Veranstalter rechnen mit Fehlbetrag von 2,4 Milliarden DM
Bundesrechnungshof prüft EXPO-Defizit

Finanzlage der Weltausstellung wird immer undurchsichtiger.

afp BONN/HANNOVER. Jetzt ist es offiziell: Die Weltausstellung in Hannover sei in der Planung des zuständigen Prüfgebietes für 2001 enthalten, sagte Rechnungshof-Sprecher Friedrich Rienhardt heute in Bonn. Die Bundesbehörde werde dabei auf eigene Initiative tätig. Der genaue Zeitpunkt der Prüfung durch die obersten deutschen Rechnungsprüfer stehe noch nicht fest, betonte Rienhardt. In der vergangenen Woche hatte der Rechnungshof seine grundsätzliche Bereitschaft zu einer EXPO-Prüfung erklärt, nachdem die Finanzlage der Weltausstellung immer undurchsichtiger geworden war. Rienhardt betonte, eine "fundierte Stellungnahme" seines Hauses werde es wohl nicht mehr vor EXPO-Schluss Ende Oktober geben.

Bei der Geschäftsleitung der Veranstaltergesellschaft werde das Vorhaben des Bundesrechnungshofes "sehr begrüßt", teilte EXPO-Sprecherin Silke Schumacher mit. "Wir haben kein Problem mit den Kosten und Ausgaben, wir haben ein Problem mit den Einnahmen", betonte Schumacher in Hannover. Der Bundesrechnungshof habe die EXPO-Unterlagen schon vor zwei Jahren, also während der Vorbereitungsphase, geprüft. "Die Rechnungshöfe sind von Anfang an mit im Boot", hob die EXPO-Sprecherin hervor.

Schon 1995 war die EXPO auf dem Prüfstand

Am Freitag hatte Rienhardt gesagt, der Bundesrechnungshof könnte wegen einer EXPO-Prüfung seinen bisherigen Prüfungsplan umwerfen. Die erste Weltausstellung auf deutschem Boden sei bereits 1995 Gegenstand einer Prüfung gewesen, über deren Ergebnisse der Bundestags-Haushaltausschuss informiert worden sei. 1998 habe die Bundesregierung zudem eine so genannte Prüfungsmitteilung zur EXPO erhalten. Dabei sei "sicherlich auch in die Planzahlen eingesehen worden". Der Rechnungshof könne indes "nur im Nachhinein feststellen, wo Probleme oder mögliche Schwachstellen waren und was man für künftige Fälle ändern sollte", betonte der Behördensprecher.

Das betriebswirtschaftliche Defizit der EXPO war vor dem Beginn der fünfmonatigen Schau mit 400 Millionen Mark beziffert worden. Kurz nach ihrer Halbzeit Mitte August hatte die Weltausstellung jedoch angekündigt, dieser Betrag werde auf das Sechsfache klettern und 2,4 Milliarden Mark erreichen. Der Bund und das Land Niedersachsen sprangen der Veranstaltergesellschaft daraufhin mit frischem Geld zur Seite. Zahlreiche Kritiker hielten den Verantwortlichen vor, bei der Planung der Weltausstellung mit überhöhten Schätzungen bei Besucherzuspruch und volkswirtschaftlichem Nutzen kalkuliert zu haben, um öffentliche Zustimmung für die EXPO zu erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%