Veränderungen des Basiswertes wirken sich weniger stark aus, als bei Varianten mit kürzerer Frist
Lang laufende Optionsscheine in Mode

"Langläufer leben länger", lautete einst ein Werbeslogan der Fitnessbranche. Zurzeit beherzigen auch viele Banken diesen Grundsatz und bringen Optionsscheine auf den Markt, die deutlich länger als zwei Jahre gültig sind. Teilweise liegt die Fälligkeit sogar erst im Jahr 2006.

DÜSSELDORF. Durch ihre lange Laufzeit verfügen die Papiere über eine Pufferfunktion: Veränderungen des Basiswertes wirken sich weniger stark aus, als bei eher verfallenden Varianten. Ein Beispiel: Bei einem Anstieg der SAP-Aktie um 1 % steigt ein "normaler" Schein (3.6.2002, Basispreis 160 Euro) bei sonst gleich bleibenden Variablen um 4,3 %. Die lang laufende Variante (10.12.2004) mit gleicher Basis legt hingegen nur um 1,8 % zu. Dafür wirken sich auch Verluste nicht so stark aus.

Haltedauer sollte ein Jahr übersteigen

"Die neuen Scheine sind etwas für Anleger, die auf einen langfristigen Trend setzen wollen", erläutert Christina Mägerlein von Sal. Oppenheim die neuen Produkte. Die Haltedauer sollte dabei deutlich ein Jahr übersteigen. Ihr Kollege Markus Koch von UBS Warburg sieht die Papiere als Alternative zur Direktanlage in Aktien. Durch die Hebelwirkung sei zudem ein Renditevorsprung möglich. Außerdem könne sich der Anleger mit den Produkten leicht ein Garantieprodukt zusammenstellen: Dabei kauft der Anleger eine sichere Anleihe und investiert die erwarteten Zinsen in einen Optionsschein mit gleicher Laufzeit. Am Ende behält der Anleger seinen Einsatz, hat aber zusätzlich die Chance, an Kurssteigerungen zu partizipieren. Axel Kilian von J.P. Morgan verweist hierbei auf die steuerlichen Vorteile: "Im Gegensatz zu einem Garantiefonds müssen Anleger nur die Zinserträge mit dem Fiskus teilen."

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen zu den neuen Produkten. "Optionsscheine sind ein spekulatives Investment mit einem ordentlichen Hebel - dieser Charakter geht bei extrem langlaufenden Scheinen etwas verloren", sagt Dirk Heß vom Branchenprimus Citibank. Skeptiker verweisen zudem auf mögliche Kostenfallen: Um den Verkaufspreis der Scheine zu bestimmen, schätzen die Emittenten die zukünftigen Schwankungsbreiten (Volatilitäten) der Basiswerte. Mit größer werdendem Prognosezeitraum wird dies schwieriger. Die Gefahr besteht, dass die Emittenten die Volatilitäten und damit auch Preise eher zu hoch als zu niedrig ansetzen. Damit bessern sie zugleich ihre Marge auf. Ihre gleichzeitig getätigten Absicherungsgeschäfte mit professionellen Marktteilnehmern sind dann eventuell wesentlich preiswerter als das an den Kunden verkaufte Produkt. Dieses Problem betrifft zwar nicht nur langlaufende Papiere, hier ist die Gefahr jedoch größer, zumal es bei vielen Basiswerten noch kaum Konkurrenz gibt.

Auf den Breakeven muss man achten

Die zunehmende Emissionstätigkeit der Banken wird diesen Zustand aber ändern. Bei Scheinen auf den Dax gibt es bereits eine recht große Auswahl. Sind zwei ähnlich ausgestattet Scheine vorhanden, sollte in jedem Fall derjenige bevorzugt werden, der über die niedrigere implizite Volatilität verfügt. Außerdem sollte der Anleger sich bei Informationsanbietern wie Onvista (www.onvista.de) über den so genannten "Breakeven" informieren. Dabei handelt es sich um die Kursmarke, die der Index oder die Aktie am Laufzeitende erreichen muss, damit der Käufer des Scheins zumindest keine Verluste einfährt. Liegt die Gewinnschwelle über der eigenen Prognose, sollte der Anleger von dem Papier die Finger lassen.

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