Verantwortung für Preisentwicklung zurückgewiesen
OPEC zum Dialog über Ölpreis bereit

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat den Industrie-Nationen einen Dialog über die Ölpreiskrise angeboten, dabei aber auf Gleichrangigkeit gepocht.

afp CARACAS. "Wir sind bereit, mit jedem zu jeder Zeit und an jedem Ort zu sprechen, aber dies auf gleicher Ebene", sagte Venezuelas Staatsschef Hugo Chavez am Mittwoch (Ortszeit) in Caracas zum Auftakt des ersten OPEC-Gipfels seit 1975. Er verwahrte sich dabei gegen Vorwürfe, das Ölkartell sei für die derzeit hohen Ölpreise weitgehend allein verantwortlich.

Unter dem Beifall der Delegierten verwies der venezolanische Präsident auf die Preise von Produkten in Industrieländern, die viel schneller als der Ölpreis stiegen: Ein Barrel (gut 159 Liter) Coca Cola koste inzwischen fast 79 Dollar (174,60 Mark), ein Barrel Milch 150 Dollar und ein Barrel guten Weins stolze 1370 Dollar. Sonnenöl sei mit 5365 Dollar pro Barrel sogar viele hundert Mal teurer als "unser armes Barrel Rohöl, das alle so sehr attackieren", erinnerte Chavez. "Man muss der Welt doch die Wahrheit sagen." Ein Fass Rohöl schwankt derzeit an den internationalen Märkten um die 30-Dollar-Marke (66,30 Mark).

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika, dessen Land vor 25 Jahren den ersten OPEC-Gipel in der 40-jährigen Geschichte der Organisation beherbergt hatte, unterstrich ebenfalls die Dialogbereitschaft der Förderländer. "Nichts spricht gegen einen Dialog zwischen OPEC und G-8", den sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland, sagte Bouteflika bei seiner Eröffnungsrede. Eine Stabilisierung der Ölmärkte sei im beiderseitigen Interesse.

Schuldenlast der armen Länder

Bouteflika mahnte die OPEC-Länder zugleich, die Probleme der ärmeren Länder wahrzunehmen, die deutlich schwerer am hohen Ölpreisniveau zu tragen hätten. "Ihnen müssen wir zu jedem Moment und in jeder Lage tatkräftige und brüderliche Solidarität erweisen", forderte der Algerier. Nach den Worten Chavez' gehört dieses Thema auch auf die Tagesordnung für Gespräche mit der westlichen Welt. Mit den Industriestaaten müsse nicht nur über den Ölpreis, sondern auch über die hohe Schuldenlast der armen Länder und über Handelsungleichgewichte diskutiert werden.

In Caracas waren sechs OPEC-Länder mit Staatschefs vertreten; Irak, Kuwait Libyen, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate waren mit ranghohen Staatsvertretern zugegen. Als Beobachter reisten zudem Repräsentanten der Förderländer Norwegen, Mexiko, Oman, Russland und Angola an.

Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) sollte der Gipfel mit einer feierlichen Schlusserklärung enden. Darin dürfte es vorrangig um die künftige Rolle der OPEC in der Weltpolitik und allgemeinpolitische Themen wie Armut, Verschuldung und Souveränitätsfragen gehen. Zum Thema Ölpreise, das die Staatsschefs trotz des internationalen Drucks weitgehend ausklammern wollten, dürften sich Appelle an die Abnehmerländer zur Steuersenkungen auf Öl und Ölprodukte in der Schlusserklärung wiederfinden. Eine Diskussion um die Fördermengen der OPEC stand nicht auf dem Programm des OPEC-Gipfels.

Treffen der OPEC-Minister im November

Die OPEC-Minister wollen sich zum diesem Thema Mitte November wieder in Wien treffen. Bei ihrem letzten Treffen Anfang September hatten die OPEC-Minister bereits eine Erhöhung der Fördermenge um 800.000 Barrel pro Tag ab 1. Oktober beschlossen. Die OPEC fördert eigenen Angaben zufolge 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion.

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