Verbindung mit jordanischen Terroristen
USA: Auslieferung von bin Laden reicht nicht aus

Eine mögliche Auslieferung des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden wäre für die USA offenbar nicht ausreichend, um auf den geplanten Vergeltungsangriff zu verzichten. "Das Problem ist eindeutig viel größer als bin Laden", sagte am Dienstag US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zu Informationen, wonach die Taliban-Führung in Afghanistan unter Umständen zur Auslieferung bin Ladens an ein Drittland bereit sein soll.

HB WASHINGTON/KABUL. US-Ermittler sehen einem Pressebericht zufolge eine erste konkrete Verbindung zwischen den Attentätern von New York und Washington und dem Moslemextremisten Osama Bin Laden. Zwei der Luftpiraten, die Maschinen als Geschosse gegen das World Trade Center und das Pentagon lenkten, hätten Verbindungen zu einem Mann gehabt, der im Dienste bin Ladens zur Jahrtausendwende Anschläge in Jordanien plante, berichtete die "New York Times" am Dienstag. Das ehemalige Bostoner Taxifahrer Rajed Hidschasi war im September in Jordanien als einer der Hauptdrahtzieher der Anschläge auf christliche Pilgerstätten zum Tode verurteilt worden.

Nach seiner Auslieferung von Syrien nach Jordanien hatte er nach Angaben der jordanischen Presse gestanden, Kontakte zu Bin Laden unterhalten zu haben, in dem die USA den Hauptverantwortlichen für die Anschläge in den USA sehen. Acht der insgesamt 28 Mitglieder seiner Gruppe wurden zum Tod verurteilt.

Der "New York Times" zufolge hatte Hidschasi Kontakte zu den Terroristen Satam As Sukami und Ahmed Alghamdi, die als Flugzeugentführer auf einer Liste der Bundespolizei FBI stehen. Sie waren an Bord der beiden Maschinen, die in die Türme des World Trade Centers rasten.

Die Entscheidung in Kabul über die Auslieferung soll der Rat der Geistlichen treffen. Bislang seien 300 Geistliche zu der Versammlung eingetroffen, sagte am Dienstag der Bürgermeister der afghanischen Hauptstadt, Mullah Hamdullah Nomani. Erwartet würden etwa 700 Ulemas (Gelehrte) aus allen Teilen des Landes. Sie sollen über das Ergebnis der Gespräche beraten, die eine pakistanische Regierungsdelegation mit Taliban-Vertretern führte. Die pakistanische Delegation ist einem pakistanischen Regierungssprecher zufolge nach Hause zurückgekehrt. Es gebe keine Pläne für einen weiteren Besuch Afghanistans, sagte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Riaz Khan, am Dienstag in Islamabad. Einzelheiten über den Verlauf des Besuchs nannte er nicht.

Bei dem Gesrpäch sollen die Taliban Bedingungen für eine Auslieferung Bin Ladens an ein anderes Land als die USA gestellt haben, wie am Dienstag aus Regierungskreisen in Islamabad verlautete. Genannt wurden eine internationale Anerkennung des Taliban-Regimes und die Aufhebung der UN-Sanktionen gegen Afghanistan gehören. Diese wurden verhängt, weil sich die Taliban unter Hinweis auf das islamische Gastrecht weigerten, bin Laden auszuliefern.

Unterdessen rief die Taliban-Führung die Bevölkerung und alle Moslems auf, sich auf einen Heiligen Krieg gegen die USA vorzubereiten. "Wenn Amerika unser Haus angreift, dann müssen alle Moslems, vor allem die Afghanen, einen Heiligen Krieg führen", erklärte Mullah Mohammed Hasan Achund bereits am Montag. Der Aufruf wurde am Dienstag von der amtlichen Nachrichtenagentur Bachtar verbreitet. Der von den USA gesuchte Osama bin Laden werde zu Unrecht für die Terroranschläge von New York und Washington verantwortlich gemacht, hieß es in der Erklärung des stellvertretenden Taliban-Führers.

"Wanted - Dead or Alive"

US-Präsident George W. Bush sagte am Montag bei einem Besuch des teilweise zerstörten Pentagons, die amerikanische Öffentlichkeit müsse sich auf einen ausgedehnten Krieg vorbereiten. Dabei müsse auch mit Opfern in den eigenen Reihen gerechnet werden. Bin Laden und seine Parteigänger müssten "tot oder lebendig" ("Wanted - Dead or Alive") gefasst werden. Außenminister Colin Powell erklärte am Montag, es reiche nicht aus, der Person Bin Ladens habhaft zu werden. "Es wird nicht vorbei sein, bis wir in das Innere dieser Organisation gelangt sind, in seine Entscheidungszirkel, seine Planungszirkel und seine Ausführungsfähigkeiten - und bis wir sie neutralisiert und zerstört haben." Auch der NATO-Oberbefehlshabers in Europa, US-General Joseph Ralston, erklärte am Dienstag, bei der bevorstehenden Vergeltungsaktion seien Opfer unvermeidlich.

Um dem Eindruck eines Kriegs gegen die gesamte islamische Welt entgegenzuwirken, besuchte Bush am Montag eine Moschee. "Islam bedeutet Frieden", sagte Bush. "Diese Terroristen aber vertreten nicht den Frieden, sondern Krieg und das Böse." Die in den USA lebenden Moslems sollten mit Respekt behandelt werden, sagte Bush mit Blick auf vereinzelte Ausschreitungen gegen Mitglieder der islamischen Gemeinschaft im Anschluss an die Terroranschläge vor einer Woche.

Die amerikanische Bundespolizei FBI nahm bislang 49 Personen fest, von denen sie Beiträge zur Aufklärung der Terroranschläge erwartet. Außerdem übermittelte die Polizeibehörde eine Fahndungsliste mit rund 200 Namen an nationale und internationale Polizeistellen, wie aus Ermittlungskreisen verlautete. FBI-Direktor Robert Mueller erklärte, es seien mehrere Haftbefehle zur Ergreifung so genannter unentbehrlicher Zeugen ausgestellt worden, die vermutlich über Informationen über die Anschläge verfügten. Wichtige Zeugen können in den USA in Gewahrsam genommen werden, auch wenn sie keiner Straftat beschuldigt werden.

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