Veranstalter beobachten allmählich wachsende Reiselust
Touristikbranche schöpft wieder Mut

Die Deutschen scheinen ihre Reise-Zurückhaltung langsam wieder aufzugeben: Viele Veranstalter melden derzeit ein leichtes Buchungsplus. Vor allem Städtereisen stehen laut DER hoch im Kurs.

FRANKFURT/M. In der Tourismusbranche wächst der Optimismus, dass die Terroranschläge vom 11. September das Geschäft allmählich nicht mehr lähmen. "Die Buchungen ziehen wieder an, liegen allerdings noch unter dem Vorjahr", heißt es beim Reservierungsdienstleister Start Amadeus GmbH, über den ein Großteil des Urlaubsreisegeschäfts abgewickelt wird. Auch die zur Rewe-Touristik gehörende DER-Gruppe (Deutsches Reisebüro) schloss sich einer vorsichtig positiven Einschätzung an.

"Die gute Nachricht ist: Es wird wieder gereist", erklärte DER-Geschäftsführer Norbert Fiebig bei der Präsentation erster Zahlen des Geschäftsjahres 2001. Für den Winter würden die Buchungen wieder auf Vorjahresniveau liegen, und für den kommenden Sommer sei er "einigermaßen vorsichtig optimistisch gestimmt". Die DER-Gruppe erwartet für ihre Veranstalter Dertour und ADAC im Ende Oktober beendeten Branchenjahr ein Umsatzwachstum von 8 % auf 1,9 Mrd. DM bei 2,2 Millionen Gästen.

Zusammenbruch des Nordamerika-Geschäfts

Lediglich die Marke Meier?s Weltreisen hat Fiebig zufolge bei 400 Mill. DM Umsatz ein Minus von 13 % erzielt. Der ohnehin schon negative Trend habe sich durch den Zusammenbruch des für Meier?s wichtigen Nordamerika-Geschäfts verstärkt. Nach der Übernahme der Touristiksparte der Düsseldorfer LTU-Gruppe durch das Handelshaus Rewe Anfang des Jahres war die renommierte Ferntouristik-Marke beim DER angesiedelt worden.

DER soll das gesamte Angebot der so genannten Baustein-Touristik und die Fernreisen bei sich konzentrieren. Meier?s befinde sich in einem umfassenden Umbau und soll, so Fiebig, "wieder das werden, was er mal war - der Spezialist für alles Ferne mit ausgezeichnetem Ruf für Qualitätsreisen". Aus der Veranstaltermarke werde unter dem Rewe-Dach ein selbstständiger Veranstalter mit Firmensitz und Infrastruktur in Düsseldorf.

Für das - nicht mit dem touristischen Jahr übereinstimmende - Geschäftsjahr 2001 (31.12.) erwartet die DER-Gruppe, dass sie ihr Ergebnis vor Steuern des Vorjahres noch einmal übertrifft. Weitaus schwieriger werde das nächste Jahr, sorgt sich Fiebig. Doch es mehrten sich die positiven Zeichen: Urlaubspläne seien vielfach aufgeschoben, jedoch nicht aufgehoben worden.

Die DER-Gruppe sehe jedenfalls keinen Anlass, grundlegende Restrukturierungen und Personalabbau zu planen, betonte Fiebig - mit Seitenblick auf den großen Wettbewerber Thomas Cook, der sich gesund schrumpfen möchte. Bei Cook wird die aktuelle Branchenentwicklung nicht so optimistisch gesehen. "Die Nachfrage flackert, es gibt keinen Trend, weder positiv noch negativ", sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt.

Vielseitiges Angebot hilft DER

Der DER-Gruppe hält sich in der derzeitigen Situation die Vielseitigkeit ihres Angebots zu Gute. Damit könne sie die hohen Buchungsrückgänge im Nordamerika-Geschäft und zu Zielen am Arabischen Golf wett machen, sagte Fiebig. So profitierten die Veranstalter vom Trend zu Zielen in Europa, speziell zu Städtereisen. Daran verdiene das Unternehmen gut, da bessere Margen als bei Reisen in den Dollarraum erzielt würden. Anders als die touristischen Großkonzerne, die vom Reisebüro über die Ferienfluggesellschaft bis zum Hotel alle Glieder der touristischen Wertschöpfungskette bei sich vereinigen, sei DER "kaum vertikal integriert" und müsse deshalb in der Flaute "nicht an vielen Stellen doppelt und dreifach leiden".

Auch der Marktführer TUI aus dem Preussag-Konzern hatte sich vor zwei Wochen verhalten optimistisch zum Reisejahr 2001/2002 geäußert und ein Marktwachstum von 1 bis 2 % prognostiziert. Der Duisburger Veranstalter Alltours, einer der letzten Mittelständler der Branche, hatte nach für den laufenden Winter bereits ein Buchungsplus von 6,5 % gemeldet. Selbst die Vorausbuchungen für den nächsten Sommer lägen bereits um ein Drittel über denen des Vorjahres.

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