Verband: Bei Online-Apotheken gibt es keine Fachberatung
Apothekerverband BVDA klagt gegen Medikamentenversand

Im Streit um den Medikamentenversand per Internet klagt der Bundesverband Deutscher Apotheker (BVDA) nun gegen die niederländische Versandapotheke Doc Morris sowie gegen Mitarbeiter gesetzlicher Krankenkassen, die mit ihr abrechnen.

Reuters FRANKFURT. Ende Juli habe der Verband Strafanzeige unter anderem gegen den Doc Morris-Gründer Ralf Däinghaus, gegen den Vorsitzenden der Gmünder Ersatzkasse Dieter Hebel sowie den Vorsitzenden der Betriebskrankenkassen Landesverband Bayern, Gerhard Schulte, beim Landgericht Frankfurt (AZ: 8910 Js 224333/O2U) gestellt, teilte der Apothekerverband am Mittwoch in Frankfurt mit. "Die Krankenkassen wollen unser Gesundheitssystem unter dem Vorwand der Kostendämpfung umstrukturieren", sagte BVDA-Präsident Wilhelm Raida vor Journalisten. Strafanzeige und Strafantrag seien ein erster Schritt, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Der Verband begründete seine Klage unter anderem mit dem Verdacht auf Inverkehrbringen gesundheitlich bedenklicher Medikamente. Auch bestehe der Verdacht der Untreue der Verantwortlichen der genannten Krankenkassen durch den Abschluss ungültiger Verträge. Dadurch könnten sich etwa Rückerstattungsansprüche ergeben, führte Rechtsanwalt Edgar Weiler aus. Ferner gebe es den Verdacht, dass anfallende deutsche Steuern durch Tarnung eines Versandgeschäfts als Abholgeschäft vermieden würden. Preisnachlässe gingen daher zu Lasten des deutschen Steuerzahlers.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums wies hierzu auf Anfrage darauf hin, dass Doc Morris mehrfach versichert habe, die vollen 16 % Mehrwertsteuer an das zuständige deutsche Finanzamt abzuführen.

Seit Jahren wird in Deutschland über die Zulassung des Versandhandels mit Medikamenten gestritten. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte angekündigt, den Internet-Versandhandel mit Medikamenten künftig unter Auflagen zuzulassen.

Apotheker, die deutliche Umsatzeinbußen erwarten, bemängeln jedoch, dass es im Versandhandel keine Garantie für die Einhaltung von Lagerbedingungen für Arzneimittel gebe. Zudem gebe es bei Online-Apotheken keine Fachberatung. Der Versandhandel mit Medikamenten ist bislang in Deutschland verboten. Eine grundsätzliche Entscheidung wird wohl erst ein 2003 oder 2004 erwartetes Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) bringen. Die Richter in Luxemburg überprüfen das deutsche Versandhandelsverbot vor dem Hintergrund der europäischen E-Commerce-Richtlinie.

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