Verbesserungen für Schichtarbeiter
Chemiebranche legt vor

Der Chemie ist der erste große Tarifabschluss dieses Jahres gelungen. Die 580 000 Beschäftigten in Westdeutschland bekommen zunächst für einen Monat 85 ? zusätzlich. Dann werden die Entgelte für die folgenden zwölf Monate um 3,3 % angehoben.

WiWo/ap LAHNSTEIN. Der Abschluss mit einer Gesamtlaufzeit von 13 Monaten umfasst zudem Verbesserungen für Schichtarbeiter und die Einführung eines Korridors für das Weihnachtsgeld von 80 bis 125 % eines Bruttomonatseinkommens. Die Gewerkschaft bezifferte das Gesamtvolumen auf 3,6 %.

Der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, sagte, der Tarifabschluss werde den Erwartungen der Beschäftigten ebenso gerecht wie den gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Jürgen Maaß, räumte ein, dass der Tarifabschluss die Unternehmen angesichts der schwierigen Chemiekonjunktur belasten werde: "Wir sind mit diesem Abschluss am oberen Ende unserer Kompromissmöglichkeiten angekommen." Die Gewerkschaft hatte ursprünglich eine Einkommensverbesserung um 5,5 % verlangt.

Nach dem Verhandlungsergebnis greift die Entgelterhöhung von 3,3 % ab dem zweiten Monat der Laufzeit. Für den ersten Monat erhalten die Mitarbeiter eine Einmalzahlung von pauschal 85 ?. Die Ausbildungsvergütungen steigen für die Gesamtlaufzeit um 23 ?. Der neue Tarifvertrag tritt in den meisten Tarifbezirken rückwirkend zum 1. März beziehungsweise 1. April in Kraft. Im Saarland gilt der Vertrag ab dem 1. Mai.

"Das ist Neuland im Tarifgeschehen"

Die Gewerkschaft hat mit diesem Verhandlungsergebnis zahlreiche Forderungen durchsetzen können. So werden bei der Reform des 15 Jahre alten Entgelttarifvertrags die bisherigen Entgeltgarantien durch normales Tarifentgelt ersetzt. Die Entgeltgarantien waren bei Einführung des gemeinsamen Entgelts für Arbeiter und Angestellte erfunden worden, um die Einkommen von Facharbeitern allmählich an das Niveau der Angestellten heranzuführen. Bei der Berechnung von Sonntags- oder Nachtzulagen blieb jedoch das niedrigere Tarifentgelt der Maßstab. Durch die Umwandlung der Entgeltgarantien können die Zulagen für Schichtarbeiter nun um bis zu 20 % steigen.

Bei der Neufassung des Weihnachtsgelds vereinbarten die Tarifparteien eine Lösung, die offensichtlich beiden Seiten entgegenkam. So können Unternehmensleitung und Arbeitnehmer in einer Betriebsvereinbarung festlegen, dass das 13. Monatsentgelt nach der Leistungsfähigkeit des Unternehmens berechnet wird. Bislang ist das Weihnachtsgeld auf 95 % eines Bruttoentgelts tariflich festgelegt. Die IG BCE hatte gefordert, über das 13. Monatsentgelt die Beschäftigten von prosperierenden Firmen stärker am Unternehmenserfolg zu beteiligen.

Der Vorsitzende des Bundesarbeitgeberverbands Chemie, Rüdiger Erckel, nannte die Einführung eines Korridors für das Weihnachtsgeld ein geeignetes Mittel, um in schwierigen Zeiten Standort und Beschäftigung zu sichern: "Das ist Neuland im Tarifgeschehen."

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