Verbandschef von Köller im „Frankfurter Gespräch“: Zug zur Größe
Hypothekenbanken werden sich stärker spezialisieren

Wachstum am Kapitalmarkt und im Ausland, Spezialisierung in ausgewählten Bereichen - diese Strategien schlägt von Köller vor, um die Renditen der Hypobanken zu steigern.

FRANKFURT/M. Konsolidierung und Neuausrichtung der Geschäftsfelder - in der Hypothekenbranchen sind sie nach Ansicht von Investoren und Marktbeobachtern notwendig, um die Rentabilität der Institute zu erhöhen. Auch Karsten von Köller, Vorsitzender des Verbandes deutscher Hypothekenbanken und Vorstand der Commerzbank-Tochter Rheinhyp, räumt ein: "In bestimmten Bereichen wird es in Zukunft einen Zug zur Größe geben." Das gelte für die Refinanzierung, wo der Markt beim zentralen Instrument Jumbo-Pfandbrief Volumina von mindestens 2 Mrd. Euro verlange. Größe zähle auch im Europageschäft, wo Großinvestoren von den Instituten zunehmend Finanzierungen ganzer Immobilien-Portfolios verlangten. Auf eine Prognose, wie viele international tätige, große Hypothekenbanken der Markt verträgt, wollte sich von Köller im Gespräch mit dem Handelsblatt jedoch nicht festlegen.

Was er etwas verschlüsselt "Zug zur Größe" nennt, klingt bei der Rating-Agentur Moody?s viel klarer nach Fusionen und Übernahmen: "Restrukturierung und Konsolidierung des Hypothekenbankensektors wird wahrscheinlich ein wichtiger Teil eines generell notwendigen Ausleseprozesses in der deutschen Bankindustrie sein."

Eine große Herausforderung stellt es für die Hypothekenbanken dar, in einem besonders im Inland schwierigen Marktumfeld mit stark rückläufigem Neugeschäft und mageren Margen den gestiegenen Renditeansprüchen der Eigentümer gerecht zu werden. So erhöhen Großbanken den Druck auf ihre Hypo-Töchter, die viel teures Eigenkapital binden und daher oft die Konzernrendite drücken, und denken wie Dresdner oder Hypo-Vereinsbank über Umstrukturierungen in diesem Geschäft nach.

Ertragsquellen erschließen, die kein Eigenkapital kosten

Die Hypothekenbanken wollen sich dadurch zwar nicht von ihrer Konzentration auf ihre Kernkompetenzen Staats- und Immobilienfinanzierung abbringen lassen, wie von Köller versichert - schon allein, um die Qualität der Pfandbriefe nicht zu gefährden. Gleichwohl versuchen sie, durch behutsame Ausweitung ihrer Aktivitäten auf Beratungs- und Serviceleistungen rund um die Immobilie neue Ertragsquellen zu erschließen, die kein Eigenkapital erfordern und daher die Renditen verbessern.

Auch der Trend zur Spezialisierung, den Verbandschef von Köller sieht, könnte die Rentabilität erhöhen. Die größten Veränderungen stünden im sehr margenschwachen Privatkundengeschäft bevor. Nach von Köllers Ansicht könnten sich dort Spezialisten bilden für die Kreditbearbeitung, für das Brokerage von Risikoaktiva, für das Management notleidender Kredite, die Beratung bei Verbriefungen oder Strukturierungen von Portefeuilles. Von Köller zeigte sich überzeugt davon, dass die Margen auch im Privatkundengeschäft wieder zulegen werden - der Zeitpunkt sei aber ungewiss.

Auch wenn die Zeiten wieder besser werden sollten, bleibt noch viel zu tun. Moody's hält den hiesigen Hypothekenbanken vor, bei wichtigen Branchentrends - etwa der Konsolidierung und der Verbriefung von Forderungen - hinter anderen Ländern zurückzubleiben. Von Köller räumte ein, dass die deutschen Hypothekenbanken Verbriefungen noch als "sehr kosten- und arbeitsintensive Finanzierungsinstrumente" sähen. "Wir haben ja auch mit dem Pfandbrief ein hervorragendes, international anerkanntes Refinanzierungsinstrument geschaffen." Leider hätten Pfandbriefe den Nachteil, die Bilanzen zu belasten.

Öffentlich-Rechtliche verfälschen die Margen

Von Köller sieht die Margen derzeit auch durch die öffentlich-rechtlichen Institute verfälscht. Bei einer Aufspaltung der Landesbanken gehörten das kommunale Kreditgeschäft, das Hypothekargeschäft und die Bausparkassen unbedingt in den privatwirtschaftlichen Teil. Dann würde der Pfandbrief als Refinanzierungsinstrument für diese Hypothekeninstitute wieder deutlich attraktiver, während sie sich bislang stark über ungedeckte Schuldverschreibungen finanzierten. "Wir gewinnen einen natürlichen Mitstreiter für den Pfandbriefmarkt", freute sich von Köller. Das Marktvolumen dürfte spürbar steigen.

Die Konkurrenzsituation auf den europäischen Märkten sieht er gelassen. Das Geschäft mit gewerblichen Finanzierungen im Ausland ist der Wachstumsträger der Branche. Zwar sei das Gesamtwachstum der Märkte begrenzt, doch sollte es den deutschen Instituten gelingen, ausländischen Konkurrenten Marktanteile abzunehmen. "Zwar haben wir jetzt nicht hundert Jahre risikofreie Immobilienfinanzierung in Europa vor uns", sagte von Köller. Doch im Ausland seien weniger Wertberichtigungen zu erwarten als im Inland, weil die deutschen Hypothekenbanken sich dort auf qualitativ hochwertige Projekte konzentrierten und ausländische Investoren mehr Eigenkapital einsetzten. Doch ob das Auslandsgeschäft auch langfristig risikoarm bleibe, müsse sich in den nächsten Jahren noch zeigen.

Der von der Branche mit Ungeduld erwarteten Novelle des Hypothekenbankgesetzes sieht Dieter Bellinger, Hauptgeschäftsführer des Verbands, optimistisch entgegen: Die geografische Erweiterung der Geschäftstätigkeit auf die Schweiz, USA, Kanada und Japan sei mit dem Gesetzgeber weitgehend ausdiskutiert. Noch Gesprächsbedarf gebe es bei der Forderung der Institute nach mehr Geschäftsmöglichkeiten rund um die Immobilie.

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