Verbandsvorstand Bernd Rodewald: Ab 1. Mai bieten die Kreditgenossenschaften ein konkurrenzfähiges Angebot
BVR mit einheitlichem Online-Broker

Die Kreditgenossenschaften starten unter ihrem neuen Internet-Auftritt VR-Networld am 1. Mai ein einheitliches Online-Brokerage. Innerhalb von drei Jahren werden schwarze Zahlen erwartet.

HB FRANKFURT/M. Am 1. Mai schließen die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken eine wichtige strategische Lücke und gehen mit einem einheitlichen Online-Brokerage-Angebot an den Markt. Unter der gemeinsamen Plattform VR-Networld werden die verschiedenen dezentralen Online-Brokerage-Lösungen des genossenschaftlichen Finanzverbundes zusammengefasst. "Vom Leistungsstandard repräsentiert das Online-Brokerage der Volks- und Raiffeisenbanken absolut den derzeitigen State of the art und ist mit dem Angebot der reinen Direktbanken vergleichbar", sagte Bernd Rodewald, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mittelfristig rechnete er damit, dass rund 30 % der Kunden das Angebot annehmen werden. In drei Jahren soll VR-Networld laut Plan schwarze Zahlen schreiben.

VR-Networld ist die zentrale Einstiegsseite für den gesamten genossenschaftlichen Finanzverbund. Es diene allerdings nur der Geschäftsanbahnung, betonte Rodewald. Der Geschäftsabschluss verbleibe bei den Primärbanken. Trotzdem ist der neue Internetauftritt ein verbundpolitisch brisantes Thema. Die Ortsbanken fürchten, dass Kunden direkt bei den Verbundunternehmen wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall oder dem Versicherer R+V landen. Die Primärbanken werden auf jeden Fall an den Provisionserlösen der Verbundunternehmen aus dem Internetgeschäft beteiligt werden, stellt Rodewald sicher.

Wichtig sei auch, dass das Angebot der Ortsbanken neben dem der Verbundunternehmen stehe. Außer Online-Brokerage gehören auch noch Geldanlage, Finanzierung, Immobilien, Versicherung sowie das Dienstleistungsfeld Leben zum Angebot. Unter jedem dieser Produktportale ist das Angebot des Verbundes gebündelt. So verbergen sich hinter Immobilie sowohl Finanzierungsangebote der Ortsbanken, als auch der Hypothekenbanken oder Bausparkassen.

Rodewald: Integrierter Ansatz mit dem Ortsbanken ist der bessere Weg

Ein zentraler Online-Broker mache für die genossenschaftliche Organisation keinen Sinn, sagte Rodewald. "Wir brauchen keine zentrale Direktbank". Wenn eine solche installiert würde, dann hätten der genossenschaftliche Verbund sehr schnell genau so viele Direktbanken wie Zentralbanken, also zwei oder drei. Ergebnis wäre eine Konkurrenz der Banken zu den Direktbanken und der Direktbanken untereinander. Der integrierte Ansatz mit dem Ortsbanken sei der bessere Weg, so Rodewald. Die Sparkassen, die gerade Pulsiv gekauft und damit einen zentralen Online-Broker installiert haben, sind somit kein Vorbild.

Die Realisierung von VR-Networld wird sich in vier Phasen vollziehen. Phase beginnt wie beschrieben am 1.Mai. In Phase zwei, die Ende dieses Jahres abgeschlossen sein wird, sollen die Seiten der Ortsbanken dem einheitlichen Auftritt weitestgehend angepasst werden. In Phase drei werden dem Kunden, sofern er zu identifizieren ist, dann Kontostände und ähnliches auf der Seite seiner Hausbank angezeigt. In der vierten Phase soll dann die völlige Individualisierung folgen, in dem der Kunde mit Namen angeredet wird. Bislang haben sich 350 der insgesamt 1 800 Volks- und Raiffeisenbanken dem gemeinsamen Auftritt angeschlossen. Rodewald schätzt, dass gut 1 000 dieser Banken mit eigenen Auftritten im Internet seien. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass sich die meisten der im Internet aktiven Institute anschließen werden. Die Kosten für die Umstellung der Ortsbankenseite müssen die Institute selber tragen. Gegen eine Lizenzgebühr können sie die Musterseite von VR-Networld leihen, sagt Rodewald.

Rodewald macht sich keine Sorgen, zu spät zu kommen, immerhin sind andere Online-Broker schon etabliert im Markt. "Da kommt uns im Moment auch ein wenig die Börsensituation zu Hilfe", sagt er. "Ich bin sehr optimistisch, das wir für die nächste Börsenwelle gerüstet sind."

Angesichts des schwierigen Marktumfeldes und des sich verschärfenden Wettbewerbs unter den Online-Broker betonte Rodewald die Notwendigkeit eines starken, finanzkräftigen Rückhalts. Und der sei im Verbund gegeben. Rodewald stimmt mit anderen überein, dass Direkt-Broker ohne diesen Rückhalt Schwierigkeiten bekommen werden.

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