Verband hält Offensive für "Schwachsinn"
Wal-Mart senkt wieder die Preise

Wal-Mart setzt weiter auf den Preiskampf im Supermarkt: Der US-Handelskonzern teilte am Montag am deutschen Firmensitz Wuppertal mit, für mehr als 1 000 Artikel seien jetzt auf Dauer die Preise gesenkt worden. Metro, Rewe und Edeka reagierten gelassen auf die Ankündigung. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) dagegen kritisierte die Kampagne als Versuch einer "Verdrängungsstrategie". In betriebswirtschaftlicher und unternehmenspolitischer Hinsicht sei die Aktion "Schwachsinn".

ap/ddp/vwd WUPPERTAL. "Wir möchten dazu beitragen, die Lebenshaltungskosten unserer Kunden weiter zu senken", sagte der Geschäftsführer von Wal-Mart in Deutschland, Volker Barth. Wal-Mart unterhält in Deutschland insgesamt 94 Märkte. In den USA gibt es 1 736 Wal-Mart-Märkte, 888 so genannte Supercenter und andere Geschäfte des Konzerns. Insgesamt ist das Unternehmen in zehn Ländern der Welt aktiv und beschäftigt 1,24 Mill. Menschen.

Der Handels-Konzern Metro nahm die Nachricht gelassen auf: "Wir bleiben ganz entspannt und ruhig", sagte Sprecher Albrecht von Truchseß in Düsseldorf. "Man macht Märkte nicht allein über Preiskampf." Wichtiger seien Kundenbindung, Dienstleistung und Service. "Wir entwickeln unsere Preise ungeachtet des Verhaltens der Wettbewerber", betonte der Sprecher.

Die Metro lehne eine reine Fixierung auf den Preis ab. Die Real-Märkte als die direkten Wal-Mart-Konkurrenten im Metro-Konzern seien trotz des zweimaligen Preiskriegs im vergangenen Jahr auf einem guten Weg, was die Unternehmenspolitik der Metro bestätige.

Die Einzelhandelskette Edeka reagierte ebenfalls mit Gelassenheit. "Im Grunde genommen hat Wal-Mart seine Preise nur an das Edeka-Niveau angepasst", sagte Unternehmenssprecher Joachim Brozio. So günstig wie das Warenhaus Wal-Mart sei Edeka mit 11 000 Geschäften im Lebensmittelbereich schon längst. Brozio könne sich langfristig nicht vorstellen, dass die Preise für Lebensmittel noch weiter nach unten gehen, als sie jetzt schon sind.

Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck sagte: "Es gibt keinen Grund zur Aufregung." Die Kunden würden sich "das ganz genau ansehen", meinte der Sprecher. "Die Leistung lebt doch nicht von ein paar Preisen, sondern von Frische, Angebot sowie - in Zeiten von BSE vermehrt - Sicherheit und Qualität der Lebensmittel." Ein Tengelmann-Sprecher nahm nicht Stellung.

Einzelhandelsverband sieht bei Wal-Mart Servicedefizite

Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels (HDE), Holger Wenzel, sagte: `Mich wundert es in hohem Maße, dass den Herrschaften bei Wal-Mart nichts Besseres einfällt, als wieder auf die Preistube zu drücken." Wenn es sich bei den Preissenkungen um relevante Produkte handle, könne man sich wohl darauf verlassen, dass auch die deutschen Wettbewerber darauf einsteigen und ebenfalls die Preise senken. Allenfalls wenn die Preissenkungen unterhalb des Einstandspreises reduziert würden - und somit das Kartellrecht zum Zuge komme - würde eine neue Preissenkungsrunde nicht zu erwarten.

In betriebswirtschaftlicher und unternehmenspolitischer Hinsicht sei die Aktion "Schwachsinn".
Zwei frühere Preisrunden der US-Amerikaner auf dem deutschen Markt hätten zu einem schlechteren Geschäftsergebnis geführt und dem Konzern Imageschäden zugefügt, sagte Wenzel. Wal-Mart komme mit einer auf den Preis konzentrierten Strategie nicht an. Der Konzern müsse sein Konzept verbessern. "Es stünde Wal-Mart wirklich besser an, den Auftritt außerhalb des Preises zu verbessern", sagte Wenzel. Das gelte etwa für die Verfügbarkeit von Waren oder auch für den Service.

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