Verbessernde Liquiditätssituation
Neuer Markt hat eine echte Chance auf Erholung

Der Neue Markt hat 2001 seine Talfahrt fortgesetzt. Enttäuschende Unternehmensergebnisse, teilweise unrichtige Ad hocs und weitere Insolvenzen prägten das Bild des deutschen Wachstumssegments.

vwd FRANKFURT. Von seinem Hoch im Januar bei etwa 3 000 Punkten ging es bis auf ein Allzeittief von 645 Zählern im September herunter. Seitdem befindet sich das Wachstumssegment in einer Erholungsphase und hat sich in etwa verdoppelt.

Nach dem Vertrauensverlust durch Missmanagement und Pleiten hätten sich 2001 praktisch alle Anleger vom Neuen Markt zurückgezogen, sagte Stefan Buchholz, im Sales-Bereich der DZ Bank tätig. Die Folge sei ein akuter Liquiditätsmangel gewesen. Am Tiefpunkt angelangt, habe es 2001 dennoch bereits Anzeichen für eine Besserung gegeben. Die Einführung der neuen Ausschluss-Regularien durch die Deutsche Börse etwa sei als erster Schritt in die richtige Richtung zu sehen, wenn er auch noch nicht ausreichend sei.

Dieter Schwarz, Aktienstratege bei Consors Capital, wünscht sich vor allem eine stärkere Börsenaufsicht nach dem Vorbild der SEC, die mit wesentlich größeren Kompetenzen ausgestattet ist, um etwa unrichtigen Unternehmens-Mitteilungen besser entgegen wirken zu können. Schwarz betont allerdings, dass der Markt selbst das beste regulative Element darstelle. Auch die Unternehmen hätten aus der Vergangenheit gelernt. "Die nehmen den Mund bei ihren Prognosen nicht mehr so voll." Bis zur Wiederherstellung des verlorenen Vertrauens sei es aber noch ein langer Weg. Die jüngste Kurserholung am Neuen Markt sei daher nicht überzubewerten. Nach Einschätzung von Schwarz ist sie größtenteils auf Short-Eindeckungen nach dem dramatischen Kursverfall zurückzuführen.

Dennoch sind beide Marktexperten optimistisch für das kommende Börsenjahr gestimmt. Schwarz sieht den Nemax-50 Mitte 2002 bei 1 900 Zählern, Buchholz hält gar 2 000 bis 2 200 Stellen für möglich. Einer der Gründe hierfür ist laut Schwarz die sich verbessernde Liquiditätssituation am Markt. Während Fonds im September noch den stärksten Mittelabfluss überhaupt ausgemacht hätten, seien nach einer Verbesserung im Oktober im November deutlich höhere Zuflüsse auszumachen gewesen. Darüber hinaus erwartet der Aktienstratege Umschichtungen aus Geldmarkt-Assets sowie aus dem Rentenmarkt. Nach den zahlreichen Zinssenkungen dürfte die beste Zeit am Rentenmarkt schon wieder vorbei sein. 2002 sei eher mit Zinserhöhungen seitens der Notenbanken rechnen.



Sinkender Ölpreis stützt Kaufverhalten

Auch das makroökonomische Umfeld mache eine Erholung wahrscheinlich. Der sinkende Ölpreis, die zahlreichen Zinssenkungen durch die Federal Reserve sowie die fiskalpolitischen Maßnahmen sollten Früchte tragen. Positiv sei zudem anzumerken, dass das Kaufverhalten der Konsumenten bislang nicht eingebrochen sei. Diese würden 2002 außerdem durch fallende Energiepreise entlastet. Schwarz hält es daher für durchaus möglich, dass die konservativen Schätzungen für das gesamtwirtschaftliche Wachstum sowohl in den USA als auch in Europa übertroffen werden, was sich letztlich auch in den Unternehmensbilanzen spiegeln würde.

Hierbei dürften sich nach Einschätzung von Buchholz zudem die reduzierten Unternehmensziele günstig auswirken, die leichter zu übertreffen seien. Insgesamt seien die durchschnittlichen KGV zwischen zehn und 25 durchaus wieder attraktiv. Allerdings würden sich wohl nicht alle Titel in gleichem Maße erholen. Das meiste Geld werde in Standardtitel und die zehn bis 20 liquidesten Titel am Neuen Markt fließen, so Buchholz. Zu nennen seien in diesem Zusammenhang Werte wie Aixtron, Qiagen, T-Online, ce consumer oder Singulus. Im Nemax-All-Share hingegen gibt es laut Schwarz noch immer eine Reihe von Gesellschaften, deren Geschäftsmodelle nicht überzeugen - weitere Pleiten seien zu erwarten.

Chancen sieht Schwarz im kommenden Jahr in den Branchen Logistik (Thiel) und Technologie (Kontron Embedded, Süss Microtec, Teleplan). Aussichtsreich sei zudem trotz der hohen Bewertung der Bereich Biotechnologie. Langfristig gebe es keine Branche, bei der die Fantasie so groß sei. Zu den Favoriten von Stefan Buchholz gehören IT-Dienstleister wie IDS Scheer, SAP Systems oder Syskoplan. Überraschungspotenzial biete die gebeutelte Medienbranche. Viele Unternehmen würden sicherlich zerschlagen, nach der Marktbereinigung könnte es für die verbliebenen Player aber wieder kräftig nach oben gehen.



Sollte das oben beschriebene günstige Marktszenario tatsächlich eintreten, sieht Buchholz die Chance, dass sich ein positives Aufwärtsmomentum am Neuen Markt bildet. Bei einer überzeugenden Performace des deutschen Wachstumssegments dürfte der Druck auf die institutionellen Investoren - allen voran Fondsmanager - schnell zunehmen. Dann würden wohl verstärkt auch wieder ausländische Anleger investieren, denn in letzter Instanz gehe es ums Geld verdienen.

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