Verbände rechnen mit geringeren Rückgängen als im vergangenen Jahr
Abwärtstrend am Bau lässt etwas nach

Der teilweise dramatische Abwärtstrend in der deutschen Bauindustrie könnte im laufenden Jahr etwas nachlassen "Wir sehen Licht am Ende des Tunnels", sagte Ignaz Walter, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, gestern in Berlin. Nach seinen Angaben ist der baugewerbliche Umsatz im vergangenen Jahr um 8,3 % auf 91 Mrd. Euro gesunken. Derzeit gebe es aber "berechtigte Hoffnungen", dass die deutsche Bauwirtschaft zumindest in Westdeutschland "das Schlimmste hinter sich hat. Jedoch werde es auch im laufenden Jahr noch einen leichten Umsatzrückgang um 2 bis 3 % geben.

jun/jkn/kie BERLIN. So sieht der Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB) die die Zukunft denn auch überhaupt noch nicht rosig: Von einem Licht am Ende des Tunnels, so Sprecherin Ilona Klein, könne angesichts des erwarteten Umsatzrückgangs keine Rede sein.

Etwas optimistischer ist Christiane Nestroy von der Hypo-Vereinsbank. Sie rechnet im laufenden Jahr mit einer Stagnation bei den Bauinvestitionen. "Wir gehen von einem kleinen Plus bei den Bauinvestitionen in Höhe von 0,2 Prozent aus", sagte die Analystin. Allerdings fußen die Prognosen der Experten zu einem großen Teil auf dem Prinzip Hoffnung. Voraussetzung sei, dass die rezessiven Tendenzen des Herbstes 2001 rasch überwunden würden, sagte Ignaz Walter.

Keine Entspannung sieht Walter am Arbeitsmarkt. Voraussichtlich gingen im Bauhauptgewerbe in diesem Jahr weitere 40 000 bis 60 000 Stellen verloren. Im vergangenen Jahr hatte die Branche 90 000 Arbeitsplätze abgebaut. Dadurch war die Zahl der Bauarbeiter erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik unter die Grenze von einer Million auf 960 000 gesunken. Der Stellenabbau wird nach Ansicht von Walter vor allem Ostdeutschland treffen, während die Zahl der Arbeitsplätze in Westdeutschland stabil bleibe.

Positive Impulse erwartet der Verbands-Präsident vom Wirtschaftsbau und dem öffentlichen Bau. Der Rückgang der Leerstandsquoten in den deutschen Großstädten signalisiere erste Engpässe auf den Büromärkten. Zudem stünden im Bundeshaushalt 2002 mehr als 12 Mrd. Euro für Bauinvestitionen bereit.

Dagegen setzt Bauexpertin Nestroy von der Hypo-Vereinsbank allenfalls auf eine kleine Belebung im öffentlichen Bau. "Im Tiefbau erwarten wir ein kleines Plus von 1 bis 1,5 Prozent. Dort könnten einige Projekte der öffentlichen Hand für etwas Schwung sorgen", sagte die Analystin. Letztlich hänge dies aber davon ab, wann die Projekte gestartet würden. Zurückhaltender beurteilt der ZDB die Lage am öffentlichen Bau. Angesichts der katastrophalen Finanzschwäche der Kommunen würden die Investitionen eher um vier Prozent zurückgehen, schätzt Klein.

Auch beim Wirtschaftsbau scheiden sich die Geister. Im Gegensatz zu Verbands-Präsident Walter rechnet der ZDB allenfalls mit einer Stagnation. "Wenn die Konjunktur nicht anspringt, dann wird der Wirtschaftsbau keine Impulse liefern können", sagte Klein. Das bestätigte Christiane Nestroy von der Hypo-Vereinsbank.

Allerdings dürften die kleinen Lichtblicke nicht ausreichen, um die negative Entwicklung des Wohnungsbaus zu kompensieren. "Der Wohnungsmarkt ist tot", räumte Walter ein. Walter kritisierte vor allem die "unfaire" Mietgesetzgebung und die abgespeckten Förderprogramme.

Nach Auffassung des Verbandspräsidenten wird der verhaltene Aufschwung allein Westdeutschland treffen. Die Lage im Osten bleibe Besorgnis erregend. Dennoch könne sich das Tempo der konjunkturellen Abschwächung verlangsamen.

Die Ursachen für die Probleme der deutschen Bauindustrie sind laut Walter "hausgemacht", liegen aber auch an "Fehlern der Politik". Zwar habe die Bauindustrie 20 bis 40 % der Kapazitäten abgebaut. Die seien im Mittelstand und im Handwerk aber wieder aufgebaut worden. Aus jeder Baupleite entstünden ein oder mehrere neue Unternehmen, so dass es heute mehr Baufirmen gebe als vor fünf Jahren.

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