Verarbeitendes Gewerbe optimistisch
Ifo-Geschäftsklima stärker als erwartet gestiegen

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im März erneut stärker als erwartet verbessert und damit die Hoffnung eines bevorstehenden Wirtschaftsaufschwungs untermauert.

rtr FRANKFURT. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei im März auf 91,8 Punkte nach revidiert 88,5 Punkten im Februar gestiegen, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag in München mit. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit 90,3 Punkten gerechnet. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn führte den Anstieg vor allem auf eine verbesserte Erwartungen zurück. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb warnte unterdessen, ein Aufschwung sei noch nicht sicher. Analysten sprachen dagegen nach den Daten von einem Signal für ein möglicherweise stärker als erwartetes Wirtschaftswachstum. In Ostdeutschland fiel der Anstieg des Geschäftsklimas schwächer aus als im Westen.

Sinn: Vor allem Erwartungen haben sich verbessert

"Die Besserung resultiert fast ausschließlich aus einer günstigeren Geschäftserwartung für die nächsten Monate; allerdings haben sich auch die Urteile zur aktuellen Lage stabilisiert, wenngleich auf niedrigem Niveau", erklärte Sinn zum Anstieg des Geschäftsklimaindexes in Westdeutschland. Der Index der Geschäftsbeurteilungen in Westdeutschland stieg im März leicht auf 76,9 Punkte von 76,8 Zählern im Februar. Der Index Geschäftserwartungen für die alten Bundesländer kletterte auf 106,3 Punkte von 101,0 Punkten im Vormonat. Ralph Solveen von der Commerzbank sieht in der weiterhin niedrigen Lagebeurteilung keinen Anlass zur Sorge. Ein solches Bild sei normal für den Zeitpunkt des Beginns einer Erholung. "Wenn im vierten Quartal der Tiefpunkt war, sollte sich im Mai oder Juni auch die Lageeinschätzung nach oben entwickeln", fügte er hinzu.

Nach Branchen hob Sinn den Anstieg im westdeutschen Verarbeitenden Gewerbe hervor. Zudem erklärte der Ifo-Chef: "Auffallend ist diesmal die Erholung im westdeutschen Einzelhandel nach der ausgeprägten Schwäche im Februar." Auch im Bauhauptgewebe sei es zu einer leichten Verbesserung gekommen, während das Klima im Großhandel stabil geblieben sei.

Nerb: Aufschwung in Deutschland noch nicht sicher

Ifo-Volkswirt Nerb warnte in einem Reuters-Interview am Dienstag, ein Aufschwung in Deutschland sei trotz des Anstiegs des Geschäftsklimas im März noch nicht sicher. "Man kann nicht sagen, dass der Aufschwung schon gesichert ist, das sind immer noch Frühindikatoren." Der Index zur Lagebeurteilung sei noch in der Nähe des Tiefpunktes. Allerdings spreche einiges dafür, dass die Lagebeurteilung sich in den kommenden Monaten bessern werde. Ein Risiko für den Aufschwung sah Nerb in Streiks bei den aktuellen Tarifrunden.

Analysten halten dagegen nach den Ifo-Daten ein stärker als bisher erwartetes Wirtschaftswachstum für möglich. "Die Daten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das Wachstum in den kommenden Quartalen stärker als erwartet ausfallen könnte", sagte Jean-Francois Mercier von Schroder Salomon Smith Barney in London. Im ersten Quartal werde das Wachstum aber wohl "nicht so stark" sein. Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin sieht damit die Trendwende erreicht. "Die konjunkturelle Trendwende ist damit vollzogen. Der Optimismus nimmt spürbar zu." Entscheidend dafür sei die Stabilisierung der Lageeinschätzung. Nun sei auch ein leichtes Wachstum im ersten Quartal 2002 zum Vorquartal wahrscheinlicher geworden.

Klima in Ostdeutschland weniger verbessert als im Westen

Im Gegensatz zu den alten Bundesländern fiel die Verbesserung des Geschäftsklimas in den neuen Ländern schwächer aus. Insgesamt war die Entwicklung in Ostdeutschland aber der im Westen ähnlich. Auch in Ostdeutschland habe sich das Klima verbessert, aber weniger als im Westen, stellte Ifo-Chef Sinn fest. "Das lag hier an den ungünstigeren Urteilen zur aktuellen Lage; die Erwartungen für die nächsten Monate haben sich aber weiter gebessert." In Ostdeutschland kletterte der Geschäftsklimaindex auf 100,8 von revidiert 100,1 Punkten. Der ostdeutsche Index der Geschäftsbeurteilungen fiel dagegen auf 112,4 Stellen im März nach 116,5 Punkten im Februar. Der Index der Geschäftserwartungen in den neuen Bundesländern stieg auf 86,8 von 84,8 Punkten.

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