Veraltete Listen hindern Bürger an der Stimmabgabe
Wut und Durcheinander bei der Wahl in Kosovska Mitrovica

afp KOSOVSKA MITROVICA. Darian Garic kann an den jugoslawischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen nicht teilnehmen. Obwohl die Behörden die Wahl auch im Kosovo abhalten, kann der 52-Jährige seine Stimme nicht abgeben: Sein Name findet sich nicht auf den Listen. Er teilt dieses Schicksal mit hunderten weiterer Menschen, die in den vergangenen Monaten in das serbische Viertel der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica gezogen sind. "Ich habe alles verloren im Kosovo, meinen Sohn, mein Haus. Wenn ich ein Gewehr hätte, würde ich sie alle töten", schimpft er über die Beamten der Wahlkommission, die von der Regierungspartei SPS von Präsident Slobodan Milosevic kontrolliert wird.

Zwei Wahlbüros sind für die tausenden serbischen Flüchtlinge in Kosovska Mitrovica eingerichtet worden. Doch die Wahllisten wurden schon seit Jahren nicht mehr aktualisiert, nur ein winziger Bruchteil der Flüchtlinge aus dem gesamten Kosovo ist registiert. Im Wahlbüro der Grundschule Sveti Sava stehen nur ganze 80 Namen auf der Wählerliste, wie Leiter Edvard Vizin erklärt. Auch er selbst kann seine Stimme nicht abgeben, weil er erst seit kurzem in der Stadt wohnt - "es ist verrückt", kommentiert er.

Die 62-jährige Katia Vulikic betritt den Raum, ihren Personalausweis in der Hand. Sie ist aus Pristina, wo nur noch eine Handvoll Serben lebt, nach Mitrovica gezogen. "Sie stehen nicht auf der Liste", erklärt ihr lakonisch die junge blonde Frau, die die Stimmzettel austeilt. Vulikic wird wieder hinaus in den Vorraum geschickt. Doch auch im dort aufgestellten Computer können die Wahlhelfer ihre Daten nicht finden, obwohl die 62-Jährige sich nach eigenen Worten ordnungsgemäß bei den Behörden angemeldet hat. "Ich will heute wählen", schimpft sie, bevor sie ihr Glück im zweiten Wahlbüro für Neuankömmlinge versucht. Doch auch von dort kommen zahlreiche Leute enttäuscht und erbost zurück.

Die Wahllokale für diejenigen Serben, die schon lange in Mitrovica leben, sind überfüllt. An mehreren Tischen füllen Bürger ihre Stimmzettel aus. Sie müssen ihr Kreuzchen in aller Öffentlichkeit machen, einen Sichtschutz gibt es nicht. Im Freien warten Wahl-"Zeugen" der UNO. Sie notieren sich, wieviele Menschen das Gebäude betreten. Die Daten sollen hinterher mit den aus Belgrad gemeldeten offiziellen Wählerzahlen verglichen werden. Die UNO hofft, dass sie auf diese Weise übertriebene Angaben über die Beteiligung entlarven kann. Die Straßen werden von Soldaten der Friedenstruppe KFOR bewacht. Sie fürchten Zusammenstöße nach der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse.

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