Verbandspräsidenten als Architekten
Sparkassenversicherer sprechen über Fusion

Die Konsolidierung unter den öffentlich-rechtlichen Sparkassen geht weiter. Die Sparkassen-Versicherung Hessen Nassau Thüringen in Wiesbaden und die Sparkassen Baden-Württemberg-Versicherung in Stuttgart führen derzeit Gespräche über eine Fusion. Das bestätigte jetzt ein Sprecher des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen. Ein Sprecher des Verbandes in Baden-Württemberg räumte etwas zurückhaltender lediglich "Gespräche intensiver Art" ein.

FRANKFURT/M. Mit einer Fusion würde neben der Versicherungskammer Bayern, die 2002 nach eigenen Angaben auf Bruttobeitragseinnahmen von 4,5 Mrd. Euro kam, innerhalb des Sektors der öffentlichen Versicherer ein neues Schwergewicht mit über 5 000 Mitarbeitern und rund 2,7 Mrd. Euro Prämienvolumen entstehen, davon kämen allein rund 1,8 Mrd. von dem Partner in Baden-Württemberg.

Über den Stand der Gespräche und einen möglichen Zeitplan wollten sich die Sprecher nicht äußern. Es gehe vor allem um die Realisierung von Synergien in nachgelagerten Bereichen. Die beiden Unternehmen betreiben bereits gemeinsam mit der Bayerischen Versicherungskammer ein EDV-Zentrum.

Die betroffenen Unternehmen selbst äußerten sich nicht zu den Plänen. In Wiesbaden hieß es lediglich, die Initiative liege bei den Verbänden. Ein interessantes Detail: Der Versicherer in Baden-Württemberg ist bereits eine Aktiengesellschaft, die direkt den Sparkassen des Landes gehört. Das hessische Unternehmen ist nach wie vor öffentlich-rechtlich, wobei der hessen-thüringische Verband zu 90 % und der rheinland-pfälzische zu 10 % Gewährträger sind. Bei einer echten Fusion müssten daher zuvor noch die Rechtsformen angeglichen werden.

Architekten der möglichen Fusion, die offenbar innerhalb eines sehr kleinen Personenkreises vorangetrieben wird, sind die beiden Verbandspräsidenten Gregor Böhmer (Hessen-Thüringen) und Heinrich Haasis (Baden-Württemberg.) Eine stärkere Bündelung der Versicherungsaktivitäten wird auch vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) angestrebt. In seinem Strategiepapier spricht er sich für die Zusammenführung von Aufgaben in gemeinsamen Einheiten aus, um Kosten zu sparen.

Branchenangaben zufolge scheiterte eine bisher als wahrscheinlicher gehandelte Fusion zwischen der Versicherungskammer Bayern und Baden-Württemberg an der Frage des künftigen Hauptsitzes des neuen Instituts. Diese Frage sei auch in der neuen Konstellation weiter offen. Bei der Versicherungskammer Bayern sagte ein Sprecher, man hoffe, dass auch nach einem Zusammengehen von Hessen-Thüringen und Baden-Württemberg eine Reihe von Kooperationen - etwa im Risikomanagement und der EDV - weitergeführt würden. Auch könne man sich in einem "Zukunftsmodell" vorstellen, dass es zu einer "Südschiene" bei den öffentlich-rechtlichen Versicherern unter Einschluss der Bayern komme.

Die öffentlichen Versicherer haben nach Angaben ihres Verbands in Deutschland mit rund 15 Mrd. Euro Prämien 2002 insgesamt einen Marktanteil von rund 10 %. Dies ist auch ihre Quote bei der Lebensversicherung, eher unterrepräsentiert sind sie mit 6 % in der privaten Krankenversicherung, ein deutliches Schwergewicht ist dagegen die Sachversicherung, wo die Gruppe auf gut 25 % Marktanteil kommt; in der Gebäudeversicherung ist sie in weiten Teilen Deutschlands Marktführer. Der Vertrieb erfolgt auf dem Land hauptsächlich über den eigenen Außendienst, in Ballungsgebieten sehr stark auch über die Sparkassen. Diese Struktur weisen auch die beiden möglichen Fusionspartner auf: Sie betreiben die Lebens- wie die Schaden-/Unfallversicherung, und haben einen Schwerpunkt in der Gebäudeversicherung. Beide Gruppen sind selbst durch Zusammenschlüsse entstanden, die Stuttgarter besteht in der heutigen Form seit dem Jahr 2000, der Partner in Wiesbaden seit 1997.

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