwei Mal zu null verlieren", sagten Martina und ihr Vater und Trainer Reinhard Müller unisono.

Regen zermürbt oder beflügelt. Stunden langes Warten lähmt oder macht flinke Beine. Die einen sind danach ganz schnell draußen, die anderen ruckzuck in der nächsten Runde. Justin Gimelstobs Lektion durch seinen Landsmann Andre Agassi dauerte nur 66 Minuten (0:6, 1:6, 1:6). Titelverteidiger Lleyton Hewitt gelangte nach dem 7:6 (9:7), 6:4, 6:1 gegen den israelischen Qualifikanten Noam Okun ebenfalls ohne Satzverlust in Runde drei. Venus Williams brauchte nur 54 Minuten, um die Australierin Alicia Molik mit 6:1, 6:2 zu besiegen.

Auch Martina Müller war nach der ewigen Warterei auf das Ende des Regens bereits auf dem schnellsten Weg in ihr Bett. Auf dem abgelegensten Tennisplatz der Anlage führte Barbara Schett im Handumdrehen mit 5:0. "Das war kein Tennis, was sie da gespielt hat", schimpfte Vater Reinard Müller. Martinas Blicke wanderten immer wieder Hilfe suchend hinüber zu ihrem schärfsten Kritiker. Der zeigte keine Regung. Vor den Augen von Fedcup-Kapitän Markus Schur musste sie sich schon am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen.

Martina Müller hat ein Kämpferherz. Sie glich zum 5:5 aus, verlor dennoch 5:7. Im zweiten Durchgang ließ sie der in der Weltrangliste 43 Plätze vor ihr geführten Österreicherin keine Chance (6:2), aber ließ sich beim Stand von 5:4 im letzten Satz den Aufschlag zum Match-Gewinn abnehmen. "Ich habe mich dann noch so durchgewürgt", sagte die überglückliche Siegerin später über das abschließende 7:5 anderthalb Stunden vor Mitternacht. Da hatte Anca Barna (Nürnberg) nach der 4:6, 1:6-Niederlage gegen Chanda Rubin längst ihre Tasche gepackt.

Als großes Plus erwies sich die Fitness von Martina Müller. Die wieselflinke Spielerin erlief an der Grundlinie nahezu jeden Ball und zermürbte die eng mit Anke Huber befreundete Barbara Schett mit langen, Kraft raubenden Ballwechseln. Das versöhnte auch Reinhard Müller, der seiner Tochter mit einem Küsschen gratulierte. Bis zu den US Open war der allein erziehende Vater Wochen lang sauer auf seine Tochter. Die hatte im Frühjahr mit ihrem ersten WTA-Turniersieg in Budapest für Aufsehen gesorgt. "Danach fiel der ganze Sommer ins Wasser, weil Martina durch ihren Erfolg abgelenkt war." Als sie dann den zweiten Matchball verwandelte, wusste Reinhard Müller noch nichts vom Aufeinandertreffen mit der älteren der beiden Williams-Schwestern. Die viermalige Grand-Slam-Gewinnerin überragt Martina Müller nicht nur, was die Zahl ihrer Erfolge angeht um ein Vielfaches. Die 22-jährige ist mit 1,85 Meter auch 21 Zentimeter größer und 17 Kilo schwerer als ihre Gegnerin. "Eine andere Gegnerin wäre mir lieber gewesen. Dann hätte Martina etwas von dem, was sie heute gespielt hat, mitnehmen können", sagte Vater Müller. "Aber Venus Williams ist einfach übermächtig." Seine Tochter ist da anderer Meinung. Sie freut sich auf das ungleiche Duell: "Für mich ist das ein Traumspiel."

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