Verantwortliche haben zu lange versucht, mit hohen Aktienquoten das niedrige Zinsniveau auszugleichen
Versicherer müssen Partner ins Boot holen

Die Lebensversicherer stecken in der Klemme: Viele können die zugesagten Renditen nicht mehr erwirtschaften. Experten werfen den Unternehmen vor, das Geld falsch angelegt zu haben und raten dringend zu Auslagerungen.

DÜSSELDORF. Die Krise an den Kapitalmärkten legt derzeit schonungslos die Fehler einiger Lebenversicherer bloß. Zwar weiß derzeit noch niemand, welche Gesellschaften konkret Schwierigkeiten haben werden, den Garantiezins von 3,25 bzw. vier Prozent zu erwirtschaften und wer möglicherweise durch den geplanten Branchenpool aufgefangen werden muss. "Auf Grund der schwierigen Lage an den Märkten ist aber für alle Anbieter die Kapitalanlage komplizierter geworden" sagt Robert Helm, Geschäftsführer der Meag Munich Ergo Asset Management KAG.

Das sieht auch Reiner Will so, Geschäftsführer der Assekurata Rating Agentur: "Bei rund 110 Lebensversicherern in Deutschland, davon 80 Prozent mit einem Marktanteil unter einem Prozent, haben viele nicht die kritische Masse, um die notwendigen Kapazitäten für eine professionelle Kapitalanlage aufzubauen." Hier sieht er zwei Alternativen: Fusionen, um die kritische Größe zu erreichen, oder das Auslagern des Asset Managements.

Da Fusionen mit einer Reihe von Problemen behaftet sind, rückt das Auslagern der Vermögensverwaltung in den Mittelpunkt des Interesses. "Hier haben die Probleme vielen Vorständen die Augen geöffnet", bestätigt Norbert Kranz, Geschäftsführer der General Cologne Re Capital, dem Asset Management Dienstleister des Rückversicherers. In Deutschland tummeln sich mittlerweile einige Anbieter, die Versicherern bei der Kapitalanlage helfen. "Wir werden von Versicherern angesprochen", sagt auch Hans-Dieter Bauernfeind, Geschäftsführer der Swiss Re Asset Management KAG mbH.

Doch was haben die Lebensversicherer in der Vergangenheit falsch gemacht? "Sie haben eine Anlagepolitik gefahren, die nicht ausreichend die jährlich fälligen Gewinnausschüttungen berücksichtigt hat", analysiert Rating-Experte Will. Diese Abstimmung der Aktiv- und Passiv-Seite der Bilanz nennen Experten "Asset Liability Management." Hier sieht auch Norbert Kranz von General Cologne Re bei vielen Versicherern Nachholbedarf. "Allerdings liefert das Asset Liability Management quasi nur den Scheibenwischer, um klar zu sehen. Die Verantwortlichen müssen auch entsprechend der Erkenntnisse der Analyse handeln", erklärt er. Und auch daran hat es gehapert. So haben viele Versicherer zu lange auf hohe Aktienquoten gesetzt.

Weitaus härter als die schwachen Aktienkurse trifft die Versicherer die Tiefzinsphase. Schließlich machen Rentenpapiere bis zu 75 Prozent ihrer Anlagen aus. Hier fielen die Renditen von über sieben auf unter fünf Prozent. "Das konnte eine Zeit lang mit Aktieninvestments ausgeglichen werden", sagt Will, "doch jetzt rauschen auch diese Assets in den Keller." Viele Vorstände legten zu großes Augenmerk auf die Spezialfonds. "Dabei wirken sich wenige Basispunkte Renditeplus beim direkt gehaltenen Rentenbestand wegen des großen Gewichts viel stärker aus. Dieser Hebel wird nicht optimal genutzt", erklärt General-Cologne-Re-Experte Kranz. Ein Beispiel: Um denselben Effekt einer Renditeverbesserung von 40 Basispunkte des direkt gehaltenen Rentenportfolios (Anteil: ca. 75 Prozent der Gesamtanlagen) zu erreichen, muss ein Versicherer aus den übrigen 25 Prozent seines Vermögens schon 120 Basispunkte herausholen. Dabei müssen aber größere Risiken in Kauf genommen werden.

"Aber auch auf der Passivseite werden Fehler gemacht. So geschieht die Absenkung der Gewinnbeteiligung auf Grund des Wettbewerbes derzeit nur zögerlich oder unzureichend", meint Will. Der Hintergrund: Eine hohe Überschussbeteiligung gilt als zentrales Argument im Kampf um Neukunden. "Doch die Vorstände dürfen nicht übersehen, dass es in der nächsten Überschussbeteiligungsrunde für einiger Versicherer schlichtweg um die Existenz geht", sagt Will.

Doch wie können Versicherer die Rendite des Rentenportfolios steigern? "Dies geht zum Beispiel mit Anlagen in gut geratete Asset Backed Securities, Unternehmensanleihen oder nachrangigem Kapital von erstklassigen europäischen Finanzinstitutionen", erklärt Kranz. Doch diese Anlageinstrumtente sind komplex, Experten dafür rar und teuer. Nur Gesellschaften mit hohen Anlagevolumina können es sich leisten, solche Expertenteams vorzuhalten. Kleinere Häuser können sich das Know-how aber zukaufen. Der LVM, Versicherungsgesellschaft in Münster mit Fokus auf das Kfz-Geschäft, lässt sich zum Beispiel seit jüngstem von der General Cologne Re beraten beim Asset Liability Management für das Leben-Geschäft. Andere mittelgroße Anbieter wie etwa die Inter oder Concordia haben nach Angaben von Sprechern indes keine Überlegungen, über Mandate von Teilfonds hinaus externes Know-how zuzukaufen. Assekurata-Chef Will findet das paradox: "Beim Verkauf von Pensionsfonds raten die Versicherer ihren Unternehmenskunden, diese Dinge auszulagern. Doch die Versicherer selbst machen noch zu viel in Eigenregie."

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