Veränderung als Normalität
Expertenrunde fordert Reform des Ausbildungssystems

vwd KÖLN. Das Ausbildungssystem in Deutschland muss reformiert werden, wenn das Land auch in Zukunft noch eine Rolle in der Wirtschaft spielen soll. Davon zeigten sich jedenfalls die Teilnehmer einer Diskussionsrunde zum Auftakt der IT-Fachmesse "exponet 2000" am Dienstag in Köln überzeugt. "Unser heutiges Bildungssystem ist nicht in der Lage, den rapiden technischen Wandel abzubilden, den wir gerade erleben", sagte Uli Pecher, Chefredakteur des Magazins "Business2.0". Schulen ans Netz zu bringen sei zwar eine "schöne Sache", doch die Lehrpläne, nach denen dann das Wissen vermittelt werde, seien 20 bis 30 Jahre alt.

Dazu kämen strukturelle und Abstimmungsprobleme in Politik und Gesellschaft. "Und wie soll man Schülern und Studenten verständlich machen, dass das, was sie heute lernen, in fünf Jahren obsolet ist?", fragte er. Wenn der Staat die Ausbildung nicht leisten könne, "müssen die Unternehmen selbst ran." Unterstützung erfuhr Pecher von seinen Diskussionspartnern Heiko Wuest, Geschäftsführer Deutschland der Düsseldorfer Winstar Communications GmbH, Thomas Peters, Vice President der 3Com GmbH aus Aschheim, und Hans-Dieter Ernst, Chief Executive Officer von Bull Central Europe.

Es gebe zwar neuerdings vier IT-Berufe, in denen auch ausgebildet werde. Doch "welcher Berufsschullehrer ist schon in der Lage, seinen Schülern Kenntnisse über Netzwerktechnologien zu vermitteln?" fragte Peters provozierend. Wuest betonte, es sei "überhaupt nicht Aufgabe des Staates, Schulen mit PCs auszurüsten". Stattdessen forderte er Partnerschaften von Hochschulen und Schulen mit der Industrie - die profitiere schließlich von einer entsprechenden Ausbildung. Schülern und Studenten müsse jedoch beigebracht werden, "wie man strukturiert und systematisch lernt". Dies sei die Grundlage, sich auch weiterhin in der wachsenden Datenflut zurecht zu finden.

Ernst fügte hinzu, ein Bewusstseinswechsel sei notwendig, bei dem Veränderung und Weiterentwicklung als Normalität gesehen würden. Bislang sei dies nur im privaten Bereich selbstverständlich. Veränderung im Beruf werde jedoch als etwas Bedrohliches gesehen. "Hier sind die Politik und gesellschaftliche Gruppen gefragt, dies als Normalität zu akzeptieren", sagte Ernst. Denn viele derzeit moderne Jobs auch im Bereich der Technologie seien in zehn Jahren vielleicht schon wieder völlig verändert. "Aber das ist eine Chance, sich weiterzuentwickeln."

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