Verbaler Schlagabtausch im Netz
Chatroom wird zum virtuellen Schlachtfeld

Nur wenige Stunden nach den Anschlägen auf New York und Washington mutierten einige Online-Foren des Webs zu virtuelle Schlachtfelder.

rtr DUBAI. Der verbale Schlagabtausch tobt unter anderem in einem Chatroom, den eine Gruppe arabisch-stämmige Amerikaner eigentlich eingerichtet hatte, um Arabern die Suche nach vermissten Freunden und Angehörigen in New York zu erleichtern. "Die Araber haben begonnen. Nun werden wir euch den Zorn des amerikanischen Volks zeigen", droht ein Chat-Teilnehmer - obwohl er gleichzeitig hofft, dass die Anschläge nicht die Vorboten eines Krieges zwischen Christen und Moslems sind. "Werft Atombomben auf den gesamten Nahen Osten. Gott schütze Amerika", ruft ein anderer nach Vergeltung.

Auf der anderen Seite feiern einige Araber und Palästinenser, was sie eine "eine Lektion für die Vereinigten Staaten" nennen. "Der Klang der islamischen Gerechtigkeit hat New York erschüttert", schrieb ein Chatter, der danach aus dem Forum geworfen wurde. Ein anderer gab sich als Palästinenser aus und jubelte darüber, dass entführte Passagierflugzeuge mit Selbstmördern am Steuerknüppel die "Waffen einer neuen Ära" seien. Mit Abscheu reagierten wiederum Forumsteilnehmer aus den USA auf Fernsehbilder, die Palästinenser nach Bekanntwerden der Terroranschläge voller Freude auf den Straßen israelisch besetzter Gebiete zeigten.

Wilde Spekulationen über Verantwortliche der Tat

Viele verwiesen in den Chatrooms auf Amerikas Staatsfeind Nummer Eins, den extremistischen Islamisten und Multimillionär Osama bin Laden. Er gilt seit langem als einer der weltweit wichtigsten Drahtzieher des Terrors. Andere machten Palästinenser für die Tat verantwortlich, weil diese die USA für deren Nähe zu Israel verabscheuten.

In all den Hass und die Aggressionen mischten sich auch Stimmen, die zum Gedenken an die Opfer aufriefen. "Lasst uns für die beten, die gestorben sind. Christen, Juden und Moslems", schrieb ein New Yorker. Er wies darauf hin, dass Menschen aller drei Religionen unter den Tausenden Toten seien. Und Venus, eine Chatterin aus dem US-Bundesstaat Georgia, sagte: "Ich habe einen arabisch-amerikanischen Freund, und ich beschuldige niemanden, bis sie sagen, wer es getan hat und das beweisen."

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