Verbesserte Passport-Version soll der Konkurrenz das Wasser abgraben
Microsoft macht mobil gegen AOL

Microsoft-Chef Bill Gates kündigte am Montag die Initiative "Hagelsturm" gegen den Internet-Konkurrenten AOL an. Doch Datenschützer kritisieren das neue Sicherheitsprogramm.

PALO ALTO. Microsoft-Chef Bill Gates attackiert den erfolgreichen Online-Dienst America Online (AOL). "Hailstorm" (Hagelsturm) nennt er seine Initiative gegen AOL, das seit der Fusion mit Medienkonzern Time Warner eines der mächtigsten Unternehmen der Internet-Wirtschaft ist. Mit einem Bündel neuer Web-Dienste will die Software-Schmiede dem Konkurrenten Paroli bieten, sagte Gates am Montag vor Reportern und Analysten am Stammsitz des Unternehmens in Redmond im US-Bundesstaat Washington.

Dazu wird Microsoft eine verbesserte Fassung der Identifizierungssoftware Passport, sowie einen neuen Messenger Service, auf den Markt bringen, mit dem Mitglieder des Internetdienstes Microsoft Network (MSN) Kurznachrichten austauschen können. Außerdem gehöre eine neue Version des E-Mail-Dienstes "Hotmail" zur "Hagelsturm"-Initiative.

Alle drei Systeme gibt es schon seit geraumer Zeit. Im Zuge der von Microsoft ausgerufenen Dot.net Strategie wurden sie aber überarbeitet und auf die neue Softwaresprache XML (Extended Markup Language) umgestellt. XML dient der Programmierung von Internet-Seiten und ist eine Erweiterung des geltenden Standards HTML (Hypertext Markup Language).

Vor allem seiner Version von "Instant Messaging" und dem Erkennungs- und Freigabesystem Passport will Gates mehr Geltung verschaffen. Die "Hagelsturm"-Initiative wird deshalb nach Angaben von Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner auf der Computermesse Cebit eine wichtige Rolle spielen.

Nachrichtenaustausch auf direktem Wege

Mit "Instant Messaging" können die Mitglieder von Online-Diensten in einem direkten geschriebenen Dialog Nachrichten austauschen. Microsofts Konkurrent AOL hatte das Angebot entwickelt und systematisch ausgebaut. Seitdem gab es eine Reihe kontroverser Diskussionen, inwieweit Messaging-Dienste ihren Service auch dem Dialog mit Nichtmitgliedern öffnen sollen.

Microsofts Vorstandsvorsitzender nimmt die Herausforderung durch AOL offenbar sehr ernst. Am Montag erklärte er, das Projekt Hagelsturm sei noch wichtiger als der in der sogenannten Pearl-Harbor-Rede ausgerufene Browser-Krieg gegen den Konkurrenten Netscape.

Am 7. Dezember 1995, dem Erinnerungstag des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor in Hawaii, hatte Gates den Kurs seiner Firma radikal geändert. Microsoft sollte sich viel stärker als bisher dem Internet widmen.

Microsoft: Aggressive Vermarktung

Mit der aggressiven Vermarktung seines Internetbrowsers "Explorer" gelang es Microsoft, Netscape als eigenständiges Unternehmen zur Aufgabe zu zwingen. Der ehemalige Branchenprimus gehört heute zu AOL. Microsoft integrierte den Internet Explorers fest in sein Betriebssystem Windows 98, was zu dem Kartellverfahren gegen Bill Gates Software-Firma geführt hatte.

Bei der Bekanntgabe des Projektes "Hailstorm" spielte auch der Schutz persönlicher Daten eine große Rolle. Kritische Stimmen wurden in den USA vor allem zur Nutzung von Passport laut: Die dem Service zu Grunde liegende Datensammlung (Fachausdruck: Repository) soll mittlerweile über 160 Millionen Kundendaten umfassen. Verbraucheranwälte fürchten, die Daten könnten missbraucht werden. Auch die Kläger im Kartellverfahren gegen Microsoft rief die Initiaive erneut auf den Plan. Microsoft versicherte jedoch, jeder Kunde könne weiterhin selbst bestimmen, welche seiner Daten genutzt werden könnten.

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